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Dresdens Tatortreiniger - mit Hochdruck gegen Graffiti

In kurzer Zeit sind der Pavillon am Rosengarten und der Sockel des Bogenschützen sauber. Wie das die Experten schaffen. 

Mit Handbürste und Lösungsmittel rückt René Eber dem Graffiti im Pavillon zu Leibe.
Mit Handbürste und Lösungsmittel rückt René Eber dem Graffiti im Pavillon zu Leibe. © René Meinig

Auf den Kleintransportern ist „Graffiti Ex“ zu lesen, die an diesem Tag vorm Sandsteinpavillon am Neustädter Rosengarten stehen. Also schauen die Passanten auf dem Elberadweg interessiert zu René Eber und seinen Kollegen, die mit Bürste und dem Hochdrucksprüher eine besondere Aufgabe haben. Zwar ist der Pavillon bei der Sanierung der Albertbrücken-Unterseite mit gereinigt worden. Doch einerseits verunstalten schon wieder rote Krakel die weiße Wand an der Rückseite. Zum anderen sind noch rote, blaue und weitere Farbschatten in den Sandsteinsäulen zu sehen. Graffiti-Ex-Chef Torsten Höhne ist hier mit einigen Mitarbeitern seiner Dresdner Firma angerückt, um sie zu entfernen.

Der Sandstein ist zwar mit Schlacke-Granulat abgestrahlt worden. „Aber dieses Verfahren hat für den sächsischen Sandstein nicht gereicht“, erläutert der 47-jährige Experte. Die Farbe dringt bis zu 1,5 Zentimeter in den Stein ein. „Würde die beim Strahlen abtragen werden, zerstört man den Sandstein.“ Genau deshalb steht René Eber mit seiner Handbürste vor der Säule und streicht Lösungsmittel darauf.

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Nach drei Minuten greift er zum Hochdruckreiniger. Im grellen Sonnenlicht sprühend, prallt heißes Wasser auf den Stein und wirbelt die Lösung wieder aus diesem heraus. Sie hat nach dem Löschblattprinzip die Graffiti-Farbe aufgesogen. Zumindest einen Teil. Deshalb steht Ronny Berger mit dem Sauger für Wasser daneben, das die Pumpe brummend in den Behälter im Einsatzfahrzeug befördert. „Da bleibt kaum ein Tropfen übrig“, sagt der Graffiti-Entferner.

Indes greift sein Kollege Eber wieder zur Bürste. „Das ist eine spezielle Lösung zur Entfernung der Farbe Rot“, erläutert Eber. Die muss jetzt eine gute Viertelstunde einwirken. Die nächste Sprührunde – dann ist nichts mehr vom Rot, sondern nur noch der bräunliche Sandstein zu sehen. Geschafft. Zumindest an dieser Säule.

Auf diese Art geht es auch an den anderen Säulen, an der Rückwand und später noch am Sandstein-Sockel des berühmten Bogenschützen am Königsufer weiter. Für Entferner Eber ist das Alltag. Am Zwinger, der Frauenkirche oder dem Rathaus hat er schon die wilden Krakel entfernt, nennt der 41-jährige Dresdner einige Beispiele. . „Durch die neuen Baustellen haben wir immer Abwechslung“, sagt sein 48-jähriger Kollege Ronny Berger. Mittlerweile hätten sich die Graffiti-Entferner so eingefuchst, dass sie in 98 bis 99 Prozent aller Fälle die Farbe runter bekommen. Das sei nur eine Frage der Zeit. An tief sitzenden Graffiti auf Sandsteinfassaden könne es schon mal etwas länger dauern. An verputzten Wänden geht es hingegen oft schnell.

„Vor allem haben wir aber einen Chef, der immer für uns da ist“, nennt der Vater von drei Kindern einen Vorteil in dem Unternehmen mit 14 Mitarbeitern. „Als meine Mutter im Krankenhaus lag, konnte ich sofort freinehmen.“ „Graffiti Ex“ gibt es schon 21 Jahre. Meist können an bis zu zwölf Stellen täglich die Sprühereien entfernt werden. „Dieses Jahr hatten wir schon rund 1 500 Aufträge in Sachsen und Brandenburg“, berichtet der Firmenchef.

Allerdings geht es dabei nicht nur um die eigentliche Entfernung, sondern auch den Schutz für Passanten. Am Pavillon neben dem Rosengarten sind die weit genug weg, an vielen Straßen jedoch nicht. „Damit der Sprühnebel keine Fußgänger trifft, stellen wir Posten auf oder spannen Schutzfolien“, sagt der Fachmann. Aber nicht nur ihm mache es Spaß, wenn die Graffiti verschwinden, sondern auch den Dresdnern. „So mancher Passant sagt zu unseren Mitarbeitern, dass sie das schön gemacht haben.“ Und würden hinzufügen: „Aber hoffentlich sieht es nicht bald wieder so aus.“ Auch im Firmensitz auf der Lommatzscher Straße kommen Anrufe von Leuten, die sich bedanken.

Oft arbeitet Höhne mit Thoralf Hase zusammen, der in Dresden eine Fassadenreinigungsfirma betreibt. Der 57-Jährige, der seit 1994 im Geschäft ist, steht auch am Pavillon neben dem Rosengarten. Die sächsischen Sandsteine hätten ein großes Saugvermögen. Aber in bis zu 40 Prozent der Fälle seien die Farben nach der ersten Runde mit Graffiti-Entferner weg.

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„Bei zehn bis 20 Prozent ist es schon deutlich komplizierter“, erklärt er. „Im Extremfall sind wir zehnmal hingefahren, bis der Farbschatten raus war.“ Das sieht er jedoch als den einzig möglichen Weg. Denn das Strahlverfahren funktioniere bei Sandstein in 90 Prozent der Fälle nicht. Zwar gebe es auch Graffitischutz, der auf die Oberfläche aufgetragen werden kann. Doch der sei teuer und müsse je nach Art des Schutzes regelmäßig wieder erneuert werden. Zudem sei die Graffiti-Entfernung nicht in jedem Fall einfacher als bei einer normalen Reinigung.

Zwei Tage später stehen die Graffiti-Reiniger Eber und Berger unterm Bogenschützen. Von den Sprühereien ist dort nichts mehr zu sehen.

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