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Dippoldiswalde

Wie kommt das Schiff ins Uhrenmuseum?

Im Glashütte wird die Geschichte der erfolgreichen Unternehmerfamilie Mühle erzählt. Die hat viel mit Seefahrt zu tun.

Museumsleiter Reinhard Reichel und Geschäftsführer Thilo Mühle laden zu einer neuen Sonderausstellung ins Uhrenmuseum ein.
Museumsleiter Reinhard Reichel und Geschäftsführer Thilo Mühle laden zu einer neuen Sonderausstellung ins Uhrenmuseum ein. © Egbert Kamprath

Wer den Ausstellungsraum des Glashütter Uhrenmuseums betritt, staunt. Hier stehen fünf künstliche Bäume. Querdurch „fließt“ ein stilisierter Fluss, die Müglitz. Nicht zu übersehen ist der Bug eines Kreuzfahrtschiffes. Über Lautsprecher werden Geräusche eingespielt: Ein Vogel ist zu hören, ein fahrendes Auto, plätscherndes Wasser und tickende Uhren. Alle stehen in Verbindung mit einer der bekanntesten Unternehmerfamilien des Müglitztals, den Mühles. Seit 150 Jahren sind sie in Glashütte aktiv. Das Uhrenmuseum widmet ihnen eine Sonderschau.

Konzipiert wurde sie von Mitarbeitern des Museums und der Firma. Thilo Mühle – er leitet die Uhrenfirma seit 2007 – ist ehrlich. Der Ansatz, die Familien- und Firmengeschichte so zu präsentieren, habe ihn zunächst überrascht. Er findet ihn gelungen. Schließlich gibt es Parallelen zwischen der Natur, der Familien- und der Unternehmensgeschichte. Jeder der fünf Bäume steht für eine Generation. Sie wirkten allesamt im Tal der Müglitz, die meist friedlich blieb, aber immer wieder auch Hochwasser führte. „Auch in unserer Unternehmensgeschichte gab es Auf und Abs“, sagt Mühle. Und diese Geschichte werde mit Messinstrumenten, Dokumenten, Urkunden und verschiedenen Uhren erzählt.

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Jede Generation stand vor Herausforderungen. Robert Mühle, der Urururgroßvater von Thilo Mühle, wagte 1869 den Schritt in die Selbstständigkeit. Er gründete die Firma „Robert Mühle Glashütte i. SA“, um Präzisionsmessgeräte herzustellen. 1905 stiegen Roberts Söhne Paul, Alfred und Max ein und erweiterten in den Folgejahren die Produktpalette. Neben Uhrenteilen werden nun auch Drehzahlmesser und Tachometer für berühmte Automobilmarken wie Horch, Maybach und DWK gefertigt. 1944 übernahm mit Heinz Mühle die dritte Generation die Firma und führte diese bis zur Enteignung 1945 fort. Parallel zum Niedergang der „R. Mühle und Sohn“ gründete dessen Cousin Hans Mühle das Familienunternehmen als „Ingenieur Hans Mühle Feinmechanik Glashütte“ neu. Die Firma stellte Zeigerwerke für Druck- und Temperaturmessgeräte her. 1970 stieg Hans-Jürgen Mühle, die vierte Mühle-Generation, in den väterlichen Betrieb ein. Zwei Jahre später wurde dieser verstaatlicht und Teil der „VEB Glashütter Uhrenbetriebe“.

Diese Exponate sind in der Ausstellung zu sehen

Hans-Jürgen Mühle wechselte in die GUB und wurde für weltweiten Vertrieb von Schiffsuhren verantwortlich. 1994 gründete er die „Mühle-Glashütte GmbH nautische Instrumente und Feinmechanik“ und begann – basierend auf den Erfahrungen und den Kontakten – mit der Produktion von nautischen Instrumenten. 1996 kamen Armbanduhren dazu. 2007 übernahm Thilo Mühle die Geschäftsführung.

„Mühle ist heute der einzige familiengeführte Uhrenhersteller in Glashütte“, sagt Museumsleiter Reinhard Reichel. Über alle Generationen ist es der Familie gelungen, im Rahmen der Möglichkeiten – so auch in der DDR – unternehmerisch tätig zu sein. In der Ausstellung werde der Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart geschlagen. Mühle ist erfolgreich am Markt. Das Unternehmen beschäftigt 63 Mitarbeiter, hat 35 Armbanduhrenmodelle im Angebot, die zwischen 1 000 und 3 700 Euro kosten. Außerdem hat sie 24 nautische Instrumente, von der Schiffsuhr bis zum Navigationsgerät im Angebot. Mühle-Uhren werden weltweit verkauft, besonders begehrt sind sie in Deutschland, Großbritannien, den USA und in China. „Das sind unsere Hauptabsatzmärkte“, sagt Unternehmenssprecher Holger Hillenbrand.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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