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Wie man den Forststeig-Marathon schafft

Stefan Utke ist an nur einem Tag 108 Kilometer quer durch die Sächsische Schweiz gelaufen. Wie sich das anfühlt, zeigt jetzt ein Video.

Rekord am Forststeig: Stefan Utke läuft den 108 Kilometer langen Forststeig Elbsandstein an nur einem Tag.
Rekord am Forststeig: Stefan Utke läuft den 108 Kilometer langen Forststeig Elbsandstein an nur einem Tag. © Hannes Herrmann, BUND Dresden

Normale Wanderer brauchen für diese Strecke eine Woche. Stefan Utke hat sie an nur einem Tag gemeistert. Der Dresdner ist der Erste, der den Forststeig Elbsandstein in weniger als 24 Stunden abgelaufen ist. Der anspruchsvolle Trekkingpfad führt 108 Kilometer durch die Sächsische und Böhmische Schweiz - über 13 Tafelberge. Stefan Utke hat den Ultra-Marathon am Forststeig vor wenigen Tagen erfolgreich absolviert. Jetzt gibt es ein Video von seiner Mission, das schon hundertfach angesehen wurde. 

Der knapp 20 Minuten lange Film zeigt, wie sich der 33-jährige Extremsportler auf den Trail vorbereitet. Morgens um 4.26 Uhr wird es dann ernst. Er schnürt seine Laufschuhe und startet von Schmilka aus. Der Lauf beginnt. Schon nach gut einer Stunde hat er den Großen Zschirnstein erreicht. Es ist 5.40 Uhr, dichter Nebel liegt über der Sächsischen Schweiz. Stefan Utke hat kaum Zeit, um den majestätischen Ausblick zu genießen. Er will und muss weiter. Kurz vor 7 Uhr hat er den Taubenteich erreicht. Zeit für das erste Frühstück und, um die Trinkflaschen aufzufüllen. Für die Verpflegung zwischendurch sorgen Stefan Utkes Freunde Hannes Hermann und André Bartsch. Sie passen ihn zwischendurch mehrfach ab, haben frische Schuhe, Obst, Wasser und kalorienreiches Essen dabei. Alles ist durchgetaktet, durchgeplant.

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Utke hat nun den Großen Schneeberg vor sich. Morgens, kurz nach 8 Uhr, hat er ihn bezwungen. Als Belohnung gibt es frisches Porridge. Das gibt neue Kraft. Die braucht der Dresdner für seinen Ultra-Run. Stefan Utke legt bei der Pause die Beine hoch, genießt die Sonne. Seine Schuhe und Füße sind pitschnass - vom Tau auf den Wiesen, durch die er seit dem frühen Morgen läuft. Nach wenigen Minuten geht es weiter. Die Schweizermühle im Bielatal ist das nächste Ziel. Es ist 11 Uhr, als Stefan Utke hier ankommt. Genau 47 Kilometer querfeldein und damit mehr als einen Marathon hat er jetzt schon hinter sich.

Sein Körper macht noch gut mit. Noch. Mittags durchlebt er ein körperliches Tief. Er muss sich hinlegen. Es geht nicht anders. Atmen, immer wieder tief durchatmen, sich auf das Ziel fokussieren. Das sind die Techniken, die Stefan Utke helfen. In Rosenthal hat der Sportler die Hälfte der 108 Kilometer geschafft. Auf einer Bank macht er 14 Uhr Pause, trifft zwei Senioren, die ihn neugierig ansehen. "Tut mir leid, wenn ich vielleicht komisch rieche", sagt Stefan Utke keuchend. So schwer er auch nach Luft ringt, lächeln kann er immer noch. 

Fast zehn Stunden ist er jetzt schon unterwegs. Die Sonne steht tief, als Utke gegen 19.30 Uhr den Aufstieg zum Quirl in Angriff nimmt. Nach 88 Kilometern und fast zwei Marathons. Wahnsinn. Die letzten 20 Kilometer bis nach Bad Schandau ziehen sich. Stefan Utke muss Tempo rausnehmen. Er rennt nicht mehr, er läuft. Je dunkler es wird, desto schwerer kann er sich orientieren. Das kostet Zeit. Um 23.38 Uhr hat er die Ziellinie am Bahnhof in Bad Schandau  schließlich vor Augen. 19 Stunden und 12 Minuten war er am Forststeig unterwegs.

Entkräftet, aber glücklich: Nach 19 Stunden und 12 Minuten kommt Stefan Utke im Ziel in Bad Schandau an.
Entkräftet, aber glücklich: Nach 19 Stunden und 12 Minuten kommt Stefan Utke im Ziel in Bad Schandau an. © André Bartsch, Milapa Meditation

Stefan Utke lässt sich in einen Stuhl plumpsen, völlig entkräftet, aber überglücklich. "Es war ein langer Weg", sagt er. Und es wird mit Sicherheit nicht sein letzter sein. Die sportliche Herausforderung sei das eine. Utke hat mit dem Ultra-Lauf durch die Sächsische und Böhmische Schweiz noch ein anderes Anliegen. Er will mit der Aktion auf das Waldsterben aufmerksam machen. Der Wald in der Sächsischen Schweiz ist aufgrund anhaltender Trockenheit und Borkenkäfer-Befall extrem angegriffen. "Nur noch jeder vierte Baum ist gesund", sagt der Dresdner. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Dresden (BUND) und dem Sachsensforst hat er deshalb den Lauf am Forststeig initiiert. "Die Landschaft ist irre schön. Wir sollten deshalb alles versuchen, um die Natur zu schützen", sagt er.

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