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Wie krank ist das Krankenhaus?

Die Klinik in Riesa macht drei Millionen Euro Minus. Radebeul und Meißen können das nicht mehr lange ausgleichen.

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Von Peter Anderson

Das Krankenhaus in Riesa hat sich vergangenes Jahr zum Sorgenkind der Elblandkliniken-Gruppe entwickelt. 2012 wurden rund 1 500 Patienten weniger in dem Haus behandelt als 2011. Hinzu kommt, dass die tatsächlich aufgenommenen Patienten weniger schwere Fälle waren. Insgesamt hätten deshalb im Vergleich zum Vorjahr zwei Millionen Euro an Einnahmen gefehlt. Diese Zahlen nannte gestern Abend Annelie Zeeh, die im Landratsamt die Firmenbeteiligungen des Kreises kontrolliert. Zusammen mit Sondereffekten schlage für Riesa ein Jahresverlust von drei Millionen Euro zu Buche. Nur dank der guten Ergebnisse der Häuser in Meißen und Radebeul habe die Klinikgruppe insgesamt ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht.

Annelie Zeeh stellte gleichzeitig klar, dass sich dieses Ungleichgewicht schleunigst ändern müsse. Meißen und Radebeul könnten nicht dauerhaft für Defizite in Riesa aufkommen. „Nur ein aus eigener Leistung stabiles Riesa ist die Voraussetzung für den Krankenhausneubau in der Stadt“, sagte Zeeh. Die Geschäftsführung hat ihren Angaben zufolge in den vergangenen Wochen ein Sanierungskonzept erarbeitet, welches jetzt umgesetzt werden soll.

Das allerdings dürfte sich kompliziert gestalten. Eine der Ursachen für die Verluste in Riesa sind Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten in der Region. In einem Anfang März erschienenen Offenen Brief bemängelten Ärzte „diagnostische und therapeutische Lücken“ im Elblandklinikum Riesa aufgrund des häufigen Wechsels von Ärzten. Chefärzte aus dem Krankenhaus schlossen sich der Kritik an. Die Geschäftsführung hat das Problem erkannt, beruft sich jedoch darauf, dass eine Wechselquote bei Fachärzten von zehn bis 15 Prozent in Kliniken normal sei. Erschwerend kommt der jüngste Streit um möglicherweise falsche Brustkrebs-Befunde hinzu. Drei ehemalige Radiologen könnten laut Klinikgeschäftsführung zahlreiche Karzinome übersehen haben. Die verfahrene Situation in Riesa sorgt dafür, dass sich mittlerweile auch in der CDU-Fraktion im Kreistag Zweifel am Kurs der Geschäftsführung regen. Bislang hatten sich die Christdemokraten immer geschlossen hinter die Neubaupläne in Riesa gestellt. Jetzt allerdings bröckelt ihre Front. Es bleibe zu hoffen, dass die ambitionierten Neubaupläne nicht an den aktuellen finanziellen Schwierigkeiten scheiterten, sagte ein Kreisrat der SZ. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Landrat Arndt Steinbach stehe jetzt vor schwierigen Entscheidungen. Er müsse sehen, wie er die Probleme in Riesa löse, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Die Rufe nach einer Ablösung der Geschäftsführer Markus Funk und Stefan Geiger würden immer lauter, so der CDU-Kreisrat weiter.

Die Sorgen der Kommunalpolitiker haben folgenden Hintergrund: Für den Neubau in Riesa von 68 Millionen Euro und Investitionen in Radebeul von 18 Millionen Euro mussten die Elblandkliniken hohe Kredite aufnehmen. Der Landkreis haftet über Bürgschaften. Sollten die Verluste in Riesa andauern, müssten die ambitionierten Pläne für ein hochmodernes neues Haus möglicherweise auf eine Spar-Variante zusammengestrichen werden.

Angesichts dieser hohen Risiken ist die Linke offen in Opposition gegangen und verlässt ihren bisherigen Kuschelkurs mit der CDU-FDP-Koalition. In den letzten Wochen sei „ein zunehmendes Unvermögen“ der Geschäftsführung sichtbar geworden, „die Geschicke der Elblandkliniken in unserem Landkreis zu lenken“, heißt es in einer Erklärung der Sozialisten. Kreisvorstand und Kreistagsfraktion würden die medizinische Versorgung in der Region als „ernsthaft gefährdet“ betrachten.

Bestätigt in ihrer Skepsis sehen sich die Kreisräte der Fraktion Bündnisgrüne/Freie Wähler. Die Abgeordneten Bernd Uhlemann und Bernhard Kroemer hatten wiederholt vor einem überdimensionierten Neubau in Riesa gewarnt. Es sei falsch, mit der Universitäts-Klinik konkurrieren zu wollen, obwohl die Einwohnerzahlen und damit die Patientenzahlen zurückgehen. Riesa brauche ein funktionierendes Landkrankenhaus, keine über Schulden finanzierte teure High-Tech-Klinik.