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Weißwasser

Wie ich wieder laufen lernte

Über Nacht war Tageblatt-Redakteurin Constanze Knappe weg. Jetzt ist sie wieder da. Und das sogar mit Verstärkung.

Frauenpower in der Tageblatt-Redaktion in Weißwasser: Sabine Larbig (links) und Constanze Knappe freuen sich darauf, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, in der Stadt und dem Umland interessante Geschichten aufzuspüren.
Frauenpower in der Tageblatt-Redaktion in Weißwasser: Sabine Larbig (links) und Constanze Knappe freuen sich darauf, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, in der Stadt und dem Umland interessante Geschichten aufzuspüren. © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser. Es hat was von Urlaub, bei strahlendblauem Himmel und sommerlich heißen Temperaturen Richtung Bärwalder See zu düsen. Doch Urlaub habe ich mitnichten. Mein Weg führt mich stracks ins Büro. Ich bin wieder in der Redaktion. Es scheint, als sei ich gestern noch hier gewesen. Dabei war ich vier Monate weg ...

Unfreiwillig. Am 7. Februar hatten in der Telux Einwohner von Weißwasser mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) über Perspektiven diskutiert und Mühlroser erneut klargemacht, dass sie seine Unterstützung für ihre Umsiedlung fordern. Der Abend zog sich in die Länge. Dennoch fuhr ich ganz entspannt nach Hause, freute mich auf das Gassigehen mit meinem Hund, was mir regelmäßig zum Tagesausklang half, herunterzukommen. Dass es auf lange Sicht die letzte Runde sein würde, wusste ich da noch nicht.

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Eine gruselige Vorstellung

Ich stürzte. Das Geräusch in der menschenleeren Straße verhieß nichts Gutes. Begleitet von einem bedröppelt dreinschauenden Hund schleppte ich mich mehr schlecht als recht nach Hause. In der heroischen Ansicht, dass es mit Eisbeutel und Schmerztabletten irgendwie gehen würde. Es ging nicht. Mein rechter Fuß mutierte zu einem Klumpen. Am Morgen brachte mich mein Mann in die Notaufnahme des Bautzener Krankenhauses. Zwei Stunden, mehrere Röntgenaufnahmen und ein CT später stand die Diagnose: Sprunggelenk und Schienbein gebrochen! Das musste operiert werden. Da der Fuß dafür viel zu geschwollen war, wurde ich mit Gipsbein nach Hause geschickt. Erlaubt war nur der Weg vom Bett aufs Sofa und aufs Klo. Eine Woche später folgte die OP. Eine Platte und neun Schrauben wurden mir eingesetzt.

Statt Computer, Handy und Auto sollten fortan zwei Krücken, pardon Unterarmgehstützen, meine Freunde sein. Für mich, die ich ständig unter Strom stand, um nichts zu verpassen, eine gruselige Vorstellung. Zunächst dachte ich noch, ich könnte trotzdem schreiben, ich hatte ja zwei gesunde Hände. Doch weit gefehlt. Im Sitzen waren die Schmerzen zu groß. Also blieben Interviews mit den Bürgermeistern von Trebendorf und Krauschwitz, der Neujahrsempfang der Gemeinde Gablenz, das Gespräch mit der Chefin der WBG Weißwasser über Vorhaben im Jubiläumsjahr und anderes da, wo sie waren. In meinem Kopf und meinem Notizbuch. Das alles Wochen später aufzuschreiben, machte keinen Sinn. Denn nichts ist bekanntlich so alt wie die Zeitung von gestern.

Ich hatte mit mir selber zu tun. Statt eines festen Gipsbeins bekam ich eine 1,4 Kilogramm schwere Unterschenkel-Fuß-Orthese. Mit Druckluft wurden Knöchel und Schienbein stabilisiert. Da das Teil abnehmbar ist, kann der Fuß von Beginn an therapiert werden. Aber erst einmal musste mit Hilfe von Lymphdrainage die Schwellung weg. Zweimal die Woche bin ich seither in der Physiotherapie. Die 48 Stufen bei mir zu Hause auf einem Bein hüpfend mit Unterstützung von Armkraft und Krücken runter und wieder rauf waren eine Ochsentour. Hinterher war ich jedes Mal so breit, dass mein Bedarf an irgendwelchen Spaziergängen restlos gedeckt war. Das wurde auch nicht besser, als ich den Fuß dann immerhin zu 20 Prozent belasten durfte.

