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Wie in Niesky Eisenbahnen getestet werden

Die Studie ist geschrieben, jetzt muss der Bundestag das Geld frei geben. Dann kann die Teststrecke im Norden Nieskys geplant und gebaut werden - mit ehrgeizigem Ziel.

Vorstellung der Potentialstudie für das Schienenfahrzeugtestzentrum Lausitz in Niesky: Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann werfen einen Blick in die Studie.
Vorstellung der Potentialstudie für das Schienenfahrzeugtestzentrum Lausitz in Niesky: Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann werfen einen Blick in die Studie. © André Schulze

Ein blau eingefasstes Buch mit mehreren Hundert Seiten liegt auf einem der Stehtische im Nieskyer Bürgerhaus. Mit diesem Buch wird in den kommenden Jahren ein neues Kapitel Wirtschaftsgeschichte in der Ober- und Niederlausitz aufgeschlagen: es geht um die geplante Eisenbahn-Teststrecke. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) nahm das blaue Buch am Mittwoch in Empfang. Der Inhalt: Die Potentialstudie Schienenfahrzeugtestzentrum Lausitz. Die Autoren: Die Gesellschaft Wirtschaftsregion Lausitz (WRL) als Trägerin des Modellvorhabens "Zukunftswerkstatt Lausitz". Deren Geschäftsführer Heiko Jahn übergab dem Staatsminister die Studie.  Was beinhaltet diese Studie und wie wird das Modellprojekt umgesetzt? Die SZ gibt die Antworten darauf.   

Warum ist Niesky der ausgewählte Standort?

Eine große Auswahl an Standorten hatten die Macher der Studie nicht, als sie über der Karte von Ober- und Niederlausitz saßen. Am Ende blieben zwei Orte, die den Ansprüchen und Erfordernissen für ein Testzentrum gerecht wurden: Mühlberg, das ist eine an der Elbe gelegene Stadt im Landkreis Elbe-Elster, und die Stadt Niesky. Letztlich machte Niesky das Rennen, auch wegen seiner Tradition im Schienenfahrzeugbau. Wirtschaftsminister Dulig sprach von einer Stärkung des industriellen Kerns der Eisenbahntechnik durch das Testzentrum. Niesky liegt mittendrin, wenn man die anderen Standorte für Schienenfahrzeuge und Bahntechnik in Görlitz, Bautzen und Cottbus betrachtet.     

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Wo die Teststrecke von einer Länge von rund 20 Kilometern konkret gebaut wird - dazu halten sich die Betroffenen bedeckt, um möglichen Grundstücksspekulationen vorzubeugen. Auf alle Fälle soll die oval verlaufende Gleisanlage in den Wäldern zwischen Niesky und Stannewisch entstehen. So empfiehlt es die Studie der WRL. 

Wie viele Arbeitsplätze wird es geben?

150 Menschen soll das Testzentrum durch eine direkte Beschäftigung Arbeit geben. Darüber hinaus können "mehrere hundert indirekte und induzierte Arbeitsplätze" entstehen, sagt die Studie aus. Das können Handwerksbetriebe, Dienstleister, Hotellerie und Gastronomie sein, die sich an der Teststrecke oder in ihrer Nähe ansiedeln. Letztendlich sind die in der Vorwoche genannten 700 Arbeitsplätze im Zusammenhang mit der Teststrecke durchaus realistisch.

WRL-Geschäftsführer Heiko Jahn spricht aber nicht nur von neuen Betrieben und Unternehmen, sondern hebt auch die Sicherung der Standorte der lausitzischen Schienenfahrzeughersteller und der Bahntechnikbranche hervor.  Am Schienenfahrzeugbau hängen rund 9.800 Arbeitsplätze, bei der Bahntechnik sind es 3.300. Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann sieht in dieser Investition eine große Chance für die Weiterentwicklung der Stadt. Nicht nur wirtschaftlich, auch, um der schrumpfenden Zahl an Einwohnern entgegenzuwirken. Denn wer vor den Toren der Stadt arbeitet, wird sich dahinter bestimmt eine Wohnung suchen, zumal Niesky eine lebenswerte Kleinstadt ist.    

Was kostet das Testzentrum und wer bezahlt das?

Laut Studie werden für das Testzentrum 270 Millionen Euro veranschlagt. Da der Freistaat laut Minister Dulig eine solche Summe allein nicht stemmen kann, sollen Mittel aus dem Kohleausstiegsfond des Bundes in die Umsetzung des Vorhabens fließen. Aber das muss der Bundestag beschließen. Das soll vor seiner Sommerpause noch passieren. Martin Dulig dazu: "Ohne Strukturstärkungsgesetz können wir das Vorhaben nicht auf den Weg bringen."  

Wann können die ersten Züge getestet werden?

In fünf Jahren soll es soweit sein. Minister Martin Dulig und Landrat Bernd Lange bewerten diese Zeitspanne als ein sehr sportliches Ziel. Aber laut Potentialstudie soll das möglich sein. Im Einzelnen sieht das so aus: In diesem Jahr fällt die Entscheidung für die Strecke durch Nieskys Wälder. Danach beginnt die Raumordnung, das heißt der Erwerb der Flächen. Für 2022 ist das Planfeststellungsverfahren anberaumt, dass sich bis ins Jahr 2023 hinziehen kann.  Ab Mitte 2023 könnte gebaut werden. Zweieinhalb Jahre sind dafür vorgesehen.

Wer betreibt die Teststrecke?

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