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Wie Honigwaben für Jobs sorgen

Ab Oktober produzieren die Elbe Flugzeugwerke Fußbodenteile in Kodersdorf. Nicht die einzige Idee des Unternehmens.

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Von Katja Schlenker

Es sieht aus wie Honigwaben. Doch was Christopher Profitlich da in seiner Hand hält, ist nicht zum Essen, sondern soll einmal ein Teil des Fußbodens für ein Airbus-Flugzeug werden. Damit die Honigwaben sich zum Fußboden entwickeln, kommen sie nach Kodersdorf. „Die Honigwabe ist die stabilste Form, die es in der Natur gibt“, erklärt der Sprecher der Elbe Flugzeugwerke, als er vor Kurzem in der Gemeinde an der Bundesstraße B 115 zu Gast war. „Die Platten sind im Grunde nicht mehr kaputt zu kriegen.“

Ab Oktober will das Dresdener Unternehmen im Gewerbegebiet Kranichsberg einen Teil seiner Produktion auslagern. Für die Halle am Palettenwerk, das mittlerweile zur Firma Ilzhöfer gehört, sprechen verschiedene Aspekte. Das Unternehmen will Sachsen nicht verlassen, braucht jedoch eine funktionierende Infrastruktur und eine gute Autobahnanbindung. Beides gibt es in Kodersdorf. „Viel wichtiger ist jedoch, wie werde ich aufgenommen von den Leuten“, sagt Christopher Profitlich. „Wenn ich ein Problem habe und feststelle, es ist kein Problem da, weil die Leute das gut aufnehmen und Türen öffnen, passt es einfach.“

Damit meint er vor allem das Engagement des Görlitzer Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer und des Kodersdorfer Bürgermeisters René Schöne (beide CDU). Er hatte so manche schlaflose Nacht, wenn es nicht vorwärts zu gehen schien. „Manchmal haben wir uns schon gefragt, warum melden die sich nicht mehr“, erinnert sich René Schöne. Immerhin zwei Jahre hat es gedauert, alles unter Dach und Fach zu bekommen. Zahlreiche andere Angebote verschiedener Firmen hat der Bürgermeister auf dem Tisch liegen.

Noch ist die große Halle auf dem Gelände von Ilzhöfer leer. Das soll sich bald ändern. Die Honigwaben, welche aus Kunststoff sind, werden als zwei mal drei Meter große Platten nach wie vor in Dresden hergestellt. Anschließend kommen sie via Lkw zur Montage nach Kodersdorf. Die Honigwaben werden von einer Glas- beziehungsweise Kohlefaserschicht ummantelt. Sie müssen leicht, aber dennoch fest und beständig sein. Täglich sind unzählige Füße auf den Bodenplatten unterwegs, aber auch Feuer müssen die Paneele eine Zeit lang widerstehen können. „Wir haben in Dresden einen Hangar, wo die Kollegen für Kodersdorf momentan trainiert werden“, sagt Christopher Profitlich. „Sie lernen ihr Handwerk in Dresden, damit sie hier im Herbst loslegen können.“

Derzeit werden 30 Leute ausgebildet. Sie alle kommen aus dem Landkreis Görlitz. Unzählige Bewerbungen haben die Elbe Flugzeugwerke erhalten, nachdem der neue Standort Kodersdorf bekannt geworden ist. „Bewerben kann sich jeder“, sagt Christopher Profitlich. „Wir schauen uns dann an, was für ein Profil derjenige hat.“ Gut durchmischt soll die Truppe in Kodersdorf werden, mit Männern und Frauen, Jung und Alt. Manche werden in Vollzeit, andere in Teilzeit arbeiten. Geplant ist ein Zwei-Schicht-System, wie es in Dresden üblich ist. Wenn die Zeit drängt, um einen Auftrag fertigzubekommen, wird im Drei-Schicht-System und am Wochenende gearbeitet. Sobald der Montagebetrieb in Kodersdorf angelaufen ist, soll die Belegschaft relativ zügig auf etwa hundert Arbeitsplätze wachsen – zusätzlich zu den aktuell 1 100 Mitarbeitern, die in den Hallen am Dresdener Flughafen produzieren. Deren Arbeitsplätze sind nicht gefährdet, weil die Elbe Flugzeugwerke zahlreiche Pläne für die Zukunft haben. Zum Beispiel testen die Dresdner Verkehrsbetriebe die Platten derzeit in ihrer Straßenbahn. Jedoch sind da andere Anforderungen zu erfüllen, als in einem Flugzeug. Die Bodenplatten müssen Wind und Wetter standhalten. Dennoch gilt: „Die Bodenplatten sind überall im Transportwesen einsetzbar und kostensparend“, sagt Christopher Profitlich.

Ein weiteres Standbein der Elbe Flugzeugwerke ist die Wartung, Reparatur und Instandsetzung von Flugzeugen. Kernprojekt dabei ist die Airbus-Familie. Derzeit liegt das Unternehmen bei 50 000 Wartungsstunden im Jahr. In den kommenden drei bis vier Jahren soll diese Zahl auf 500 000 Stunden ansteigen. Außerdem startet das Unternehmen 2016 damit, den Airbus 330 umzurüsten, und will sich in den kommenden Jahren etwa im maritimen Bereich weiterentwickeln. All das ist auch gut für die Gemeinde an der Bundesstraße B 115. „Wenn wir produzieren müssen, muss Kodersdorf montieren“, sagt Christopher Profitlich.