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Wie man mit Kameras und Bierkästen Diebe vertreibt

Kleingärtner lassen sich einiges einfallen, damit ihre Lauben nicht geplündert werden. Die SZ fand drei Beispiele in drei Sparten.

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Von Thomas Christmann

Die Kameras schrecken ab. „Einen Einbruch würde ich mir verkneifen“, sagt Claus-Peter Gohr vom Kleingartenverein „Einheit“ in Hirschfelde/Drausendorf. Der Vorsitzende ist nicht nur überzeugt davon, er kann es beweisen. Seitdem die Mitglieder die Videoüberwachung im Mai dieses Jahres installiert haben, ließ sich kein Dieb mehr in der Anlage an der Zittauer Straße blicken. Wenn, würden die Kameras alle Bewegungen auf Chips aufzeichnen. Die Standorte und Anzahl will der 51-Jährige verständlicherweise nicht verraten. Aber die Kameras seien mobil, sollten Diebe den Standort entdecken, sagt Gohr. Außerdem sind auch entsprechende Hinweisschilder an den Eingängen angebracht, in Deutsch, Tschechisch und Polnisch.

Der Grund für das Sicherheitsprojekt sind die Einbrüche in der Vergangenheit. Allein zwischen Oktober 2011 und Februar 2012 kamen Diebe über 120 Mal in die Grenzsparte. „Es ging nach Strichliste“, sagt Gohr. Erst nahmen sie sich die Schuppen vor, dann die Lauben der 25 Kleingärtner im Verein. Vom Rasenmäher über Alu-Leitern, Kettensägen und Kabeltrommeln nahmen die Einbrecher alles mit. Der Schaden lag bei über 20000 Euro. Die Dunkelziffer ist noch höher, denn nicht jeden Fall haben die Vereinsmitglieder der Polizei gemeldet. Einige wollten ihre Ruhe, andere besitzen keine Laubenversicherung.

Doch genau dazu rät der Territorialverband Zittau. Nur rund 600 der über 2200 Mitglieder haben eine – Tendenz jedoch steigend. „Die Leute sind vorsichtiger geworden“, sagt Geschäftsstellenleiterin Petra Wunderlich. Jedes Jahr werden ihr rund 20 Einbrüche gemeldet. Schäden an Türen, Fenstern und Wertsachen in der Laube sind mit der Versicherung abgedeckt.

Die Diebesserie in der Sparte Hirschfelde/Drausendorf ist bislang einmalig. Die Polizei kann nur spekulieren, ob es an den geringen Kontrollen lag oder ob die Abgeschiedenheit des Ortes eine Rolle gespielt hatte. Das Risiko, entdeckt zu werden, ist dann gering. Doch die Beamten seien in der Hochzeit oft vor Ort gewesen, sagt Janet Kloß von der Polizeidirektion Oberlausitz/Niederschlesien. In einigen Fällen konnte sie Polen als Tatverdächtige ermitteln.

In der Kleingartenanlage „Zur Weinau“ gab es in den vergangenen drei Monaten vier Einbrüche. Die Parzellen liegen alle nebeneinander. Gefunden haben die Diebe nichts, nur Schaden hinterlassen. Einige würden ihre Lauben inzwischen sogar offen stehen lassen, damit das nicht passiere, sagt Vereinschef Michael Volkmann. Als Dankeschön stehe dann schon mal ein Kasten Bier drin. Nach dem Hochwasser 2010 hat es in der Anlage aber weitaus mehr Einbrüche gegeben. Die Diebe nahmen alles mit, was auf dem Schrottplatz Geld bringt. „Da ist die Anlage regelrecht geplündert worden.“ Oft würden die Mitglieder ihre Wertsachen nun nach der Saison mit nach Hause nehmen, sagt Volkmann. An Videoüberwachung habe er auch schon gedacht, aber die sei für eine Anlage mit 164 Gärten zu teuer.

Der Kleingartenverein „Sonnenhain“ auf der Gerhart-Hauptmann-Straße ist im Frühjahr zuletzt von Einbrüchen betroffen gewesen. Vorrangig seien es Metalldiebe, sagt Kai Fritsche vom Verein. Deshalb würden beispielsweise Wasserhähne von den Mitgliedern inzwischen abgeschraubt. „Es gibt nicht mehr viel zu holen.“ Zudem hat der Vorstand einen Aushang gemacht, auffällige Personen zu melden. Und täglich macht einer mit seinem Hund Kontrollgänge. Die machen auch Mitglieder in Hirschfelde. Die angedachte Bürgerwehr käme hingegen nicht mehr infrage, sagt Gohr. Sie hätten keine rechtliche Handhabe, jemanden festzuhalten.