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Wie Hoyerswerdaer Schüler Corona sehen

Im Lausitz-Center ist bis 11. Juli eine kleine Galerie zu sehen und der Publikumsfavorit zu küren.

„Corona aus Schülersicht“ – dieses „Portrait“, geschaffen von Lea Simon aus dem Leistungskurs Kunst des Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gymnasiums, wirbt um die Gunst des Publikums.
„Corona aus Schülersicht“ – dieses „Portrait“, geschaffen von Lea Simon aus dem Leistungskurs Kunst des Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gymnasiums, wirbt um die Gunst des Publikums. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Klassisch-griechischen Bildhauern wurde und wird von der Kritik der Jetztzeit vorgeworfen, dass sie, die sie doch geradezu detailversessen waren, was Faltenwurf, Körperstrukturen und Haare anbelangt, dass also gerade sie die Augen, „die Fenster zur Seele“, komplett vernachlässigten: anstelle von feinziselierter Pupille, Iris und Linse, die eine Fülle von Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten geboten hätten, nur blicklose dürftige Wölbungen.

Nun, das Gegenstück ist derzeit in natura zu sehen: kaum deutbare Augenpaare über Masken, die jegliche Mimik verschleiern und es dem Gegenüber schwer machen, die Gemütsverfassung des Hüllenträgers annäherungsweise zu enträtseln.

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Vater, Mutter und Kinder
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Dem trägt auch die Kunst Rechnung: Jenem erzwungenen Gesichts- und Persönlichkeits-Verlust entsprechen, müssen entsprechen notwendigerweise Portraits, die jetzt entstehen. Portraits, wie sie seit gestern bis noch zum 11. Juli im C-&-A-Lichthof des Lausitz-Centers zu sehen sind und den Großteil der Schau „Corona aus Schülersicht“ ausmachen: elf Arbeiten aus dem Leistungskurs des Léon-Foucault-Gymnasiums; drei aus der Grundschule Am Park.

Die symbolischen Bilder geben die Situation und die Stimmung wieder: „Social distancing“ wird ironisch angemahnt. Nicht maskierte Antlitze blicken sehnsuchtsvoll in eine erhoffte „Freiheit“; einfache Wort-Botschaft im Bildmittelpunkt.

Und dann sind da eben jene besagten Portraits. Hochachtung vor den jungen Künstlerinnen und Künstlern, die es verstanden haben, trotz der Vermummung doch einen Hauch von Emotion über eben die Augen aufscheinen zu lassen – freilich sind es gefühltermaßen in der Mehrzahl traurige Gesichter.

Nun, man kann sich seit gestern selbst einen Eindruck verschaffen – und per Stimmzettel seinen Favoriten wählen. Die populärsten Arbeiten beziehungsweise deren Schöpfer werden mit Preisen geehrt.

Verdiente Extra-Ehren wurden gestern Wolfgang Siegel zuteil: Der Lautaer Werbefachmann, der mit seinen Leuten das Gros der Center-Dekorationen gestaltet, hatte die Kulisse dieser Ausstellung in kürzester Zeit auf die Beine der Bildwände gestellt – und Geburtstag hatte er auch. Die Anwesenden, allen voran Center-Manager Dieter Henke, sangen ein „Happy Birthday“; vielleicht auch in Vorwegnahme des 25. Lausitz-Center-Geburtstags am 31. August.

Dass die Masken dann Geschichte sind, ist leider zu bezweifeln. Immerhin müssen strafhalber selbst die lustig-quietschbunten medizinballgroßen Pappmaché-Coronaviren, die im Lichthof über den gezeigten Arbeiten schweben, Mund-Nase-Bedeckung tragen. Vielleicht bekommen sie es satt; geben gar auf? Kunst, die Idee, kann ja bekanntlich zur materiellen Gewalt werden.

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