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Wie Kemnitz mit der Biogasanlage leben soll

Biogasanlage und Wohnhäuser sind in Kemnitz eng beieinander. Jetzt gibt es erste Ansätze, die Probleme zu entschärfen.

Von Anja Beutler

So wie Diana Salomo geht es vielen in der Neuen oder der Berthelsdorfer Straße: „Man kommt von der Arbeit, will seine Ruhe haben, aber da wird vor der Haustür gebaut.“ Die Kemnitzerin ist eine von knapp 30 Anwohnern, die gewissermaßen Nachbarn der Biogasanlage des Landwirts Hagen Stark sind und zur Bürgerversammlung ins Rathaus gekommen waren. Sie wollen endlich – mit Bürgermeister, Landkreis und Landwirt – nach Lösungen suchen.

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Seit vor reichlich drei Jahren der Bau der Biogasanlage begann, nerven die Anwohner nicht nur das Bauen selbst, sondern Geräusche, Gerüche und letztendlich der gegenseitige Umgang miteinander. Rund um die Uhr sei seit Wochen ein tiefer Brummton vom neuen Blockheizkraftwerk an der Berthelsdorfer Straße zu hören. Mehrere Bürger schildern, dass sie auch bei geschlossenen Fenstern nicht mehr schlafen können. Hinzu kämen weitere Krachmacher wie rumorende Rührwerke in der Biogasanlage. In einer ersten Gesprächsrunde, die knapp zweieinhalb Stunden dauerte, sollten dringende Fragen geklärt und Lösungen gesucht werden.

Ruhestörung: Nervende Lärmquellen sollen freiwillig gedämmt werden

Das Dilemma bei all den Lärm-Beschwerden ist, dass Landwirt Hagen Stark mit seinen Anlagen nicht gegen Normen oder Gesetze verstößt. Bislang zumindest offenbar nicht. Stark hatte – im Vorfeld der Bürgerversammlung – in der Nacht des 25. Februar zwischen 21 und 3  Uhr vorläufige Messungen von Fachleuten durchführen lassen und sie auch dem Landratsamt vorgelegt. Das Ergebnis: Auch wenn an der Biogasanlage gebaut wird und eine amtlich geforderte Abschlussmessung fehlt, erfüllt Stark sowohl hier als auch beim Blockheizkraftwerk alle Normen, die für ein Dorfgebiet gelten, teilweise sogar die Vorschriften reiner Wohngebiete. „Juristisch und von Amts wegen ist alles korrekt“, betont Steffen Panitz vom Umweltamt des Kreises.

Dass es dennoch Geräusche gibt, die man hört, räumt Stark ein. Er werde deshalb freiwillig mehr dämmen, sagt er. So soll auf Basis der aktuellen Messwerte ein zusätzlicher, maßgeschneiderter Lärmschutzfilter in das Heizkraftwerk eingebaut werden. Im besten Fall ließe sich der Brummton so weit reduzieren, dass es einer Halbierung der Lautstärke gleichkäme. Auch an der Biogasanlage werde noch einiges getan: Wenn der im Bau befindliche Behälter fertig ist und die Gerüste abgenommen werden können, wird eine Dämmung angebracht sein. Für die Rührwerke in der Anlage, deren Anfahren in regelmäßigen Abständen zu hören ist, gebe es eine Art Schalldämpfer. „Diese hellen, grellen Geräusche kriegen wir weg“, sagt Stark.

Zudem plane er, um Stall und Biogasanlage einen Erdwall zu errichten, der bepflanzt werden soll. Das sei besser als eine Schallmauer, bestätigte Panitz. Über eine Mauer würde der Lärm hinwegschwappen. Ein begrünter Erdwall biete den Vorteil, dass auch das Umfeld besser aussehe.

Transparenz: Kritik an fehlenden Infos von Bauer, Stadt und Kreis

Jegliches Verständnis fehlt den Kemnitzern, dass sie nie vor dem Bau der Biogasanlage und den Erweiterungen informiert oder befragt worden seien. Sie wohnten ja nur rund 100 Meter entfernt. Andreas Kloß kritisierte deshalb Stadt, Kreis und Landwirt dafür. Es sei doch die Aufgabe, darüber zu informieren, Transparenz zu schaffen. Doch auch hier ist die Situation paradox: Da die Stallanlage seit 1968 besteht, hat sie Bestandsschutz. Wenn also Hagen Stark Veränderungen plant, die die Situation bei Lärm- und Geruchsausstoß verbessert, werde dies genehmigt. Und das war hier laut Amt der Fall. Hinzu komme, erklärte Steffen Panitz vom Landkreis, dass ursprünglich für die Biogasanlage nur eine Baugenehmigung und keine Genehmigung laut Bundesimmissionsschutzgesetz nötig war. Das hat sich zwar inzwischen geändert – aber auch hier geht es jetzt nur darum, ob Stark mit seiner Anlage die Forderungen einhält. Und das werde nach Abschluss der Arbeiten gemessen. Für das Blockheizkraftwerk ist ebenfalls nur eine Baugenehmigung nötig, keine gesonderte Prüfung. Die Behörden – auch die Stadt wie Bürgermeister Gunter Lange betonte – hatten damals wie heute keine Handhabe, die Vorhaben zu verbieten oder zu einer öffentlichen Beteiligung aufzurufen. Das betont Panitz ausdrücklich. Die öffentlichen Bekanntmachungen im Landkreisjournal und in Amtsblättern habe es gegeben.

Rücksicht: Landwirt und Nachbarn wollen im Gespräch bleiben

Dass es seit Beginn der Zwistigkeiten aber auch bei ganz Alltäglichem zwischen Bauer und Nachbarn kracht, ist kein Geheimnis. Anwohner wie Matthias Kloß und Ortsvorsteher Frank Böhm kritisieren, dass Stark und seine Mitarbeiter zu schnell mit den großen Maschinen über die Straßen donnern, die Sonn- und Feiertagsruhe nicht einhielten. „Das muss ordentlich laufen“, betonte Steffen Panitz. Darauf werde man achten und man habe schon mit Hagen Stark gemeinsam einiges verbessert.

Fahrplan: Silo-Standort soll verhandelt werden und weitere Sitzung folgen

Brennend interessierte die Gäste, was auf dem Gelände noch errichtet werden soll. Dass für den Stall noch ein Silo errichtet wird, ist bekannt. Hier will Hagen Stark mit den Anwohnern eine Lösung suchen: „Genehmigt wird aber am Ende der Ort, der von den Werten her am günstigsten ist“, betont er. Auch mit Blick auf das nahe Rückhaltebecken muss er sich absichern. Mehr sei derzeit nicht geplant.