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Riesa

Wie lässt sich das Grüne Gewölbe besser schützen?

Nebel, Stahlkugeln, Narkosegas: Ein Unternehmer aus der Region hat konkrete Vorschläge. Nicht alles lässt sich umsetzen, sagt ein Branchenexperte.

Der Zeithainer Peter Patz ist Unternehmer, Ingenieur und Experte für Regelungstechnik. Er sieht Parallelen zum Diebstahl der 100-Kilogramm-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum.
Der Zeithainer Peter Patz ist Unternehmer, Ingenieur und Experte für Regelungstechnik. Er sieht Parallelen zum Diebstahl der 100-Kilogramm-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum. © Archiv/Lutz Weidler

Region Riesa. Mittlerweile hat der Freistaat eine halbe Million Euro für Hinweise auf den Diamantendiebstahl im Grünen Gewölbe ausgesetzt – eine so hohe Belohnung, wie noch nie. Und noch immer wundert man sich, wie Diebe in eines der wichtigsten Museen Sachsens einsteigen und nur Minuten später samt Beute entkommen können. „Die Plünderung deutscher Museen nimmt Fahrt auf“, sagt der Zeithainer Peter Patz.

Der Unternehmer, Ingenieur und Experte für Regelungstechnik sieht Parallelen zum Diebstahl der 100-Kilogramm-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum. Dabei sei es doch verhältnismäßig einfach möglich, ein Museum besser zu schützen. „Als vor etwa 20 Jahren in ein benachbartes Autohaus osteuropäische Diebe eindrangen und sich wertige Alufelgen zu Eigen machten, ersann ich eine Idee“, sagt Patz. Sobald die Alarmanlage auslöst, müsse man den Bereich mit dichtem Nebel fluten, gern noch mit einer dramatischen Durchsage, dass der Nebel lebensgefährlich sei – auch wenn das nicht zutreffe.

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„Nebel verschleiert die Sicht und behindert die Orientierung im Raum in Sekundenschnelle“, sagt Patz, der das aus seiner Praxis als aktiver Feuerwehrmann weiß. Ein positiver Nebeneffekt sei, dass Augenzeugen sofort die Feuerwehr alarmieren, wenn aus einem Gebäude eine Rauchwolke dringt. Die Wehren könnten schnell vor Ort sein, zudem aus verschiedenen Anfahrtsrichtungen.

Noch billiger und sehr wirkungsvoll seien verdeckte Gefäße auf den Fensterbrettern, gefüllt mit drei Millimeter großen Stahlkugeln. Bricht jemand ein, könnten die sich auf den Fußboden entleeren. „Da nimmt jeder Einbrecher ordentlich Fahrt und Bodenkontakt auf.“ Und kaufen ließen sich solche Kügelchen bei Ervin-Steel in Glaubitz, wo sie als Strahlmittel hergestellt werden. Und stürzt der Einbrecher nicht, könnte er doch bewusstlos werden: „Ein nichttödliches Narkotikum wäre selbstverständlich auch eine Option“, sagt Patz.

Spannend klingen seine Ideen. Aber wären sie auch tatsächlich einsetzbar? Auf den ersten Blick erscheinen sie relativ logisch, sagt Stefan Haase von der Kölner Gesellschaft VdS Schadenverhütung. Die zertifiziert Produkte, die dem Schutz vor Einbrüchen und Bränden dienen. Zudem unterstützt VdS die deutschen Versicherungen bei der Risikobewertung.

 „Man muss aber auch die Nachteile der Ideen mit bedenken“, sagt Haase. Zwar würden tatsächlich einige Experten den Einsatz von Nebel gegen Einbrecher für sinnvoll halten, andere das aber deutlich ablehnen. „Der erste Grundsatz beim Diebstahlsschutz ist, dass der Schutz von Personen vor den der Sachwerte geht.“ 

Und Nebel würde nicht nur den Einbrecher behindern, sondern auch die eintreffenden Sicherheitskräfte. Ebenso könnte das bei den Stahlkugeln sein. „Das wäre kontraproduktiv.“

Auch den Einsatz von Narkosegas sieht Stefan Haase eher kritisch. „Der Schutz von Personen geht vor. Das gilt auch für das Leben des Einbrechers.“ Zumal in Deutschland vorgeschrieben sei, dass man einem Kriminellen nur mit „angemessenen“ Mitteln begegne. Da sei auch der Einsatz von Selbstschussanlagen, wie manche sich wünschen würden, ausgeschlossen.

Der Zeithainer Peter Patz hat als Ingenieur aber noch mehr Ideen, hauchfeine „Gardinen“ aus Stahldraht etwa, die sich entfalten, wenn jemand die Scheibe zerstört. „Ich erwäge, diese Idee zum Patent anzumelden.“ 

Interessant, findet man beim VdS. „Das soll der Herr entwerfen und uns vorstellen. Wir nehmen Ideen immer gern an und prüfen neue Sicherheitsprodukte, ob sie den Anforderungen gerecht werden“, sagt Stefan Haase.

Wurde eigentlich die Überwachungskamera im Grünen Gewölbe ihren Anforderungen gerecht? Peter Patz bezweifelt das bei der Qualität der Aufnahmen. „Jede Autorückfahrkamera liefert bei Dunkelheit besser Bilder.“ Laut VdS gebe es Richtlinien, was eine Kamera können müsse, danach werde sie zertifiziert.

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 „Die Frage ist, ob die Kamera in Dresden den Zweck hatte, hochauflösende Bilder zu liefern – oder dafür, den Einbruch zu melden“, sagt Haase. In letzterem Fall hätte sie ihren Zweck erfüllt. Aber warum der Einbruch im Grünen Gewölbe so schnell gelingen konnte: Diese Frage treibe die Kölner Experten auch um.

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