Ohne Familie nicht vorstellbar

Über die Selbstverständlichkeiten des Alltags macht man sich normalerweise wenig Gedanken. Ich hatte plötzlich jede Menge Zeit dazu. Wie ein Känguru kann man ein belegtes Brötchen in einem Beutel aus der Küche zum Sofa tragen. Wie aber macht man das mit einer Tasse Kaffee? Kurzum, ich war quasi zum Pflegefall geworden. Mein Mann trug es mit Humor und Geduld. Er kümmerte sich um den Krankenschein für die Zeit zu Hause und im Krankenhaus, holte Medikamente aus der Apotheke, fuhr mich zur Physiotherapie und zum Orthopäden. Mehr als einmal fragte ich mich in dieser Zeit, wie das wohl jemand macht, der alleine, womöglich noch auf dem Dorf wohnend, auf sich allein gestellt ist. Vorstellen kann ich mir das bis jetzt nicht.

Warum eine Zimmerpflanze mehr Wasser als die andere braucht, damit wollte ich meinen Mann nicht belasten. Und dass unsere Weihnachtsdeko auch Ende Februar noch dastand, sei nur nebenbei erwähnt. Unsere Familie hat den Stresstest trotz allem bestanden. Auch weil unsere Tochter, die in Nordrhein-Westfalen lebt, für einige Tage zur Unterstützung kam.

Das erste Fußbad nach drei Wochen war eine Wohltat, die Diagnose des Orthopäden nach dem Kontrollröntgen sechs Wochen nach der OP eine Beruhigung. Es wächst alles so zusammen, wie es sein soll. Am 1. April bin ich die ersten fünf Schritte auf meinen eigenen beiden Füßen gegangen. Da schwang sogar ein bisschen Euphorie mit. Denn die Beweglichkeit des Fußes war da noch schwer eingeschränkt. Es ist ein Wunderwerk der Natur, wie unser Fuß Unebenheiten des Untergrundes in alle Richtungen ausgleicht – ohne dass uns das bewusst ist. Bei mir ging das alles nicht. Ganz abgesehen davon, dass ich selbst im Stehen Probleme hatte, das Gleichgewicht zu halten. Neben den vielen Trainingseinheiten brauchte ich vor allem eins: Geduld! Die Weber-B-Fraktur ist an sich eine typische Sportverletzung. Beim Bruch des Knöchels werden auch Gelenkkapsel, Bänder, Sehnen, Blutgefäße stark in Mitleidenschaft gezogen. Ich hatte sozusagen einen Schaden auf ganzer Linie. Abgesehen davon, dass nach dem Abbau der Wadenmuskulatur von ihr fast nichts mehr da war.

Der Anfang ist gemacht

Aufgeatmet habe ich nach der letzten von 92 Spritzen gegen Thrombose. Meine erste „größere“ Tour mit Krücken unternahm ich am Karsamstag, ein kurzer Spaziergang mit 2 859 Schritten. Mitte Mai habe ich die Krücken dann endgültig in die Ecke gestellt. Wiederhergestellt war ich da noch längst nicht. Der unrunde Gang glich eher einem Humpeln denn einem flotten Gehen. Inzwischen wird es besser ...

Endlich bin ich wieder zurück. Ich habe eine Menge verpasst. Die Unterzeichnung des Mühlrose-Vertrags zum Beispiel, die Besichtigung der Schulbaustelle in Schleife oder die Einweihung des Oberlausitzer Sportparks in Weißwasser. Oder auch die Kommunalwahlen. Die neuen Räte werde ich ja demnächst kennenlernen. Ich freue mich auf interessante Menschen und spannende Themen. Und vor allem darüber, dass ich mit Sabine Larbig nun eine tolle Kollegin an meiner Seite habe.

Die Metallplatte im Fuß soll im Winter wieder raus. Ob das Teil beim Check-in in den Ferienflieger den ganzen Flugplatz in Panik versetzt, ist eine andere Geschichte.

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