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Wie kommt Wilsdruff zu einem Gymnasium?

Am Montag entscheiden die Kreisräte in Pirna über die neue Schule. Es geht um die Schüler, aber auch um sehr viel Geld.

Von Annett Heyse

Die Beschlussvorlage ist samt Anlagen über 50 Seiten dick: Tabellen, Stellungnahmen, Protokolle und noch mehr Tabellen. Denn in der Kreistagssitzung am kommenden Montag geht es um viel. Es geht darum, wo im Raum Freital ein weiteres Gymnasium errichtet werden soll. Wilsdruff ist dabei erste Wahl.

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Freitals Weißeritzgymnasium

ist schon ausgelastet

Als 2006 das Manfred-von-Ardenne-Gymnasium in Zauckerode wegen sinkender Schülerzahlen geschlossen wurde, hatte keiner geahnt, dass die Schülerzahlen bald kontinuierlich ansteigen würden. Schon jetzt ist die Kapazitätsgrenze am Weißeritzgymnasium erreicht. Sechs Klassen pro Jahrgang, mehr sind kaum möglich. Doch die Prognosen anhand der Geburtenzahlen und des anhaltenden Zuzugs in die Region verheißen anderes. Im kommenden Sommer werden 224 Kinder die Grundschule Richtung Gymnasium verlassen, ein Jahr später 230 – Tendenz steigend. Bei einer Klassenstärke von maximal 28 Schülern können aber in Freital nur 168 Gymnasiasten pro Jahrgang aufgenommen werden. Selbst wenn einige Kinder nach Dippoldiswalde, Dresden und Nossen ausweichen oder das Evangelische Gymnasium Tharandt bevorzugen, bliebe ein Überschuss.

Für Wilsdruff wäre ein Gymnasium

ein attraktiver Standortvorteil

Weil allein aus Wilsdruff drei Klassen pro Jahr die Grundschule Richtung Gymnasium verlassen, wäre es folgerichtig, dort eine neue dreizügige Bildungseinrichtung zu bauen. Den Schülern würden somit Fahrwege erspürt werden, dem Landkreis damit auch Fahrtkosten. Für seine Stadt wäre ein Gymnasium auch ein attraktiver Standortvorteil, sagt Bürgermeister Ralf Rother (CDU). Denn nicht wenige Firmen schauen nach der Schullandschaft und damit nach potenziellen Auszubildenden, wenn sie sich ansiedeln. Und für Familien wäre ein Gymnasium vor Ort ein gutes Argument, sich in Wilsdruff ein Häuschen zu bauen.

Wilsdruff will den Bau finanzieren, Freital hat dafür kein Geld

Bei der Abstimmung im Kreistag dürfte das Geld ein ganz wichtiger Aspekt sein. Der Landkreis will das 15-Millionen-Vorhaben auf keinen Fall finanzieren. Freitals Stadtrat hat daraufhin beschlossen, zwar das Gelände zur Verfügung zu stellen, keinesfalls aber eine Schule zu bauen und zu betreiben. Wilsdruff dagegen hat damit kein Problem. „Wir sind bereit, einen Kredit aufzunehmen“, kündigte Bürgermeister Rother an. Der Stadtrat fasste dazu bereits Grundsatzbeschluss. Das neue Schulhaus könnte hinter der Saubachtalhalle entstehen.

Der Landkreis Meißen ist gegen

ein Gymnasium in Wilsdruff

Es gibt nur ein Problem. Das könnte ausgerechnet Arndt Steinbach (CDU) verursachen, der einst Bürgermeister von Wilsdruff war und noch heute in dieser Stadt lebt. Der Meißner Landrat muss die dortige Schullandschaft im Auge behalten. Das Franziskaneum in Meißen und das Geschwister-Scholl-Gymnasium Nossen wird von Schülern aus Klipphausen, aber auch von Wilsdruffern besucht. Damit würde ein Gymnasium an der Wilden Sau zur direkten Konkurrenz werden, befürchtet man in Meißen. Besonders das Nossener Gymnasium sei daher mittelfristig als Standort gefährdet. Das ist auch dem Kultusministerium, dass in der Angelegenheit das letzte Wort hat, nicht entgangen. „Die Einrichtung eines Gymnasiums in Wilsdruff erscheint wegen einer ... Gefährdung des Gymnasiums Nossen problematisch“.

Die neue Schule soll 2015/16

eröffnet werden

Viel Zeit, darüber zu diskutieren, ist nicht. Das neue Gymnasium muss 2015/16 eröffnet werden. Nach heutigen Prognosen könnten dann 81 Wilsdruffer Kinder aufs Gymnasium wollen – was für drei Klassen reicht. Auch die Zahlen für die folgenden Schuljahre verheißen jeweils drei volle Klassen.

Elf Millionen würde der Schulbau kosten, knapp drei Millionen die Sporthalle, die Geländegestaltung rund eine Million.