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Elterntaxis im Visier

Vor den Schulen in Bischofswerda kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Das soll sich ändern.

Danilo und Aniko Heinze standen am Dienstagmorgen mit Vertretern des Autoclubs Europa, der Stadtverwaltung und der Polizei an der Schulstraße, um zu schauen, wie Kinder zur Schule gebracht werden. Auf Initiative der ehemaligen Stadträte gründete sich eine
Danilo und Aniko Heinze standen am Dienstagmorgen mit Vertretern des Autoclubs Europa, der Stadtverwaltung und der Polizei an der Schulstraße, um zu schauen, wie Kinder zur Schule gebracht werden. Auf Initiative der ehemaligen Stadträte gründete sich eine © Steffen Unger

Bischofswerda. Das hätte auch schief gehen können. Gegen 7.15 Uhr stoppt ein Pkw im Halteverbot auf der Schulstraße. Die hintere Tür zur Straße hin geht auf, ein Mädchen hüpft aus dem Auto und rennt über die Fahrbahn zur Schule. Wenige Meter hinter ihm steht ein Bus an der Haltestelle. Andere Autofahrer warten ungeduldig, bis sie weiter fahren können. Es sind Situationen wie diese, die Unfälle provozieren. 80 Prozent aller Schulwegunfälle werden von Eltern verursacht, sagt Ilko Keßler, Regionalchef vom Autoclub Europa (ACE).

Am Dienstagmorgen vor Schulbeginn nahm eine im August gegründete Arbeitsgemeinschaft vor den Schulen an der Kirchstraße in Bischofswerda speziell die sogenannten Elterntaxis ins Visier. Rund 700 Kinder und Jugendliche kommen hier jeden Morgen in Grund- oder Oberschule – zu Fuß, per Rad, mit dem Bus oder eben auch im Familienauto. Es ist nicht die erste Kontrolle dieser Art. Das zeigt Wirkung. Viele Eltern steuern den Parkplatz am Wesenitzsportpark an, um ihr Kind sicher aussteigen zu lassen. Von dort ist es zu Fuß nur ein Katzensprung bis zur Schule. Die Stadt hält reservierte Kurzzeitparkplätze für Eltern vor, die ihr Kind in die Schule oder eine Kindertagesstätte bringen, und sie sorgt für gutes Licht auf dem Verbindungsweg zur Kirchstraße.

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An drei Stellen stehen an diesem Morgen Vertreter der Stadtverwaltung – darunter Oberbürgermeister Holm Große – , von Polizei, Automobilclub sowie für die Verkehrssicherheit engagierte Bürger. In der Summe zählen sie weit über 100 Elterntaxis. Nach der Aktion, wenn die Schüler schon in ihren Zimmer sitzen, wird Ilko Keßler das Ergebnis bekannt geben: 22-mal hielten Eltern an Stellen, wo sie es eigentlich nicht tun dürfen – auf der falschen Straßenseite, auf dem Fußweg oder im Halteverbot. Von den Helfern des ACE wurden sie angesprochen. Nicht alle reagierten einsichtig. „Es gab Eltern, die drehten sich demonstrativ weg“, berichtet Sven Urban, der für die SPD im Stadtrat sitzt. Ilko Keßler mahnt: „Vor allem vor Schulen ist Hektik der denkbar schlechteste Wegbegleiter. Das Parken auf Fuß- und Radwegen gefährdet die schwächsten Verkehrsteilnehmer, unsere Kinder.“ Wenn immer es möglich ist, sollten Kinder ihren Schulweg zu Fuß, per Fahrrad oder Roller zurücklegen dürfen, statt passiv als Fahrgast im Elterntaxi, rät der ACE. Schließlich lasse sich das richtige Verhalten im Straßenverkehr nicht auf der Rückbank eines Autos erlernen.

Halteverbot gegen Parkverbot tauschen?

Auf Initiative der ehemaligen SPD-Stadträte Aniko und Danilo Heinze gründete sich die Arbeitsgemeinschaft. Sie setzt sich für sichere Schulwege in Bischofswerda und den Ortsteilen ein. Ihr Gehören die Schulleiter, Vertreter der Stadtverwaltung sowie von Polizei und Feuerwehr an. Das Ehepaar Heinze bringt seine Erfahrungen aus dem Stadtrat ein. Es kämpfte, zusammen mit Stadträten der Linken, für Tempo 30 vor der Grundschule Süd – letztendlich erfolgreich. Auch bei einer Verkehrskontrolle an der Grundschule Goldbach im September 2018 war es mit dabei. „Trotz Verbesserungen gibt es noch manches zu tun, um die Sicherheit vor Schulen und Kindereinrichtungen zu erhöhen“, sagt Danilo Heinze. So stellten während der Kontrolle in Goldbach Eltern ihr Auto sogar an der Feuerwehrzufahrt ab. Die Goldbacher ist die einzige Schule im Bischofswerdaer Stadtgebiet, wo an Wochentagen noch Tempo 50 gefahren werden darf. „Sobald der Schulneubau fertig ist, werden wir die Forderung nach Tempo 30 wieder auf die Tagesordnung setzen“, kündigt Danilo Heinze an. Noch in diesem Jahr ist eine Verkehrskontrolle in Bischofswerda Süd geplant. Ende November/Anfang Dezember will man sich anschauen, wie es läuft, wenn Eltern ihre Sprösslinge ins neue Kinderhaus bringen.

Bei Aktionen wie der am Dienstag geht es nicht darum, den Zeigefinger zu heben und Eltern zu belehren. Möglich, dass es für sie bald auch eine Verbesserung geben wird. Gleich hinter der Zufahrt zur äußeren Kirchstraße gibt es eine längere Parkbucht, wo nur die erste Hälfte wochentags allen zur Verfügung steht. Die andere Hälfte ist reserviert für Fahrdienste, die am Morgen Kinder bringen und sie am Nachmittag wieder abholen. In diesem Bereich gilt ein absolutes Halteverbot. Die Stadt werde nun prüfen, ob das Halteverbot gegen ein Parkverbot ausgetauscht werden kann, kündigte Oberbürgermeister Holm Große an. Damit wäre vielen Eltern geholfen. Denn anzuhalten, damit Kinder sicher aussteigen können, wäre dann erlaubt.

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