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Hoyerswerda

Wie man im Internet anständig bleibt

Hoyerswerdas Oberschule „Am Planetarium“ nimmt an einem speziellen sächsischen Digital-Projekt teil.

Nach der 5 a waren die Größeren an der Reihe: Anne Neuber (4. v.r.) und ihr Kollege Philipp Stadler (links neben ihr) sprachen mit der 8 a über Cybermobbing.
Nach der 5 a waren die Größeren an der Reihe: Anne Neuber (4. v.r.) und ihr Kollege Philipp Stadler (links neben ihr) sprachen mit der 8 a über Cybermobbing. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Worin, wollten Anne Neuber und Anja Obermüller wissen, liegt der Unterschied, ob man von anderen auf dem Schulhof attackiert, angepöbelt und niedergemacht wird oder das per Internet geschieht. Die zwei Frauen saßen vorige Woche in Raum 04 der Oberschule „Am Planetarium“ in Hoyerswerdas WK VI im Kreis mit den Schülerinnen und Schülern der Klasse 5 a zusammen. Schräg hinter ihnen war auf einer Leinwand das Motto des Vormittags zu lesen. „#stopcybermobbing“.

Tags darauf brachte Herbert Wolff vom sächsischen Kultusministerium der Stadt 1,5 Millionen Euro für die EDV-seitige Aufrüstung ihrer Schulen. Doch mit der technischen Offensive ist es nicht getan.

Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Die Schule im WK VI ist eine von fünf in Sachsen, die beim Projekt „Schule und digitale Demokratie“ mitmachen. Mehr als 30 hatten sich beworben. Das Kultusministerium, das das Programm bezuschusst, spricht vom Ziel, die Schulen für den digitalen Wandel zu stärken: „Ein Jahr lang werden die Schüler, Lehrer und Eltern von Profis in Fortbildungen und Workshops fit gemacht.“ Besagte Profis kommen vom Verein „Aktion Zivilcourage“ mit Sitz in Pirna. Als verantwortliche Referentinnen den Hut auf haben jedoch zwei ehemalige Hoyerswerdaerinnen. Anne Neuber hat ihr Abitur 2002 am Zuse-Gymnasium abgelegt, Alena Hegedüs 2008 am Lessing-Gymnasium.

Startschuss im November

Neben der Hoyerswerdaer Neustadt-Oberschule bei „Schule und digitale Demokratie“ dabei sind zwei Gymnasien in Dresden und in Naunhof bei Leipzig sowie zwei weitere Oberschulen in Rechenberg-Bienenmühle im Osterzgebirge und in Königsbrück. Man habe, heißt es, die Bildungseinrichtungen nach Bedarf und geografischer Lage ausgesucht. In Hoyerswerda kommt dazu, dass das Projekt in die neue Oberschule im WK I transferiert werden kann.

„Nachdem im November die Eröffnung und der erste Elternabend stattfanden, werden nun die Workshops in den verschiedenen Klassen durchgeführt“, berichtet Romy Stötzner, die aktuelle Leiterin der Oberschule „Am Planetarium“ und künftige Chefin der neuen Oberschule. Als erste war die Klasse 7 b an der Reihe. Mitte Januar ging es darum, wie man im Internet Falschmeldungen erkennt und wie man dem Versuch von Meinungsmanipulation begegnet. Motto: „#realorfake“. Unter der Überschrift „#nohatespeech“ beschäftigten sich dann Neuntklässler mit Zivilcourage im World Wide Web. Der Kurs „stopcybermobbing“ mit der 5 a fand tags darauf auch für die 8 a statt. Im Sommer werden sich zwei weitere Projekttage anschließen.

Für die Landesregierung in Dresden ist das Programm Bestandteil des Handlungskonzeptes „W wie Werte – zur Stärkung der demokratischen Schulentwicklung und politischen Bildung an sächsischen Schulen“. Das Kultusministerium hat es 2017 von Experten erarbeiten lassen. Darin ist bezüglich digitaler Bildung von einer themenspezifischen Medienoffensive die Rede. Als Staatssekretär Herbert Wolff vorige Woche den Fördergeldbescheid übergab, schnitt er die nötige pädagogische Begleitung ebenfalls an: „Die Mediennutzung wird künftig noch stärker Thema der Lehrerausbildung sein.“

So normal wie die Schulklingel

Anne Neuber stellte in der 5 a fest, dass Smartphones mit der Einführung des iPhones 2007 so richtig im Alltagsleben ankamen – vor 13 Jahren. Alle Schüler im Stuhlkreis waren jünger. Freimütig berichteten sie, wann sie das erste, eigene Smartphone bekamen. Manche waren da gerade vier. Dienste wie Youtube, Whatsapp oder TikTok gehören für sie dazu wie Schulklingel und Federmappe. Zumindest Klassensprecherin Amy weiß daher das Angebot des Vereins „Aktion Zivilcourage“ zu schätzen. „Es ist wichtig, darüber zu sprechen, weil es ja jetzt so oft vorkommt“, sagt sie über sogenanntes Cybermobbing. Sie und ihre Mitschüler kennen nun auch die Unterschiede zu Schulhof-Attacken: Im Zweifel kennt man den Täter nicht. Und: Eine virtuelle Schmähung ist dauerhaft. „Was einmal im Internet ist, ist immer im Internet“, wissen die Mädchen und Jungen aus der 5a.