merken

Wie lange tuckert die Fähre noch?

Die beiden Coswiger Schiffe sollen weiter betrieben werden. Die Stadt knüpft das jedoch an eine Bedingung.

Von Philipp Siebert

Anzeige
Das haben die Filmnächte zu bieten

Deutschlands größtes Freilicht-Kino ist zurück! In der 29. Saison finden vor der schönen Kulisse Dresdens zahlreiche Veranstaltungen für Jung und Alt statt. 

Die gute Nachricht ist: Der Betrieb der beiden Elbfähren in der Stadt Coswig ist gesichert. Die schlechte: nur bis Ende dieses Jahres. Denn dann laufen die Verträge zwischen Landkreis Meißen, Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) und der Stadt aus. Bis dahin muss über die Finanzierung neu verhandelt werden.

Im Coswiger Rathaus hatte man sich bereits vor einem Jahr deutlich dazu bekannt, die Schiffe weiter zu betreiben. Der Stadtrat genehmigte dafür sogar mehr Geld. Statt 10 000 Euro pro Jahr gibt die Kommune nun 20 000 Euro für die Fahrten über die Elbe aus. „Wir mussten diesen Kompromiss eingehen, damit die Kötitz weiter fahren kann“, sagt Coswigs Ordnungsamtsleiter Olaf Lier.

50 000 Fahrgäste pro Jahr

Das Problem: Für den Betrieb der Schiffe kommen neben Coswig auch die Gemeinde Klipphausen, die Verkehrsgesellschaft Meißen und der Landkreis Meißen auf. Dem Landkreis ermöglichte ein Passus in den Fährverträgen jedoch, den Zuschuss für den Betrieb der Flotte nach der Eröffnung der Niederwarthaer Brücke zu senken. Das tat die Behörde auch. Drastisch sogar. Statt 50 000 Euro gibt der Landkreis seit einem Jahr nur noch 20 000 Euro jährlich für die Fahrten dazu. Der Etat ist damit von gut 85 000 Euro auf rund 45 000 Euro gesunken.

„Deshalb haben wir uns entschlossen, unseren Zuschuss zu verdoppeln“, so Lier. Ebenso wie Klipphausen. Die Gemeinde auf der anderen Elbseite hat seine Zuschüsse ebenfalls um 10 000 Euro erhöht.

Kein Wunder. Denn die Fähre ist beliebt. Das zeigen die Zahlen. Beinahe 50 000 Fahrgäste setzten im letzten Jahr mit dem Schiff zwischen Kötitz und Gauernitz über die Elbe – so viele wie seit drei Jahren nicht mehr. Rolf Baum, einer der zwei Geschäftsführer der VGM und Chef der Fährmänner auf der Kötitz, freut sich über diese Entwicklung. Vor allem Touristen nutzen das kleine Schiff. Sie machen über die Hälfte der Passagiere aus. Der VGM-Mann ist davon überzeugt, dass die Elbfähre in Zukunft noch mehr Gäste anlockt.

Der Ausbau der Meißner 8 als Fahrradrundkurs und dem inzwischen durchgängigen Elberadweg mache sich positiv bemerkbar. „Immer mehr Touristen wollen die Schönheiten des Hinterlandes links und rechts der Elbe erkunden“, sagt Baum.

Alles rosig also bei den Fähren in Kötitz? Nicht ganz. Denn das Schwesterschiff der Kötitz, die Bosel, liegt weiterhin im Coswiger Hafen. Zuletzt hatte ein undichtes Ventil das Boot geflutet. Die Havarie ereignete sich im Maschinenraum. 3 000 Liter Elbwasser waren in die Bosel gelaufen. Die Feuerwehr und ein Umweltfachbetrieb rückten an, um das mit Öl vermischte Nass abzupumpen. Die Reparatur und der Einsatz des Spezialbetriebes schlugen mit mehreren Tausend Euro zu Buche.

Der Schaden ist inzwischen behoben. Zum Einsatz kommt die Bosel dennoch nicht. Das Boot dient nur noch als Ersatzfähre. Die Längsfahrten zwischen Radebeul, Coswig und Meißen – für die das Schiff im Jahr 2000 angeschafft wurde – wurden von der Stadt eingestellt. Schuld daran ist die Weiße Flotte, die seit einiger Zeit wieder bis nach Meißen fährt. Der Betrieb der Bosel war für das Coswiger Rathaus nur noch ein Minusgeschäft.

Bosel als Charterschiff beliebt

Doch die Verwaltung hat man eine andere Nutzung für die Fähre gefunden. Wenn die Bosel nicht als Ersatzfähre gebraucht wird, kann sie gemietet werden. Das Schiff ist beliebt. Im letzten Jahr legte das kleine Boot 67 Mal unter privater Flagge ab – ebenso viele wie im Jahr davor. 2012 waren es dagegen 20 Fahrten weniger.

Eine Stunde auf der Bosel kostet 130 Euro – ein lukratives Zusatzgeschäft für die Stadt. Trotzdem rechnet sich das Fährgeschäft insgesamt nicht. „Der öffentliche Personennahverkehr ist immer ein Minusgeschäft. Es geht gerade so“, sagt Lier. Coswigs Ordnungsamtschef meint damit die Höhe des Etats. Rund 75 000 Euro pro Jahr reichen gerade einmal dafür, die Anleger und Schiffe ordentlich in Schuss zu halten. Für mehr nicht. Allein die letzte Durchsicht der Kötitz kostete 35 000 Euro. Größere Reparaturen dürfen nicht anfallen.

Mit den am Fährbetrieb beteiligten Kommunen, der VGM und dem Landkreis muss deshalb weiter verhandelt werden. Ende des Jahres läuft der jetzige Fährvertrag aus. Bis dahin muss ein neuer her.

Der ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Teurer als jetzt darf der Betrieb der Schiffe nicht für die Stadt werden. Denn andere Kommunen wie die Gemeinde Diera-Zehren zahlen nicht für den Betrieb ihrer Schiffe. „Wenn Städte an den Fähren beteiligt werden, dann bitte alle gleich“, sagt Lier.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.