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Großenhain

Wie in der Sahelzone

Die Weiden verbrannt, der Mais mickert – die Landwirte müssen sehen, wie sie zu Tierfutter kommen.

Eigentlich dürfte Roland Eichler, Leiter der Pflanzenproduktion in der Agrar Dobra, zu dieser Zeit im Maisfeld gar nicht mehr zu sehen sein. Aber es ist ein schlechtes Jahr. Die extreme Hitze hat den Pflanzen schwer zugesetzt.
Eigentlich dürfte Roland Eichler, Leiter der Pflanzenproduktion in der Agrar Dobra, zu dieser Zeit im Maisfeld gar nicht mehr zu sehen sein. Aber es ist ein schlechtes Jahr. Die extreme Hitze hat den Pflanzen schwer zugesetzt. ©  Anne Hübschmann

Großenhain. Eigentlich müsste er jetzt zwischen den Maisstängeln verschwunden sein, sagt Roland Eichler. Aber der Mais auf dem Schlag am Kleinnaundorfer Ortsrand reicht dem Pflanzenbau-Chef der Agrargenossenschaft Dobra kaum über die Hüfte. Normalerweise wächst der Futtermais auf den Feldern des Landwirtschaftsbetriebes an die drei Meter hoch. 

Aber die Trockenheit macht den Pflanzen schwer zu schaffen. Das sieht man auch an den vergilbten Blättern, die im Wind rascheln. Es war vor allem die letzte Juniwoche mit ihrem Hitzerekord von fast 40 Grad, die die Kulturen derart in Mitleidenschaft gezogen hat.

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Viele Weideflächen sehen aus wie die Sahelzone in einer Dürreperiode. „Da wächst dieses Jahr auch nichts mehr“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Richter. Selbst die einigermaßen ergiebigen Regenfälle am vergangenen Wochenende waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Dobraer Agrargenossenschaft produziert das Futter für ihre Milchkühe nahezu ausschließlich selbst; deshalb wiegen die Ernteverluste schwer. Sein Betrieb werde zwischen 100000 und 200000 Euro für Futterzukäufe ausgeben müssen, erklärt Richter. Eigentlich wollte die Genossenschaft nach der katastrophalen Dürreperiode des vergangenen Jahres ihre Silos wieder auffüllen. 

„Bloß gut, dass wir den Rapsanbau wegen der Trockenheit ganz eingestellt und stattdessen Ackergras angebaut haben“, sagt der Vorstands-Chef. Im Frühjahr 2019 reichten die Niederschläge immerhin, um damit ein minimales Futterpolster anzulegen. Aber natürlich fehlen dann wieder die Einnahmen aus dem Raps- und Getreideverkauf – finanziell ein Nullsummenspiel.

Jetzt stehen die beiden Genossenschaftsvorstände am Feldrand, lassen trockene Maisblätter zwischen den Fingern knistern und überlegen, was sie mit den Pflanzen noch anfangen können. „Wir werden hier wohl früher abernten müssen“, sagt Andreas Richter, „damit das bisschen Grün genutzt werden kann.“ 

Selbst wenn der Mais noch Kolben ausbilde – auf den geschwächten Pflanzen wüchsen dann so viele Pilze, dass man sie nicht mehr an Hochleistungskühe verfüttern kann. Am Ende bliebe nur noch die Verwertung in der Biogasanlage.

Ähnlich sieht es ein paar Kilometer weiter bei der Agrargenossenschaft Göhra aus. Etwa ein Drittel der Maisschläge hat hier Schaden genommen. „Jetzt ist die Frage, ob es noch einmal regnet und sich die Pflanzen erholen“, sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Rühle. Immerhin, beim Grünland habe der erste Schnitt einen richtig guten Ertrag gebracht.

Das sei nun aber vorbei. Und der restliche Ackerbau laufe auch nicht optimal. Trotzdem glaubt der Göhraer, mit dem Futter für seine Milchkühe über den Winter zu kommen. „Man kann ja nicht immer bloß jammern“, sagt er.

Das sieht der Dobraer Andreas Richter ganz ähnlich. Die Bauern hätten schon immer mit den Temperaturen und den Niederschlägen klarkommen müssen, die in ihrer Region nun mal vorhanden seien. Im vorigen Jahr, als praktisch das ganze Frühjahr und den Sommer über kein Regen fiel, beantragte die Agrargenossenschaft nicht einmal die vom Freistaat zur Verfügung gestellten Dürrebeihilfen.

„Das war ein unglaublich bürokratisches Verfahren – alle unsere 26 Mitglieder hätten dabei ihr Privatvermögen offenlegen müssen“, erklärt er. Auch dieses Jahr müsse sein Betrieb ohne Beihilfen klarkommen, obwohl der Milchpreis mit 33 Cent pro Liter nicht gerade berauschend sei. „Im Laden jedenfalls“, sagt Richter, „werden die Leute von unseren Problemen mit der Dürre nichts mitbekommen.“

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