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Pirna

Wie Königstein verlorene Zeit aufholen will

Für die Innenstadt ist es zehn nach zwölf, sagt ein Investor. Jetzt wird an der Sanierungs-Uhr gedreht.

Haus ohne Dach: Wie die Goethestraße 4, die alte Königsteiner Schmiede, künftig genutzt wird, steht noch nicht fest, aber erst mal bekommt sie jetzt ein Dach.
Haus ohne Dach: Wie die Goethestraße 4, die alte Königsteiner Schmiede, künftig genutzt wird, steht noch nicht fest, aber erst mal bekommt sie jetzt ein Dach. © Dirk Zschiedrich

Irgendwie scheint in Königstein die Zeit stehengeblieben zu sein. Während in anderen historischen Stadtkernen in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten Eigentümer und Investoren ein Haus nach dem anderen sanierten, passierte in Königstein nicht viel. 

Unternehmer Sven Erik Hitzer sagt: „Es ist zehn nach Zwölf.“ Seit einiger Zeit aber holen die Königsteiner auf. Das alte Kino wird auf Vordermann gebracht, ein Konzept für die Bienermühle ist erstellt. Es gehört zum 20-Punkte-Programm der Stadt für die nächsten zwei bis fünf Jahre. Und auch Hitzer ist nun Teil der Aufholjagd.

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Er hat die Goethestraße 4 gekauft und damit gerettet. Nicht ganz freiwillig, aber sehr bewusst. Er brauchte das Nachbargrundstück für seine Festungsbahn-Idee, die Eigentümerin verkaufte aber nur im Doppelpack.

Bienermühle: Die Fördermittel für das Kulturzentrum mit Gastronomie und Veranstaltungen sollen in Kürze beantragt werden. 
Bienermühle: Die Fördermittel für das Kulturzentrum mit Gastronomie und Veranstaltungen sollen in Kürze beantragt werden.  © Daniel Schäfer

 Zum „Tag der offenen Baustelle“ am Pfingstmontag kamen viele, nicht nur Königsteiner. Ingeborg Kempe aus Heidenau erinnerte sich, als Kind in der Schmiede auf der Goethestraße 4 Schlüssel gefeilt zu haben. Viel von der Schmiede ist nicht mehr da. Über 20 Jahre Leerstand setzten dem Gebäude so sehr zu, dass es komplett entkernt werden musste, um wenigstens die Außenmauern zu retten. Nur der schwere Ofen ist noch da – und bleibt vorerst, sagt Neu-Eigentümer Hitzer.

Und er sagt auch: „Zehn nach Zwölf“, das klinge zwar dramatisch, sei für Königstein am Ende aber vielleicht gar nicht so schlimm. Denn immerhin seien auch die typischen Stadtsanierungs-Fehler der 1990er- und 2000er-Jahre weitgehend ausgeblieben. Es sei viel erhalten, so die ältesten aus dem 15. Jahrhundert stammenden Häuser am oberen Ring. Königstein habe damit ein Potenzial, das andere Städte nicht mehr haben, und könne höchstes Niveau fordern. Hitzer will sich dem stellen.

Stadtplatz: Groß und damit viel Raum für eine kreative Gestaltung bietet der Stadtplatz zwischen Biela und Touristinformation. 
Stadtplatz: Groß und damit viel Raum für eine kreative Gestaltung bietet der Stadtplatz zwischen Biela und Touristinformation.  © Daniel Schäfer

Die Nutzung für die alte Schmiede ist offen. Das Haus ist erst einmal gesichert und bekommt jetzt ein Dach. Hotel, Wohnungen, Gaststätte? Alles ist denkbar. Vor allem der ehemalige Schmiederaum biete sich als Szenekneipe an, sagt Hitzer. Entscheidend ist für ihn: Die historischen Bauabschnitte am Haus sollen erkennbar bleiben. Gebäude als Zeitzeugen erhalten, ist Hitzers Devise, die er für die gesamte Innenstadt fordert. Ein Paradebeispiel dafür ist das alte Kino. In vielen Städten wurden die Kinos geschliffen, weil Ideen für eine Nachnutzung fehlten. Nicht so in Königstein. Dort macht der Verein Königsteiner Lichtspiele aus Geschichte gerade Zukunft.

Pirnaer Straße 1: Die jetzt als Parkplatz genutzte Brache soll zu einem Park werden. Einen Entwurf gab es schon 2014. Fotos: 
Pirnaer Straße 1: Die jetzt als Parkplatz genutzte Brache soll zu einem Park werden. Einen Entwurf gab es schon 2014. Fotos:  © Daniel Schäfer

Hitzers „Zehn nach Zwölf“ ist provokant. Deshalb will es Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) so nicht stehen lassen. Auch vor dem Aktionsplan mit den 20 Punkten sei etwas getan worden. Aktuell bemühe sich die Stadt um den Kauf und die Sanierung des Bahnhofsgebäudes: „Wir als Stadt machen unsere Hausaufgaben.“

Zu denen, die Königstein antreiben, gehört auch die Arbeitsgruppe zur Aktivierung der Innenstadt. Sie eröffnet am Sonntag in ihrem „Planladen“ auf der Bielatalstraße 13 eine Ausstellung. Dafür sind Themen wie die Gründung einer Bürgerstiftung und die Arbeit des Wächterhäuser-Vereins, zu der ein Pilotprojekt starten soll, ausgearbeitet. „Königstein entwickelt sich positiv“, sagt Peggy Schindler von der Arbeitsgruppe.

Die Zeit, da in Königstein nicht viel passierte, ist offenbar vorbei.

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