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Steuer runter - wo Einkaufen billiger wird

Zum 1. Juli sinkt die Mehrwertsteuer um bis zu drei Prozent. Welche Geschäfte das an die Kunden weitergeben und welche Kritik es von den Händlern gibt.

Der Handel hat - wie hier in Pirna - wieder mehr Zulauf.
Der Handel hat - wie hier in Pirna - wieder mehr Zulauf. © Daniel Schäfer

Die Corona-Krise hat viele Händler hart getroffen. Während der Schließungen gab es keinen Umsatz. Zudem waren oder sind viele Menschen in Kurzarbeit und haben weniger Geld zur Verfügung. Ab dem 1. Juli sinkt nun, um die Konjunktur anzukurbeln, die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent. Auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz wird gesenkt: von sieben auf fünf Prozent. Doch wirkt sich das auch für die Kunden aus der Region beim Einkaufen im Geldbeutel aus?

In den meisten großen Supermarktketten sollen sie spätestens ab Juli preiswerter einkaufen können. Netto gibt beispielsweise die gesenkten Preise nach eigenen Angaben direkt am Regal an. In der aktuellen Situation sollen damit Verbraucher entlastet und das Konsumklima in Deutschland gestärkt werden. Das Unternehmen betont aber auch, dass mit dem Regierungsbeschluss für die Mitarbeiter allerdings auch erhebliche Mehrbelastungen verbunden seien. "Insbesondere bei der Artikelpflege und Preisauszeichnung in den Regalen", so das Unternehmen. 

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Preissenkung nicht für alle Waren

Auch der Discounter Aldi will die "Kostenvorteile an die Kunden weitergeben". Was das genau heißt, bleibt zunächst unklar. Jetzt erklärte das Unternehmen, dass es beim Kauf von Lebensmitteln, für die der ermäßigte Steuersatz gilt, sogar ein Rabatt von drei Prozent gewährt wird. Das gelte im Übrigen jetzt schon und sei an der Auszeichnung der Preise am Regal erkennbar.

Lidl will ab sofort die Preise senken, antwortet das Unternehmen auf SZ-Anfrage. Die Preissenkung erfolge ebenfalls direkt an den Artikeln am Regal und sei für die Kunden über das jeweilige rote Preisschild in der Filiale nachvollziehbar. Auch bei den Produkten im Onlineshop hat Lidl die Mehrwertsteuer gesenkt. Ausgenommen von der Preissenkung sind allerdings Tabakwaren, Zeitschriften, Babynahrung, Bücher, Pfand, Getränke aus Heißgetränkeautomaten, Telefon- und Geschenkkarten sowie Vermittlungsgeschäfte wie lidl-blumen.de, lidl-fotos.de oder lidl-reisen.de.

Abzug direkt an der Kasse

Vor allem Kunden großer Ketten werden also von der Steuersenkung profitieren. Auch Globus gibt den entsprechenden Rabatt auf alle Preise am Regal und im Faltblatt direkt beim Bezahlvorgang an der Kasse an seine Kunden weiter, teilt das Unternehmen mit. Die Rabatte würden vollständig und bis zum 31. Dezember dieses Jahres gelten, so Jochen Baab, Sprecher der Geschäftsführung Globus SB-Warenhaus. Die Preissenkung wird auf dem Kassenbon für jeden Einkauf einzeln ausgewiesen.

So verfährt auch die Baumarkt-Kette Toom. Auf dem Kassenbon könne dann jeder Kunde genau sehen, wie viel Geld aufgrund der Mehrwertsteuersenkung gespart wurde. Bei Online-Bestellungen werde das auch ausgewiesen. Selbst die Versandkosten würden entsprechend reduziert, heißt es vom Unternehmen.

Für Bäckereien zu großer Aufwand

Den kleineren Einzelhändlern macht der Aufwand, die Kassensysteme umzustellen, zu schaffen. Deshalb lässt auch die Bäckerei Sachse, die in Dohna produziert, die Preise unverändert. "Es wäre ein zu großer Aufwand, jetzt alle Preise zu ändern und in einem halben Jahr wieder", sagt Geschäftsführer David Haack. Für Hunderte verschiedener Produkte müssten dann auch neue Preisschilder angefertigt werden.

Dass bedeutet aber nicht, dass Bäckereien nichts vom Konjunkturpaket weitergeben wollen. "Wir verzichten jetzt beispielsweise darauf, höhere Preise beim Verzehr an unseren Tischen zu verlangen", sagt Bäckermeister Frank Gröger, der auch Innungs-Obermeister ist. In diesem Fall müsste eigentlich der höhere Mehrwertsteuersatz gelten. Hier sei es viel leichter, sich umzustellen. "Dann kleben wir nur die entsprechende Taste an der Kasse ab", erklärt Gröger.

Doch auch andere Händler mit teureren Einzel-Waren halten nicht viel von der Mehrwertsteuersenkung. Brautmoden-Designer Uwe Herrmann, der seinen Laden am Wiener Platz in Dresden hat, erklärt: "Es würde uns lokalen Händlern mehr helfen, wenn die Mehrwertsteuer für Amazon und Co. angehoben würde. Dann würden wieder mehr Kunden vor Ort kaufen anstatt nur online."

Etliche Händler überlegen aber noch, wie sie mit der steuerlichen Senkung umgehen werden, die den Handel ja eigentlich unterstützen soll. Offenbar gibt es bei diesem Thema viel Unsicherheit - immer noch.

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