SZ +
Merken

Wie man über Gäste herfällt

Unser Leser Sven Häberlein schildert ein Erlebnis zu Pfingsten in Königsbrück.

Teilen
Folgen

Unser diesjähriger Pfingstausflug beeindruckte uns in Sachen kundenorientierter Service so extrem, dass ich darüber gern schreiben möchte. Wir verbrachten zuerst drei Tage im Spreewald und brachen dann am Montag zur traditionellen Radtour hier in heimatlichen Gefilden auf. Das Wetter im Spreewald war schlecht, davon ließen sich aber an Pfingsten dort weder die Touristen noch die Gastronomen abschrecken. Wo man auch auftauchte wurde man extrem positiv bewirtet. Es war überhaupt kein Problem, in einer Country-Kneipe abgekochtes Wasser zum Anrühren von Babybrei zu bekommen. Oder in einem Eiscafe die Microwelle zur Erwärmung des Gläschens nutzen zu dürfen.

Das krasse Gegenteil davon in einer bis dato noch nie irgendwo erlebten Form, mussten wir leider dafür am Pfingstmontag in einem Königsbrücker Eiscafe erleben. Sechs Mitzwanziger und ein elf Monate altes Baby ließen sich erschöpft vom Radeln auf der Freiterrasse des Cafés nieder. Alle außer mir bestellten ein Eis. Ich selbst verspürte eher Appetit auf etwas Herzhaftes und holte mir einen Döner. Mit diesem erlaubte ich mir, mich wieder zu meinen Freunden zu setzen. Als der Ladeninhaber mit den Eisbechern um die Ecke bog, kam er wie eine Furie auf uns zugestürzt. Bemerkungen wie „bodenlose Unverschämtheit“, „Ignoranz ihm gegenüber“, „teuer bezahlte Freifläche“, „Ich will so ein Zeug hier nicht haben“ prasselten auf uns herab. Vor allen anderen zahlreichen Gästen, stellte er uns bloß, nicht bemerkend, dass er sich damit selbst wesentlich mehr schadete, als uns. Ich verschwand mit dem Döner also fernab von meinen Leuten in eine stille Ecke. So räumlich getrennt und von vielen fremden Augenpaaren gemustert hatten wir uns die Rast nicht vorgestellt.

Meine Frau, die sich über dieses Vorkommnis am meisten ärgerte, ging daraufhin mit ihrem unangerührtem Becher in den Laden. Meinte, ihr wäre der Appetit vergangen, sie hätte gern ihr Geld zurück. Da lief der Herr erst zur Hochform auf. Wir sollten verschwinden, es gäbe ehrenwerte Gäste, um die er sich zu kümmern habe. So eine Frechheit habe er noch nie erlebt. Tja, das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit. Um ganz Königsbrück werden wir bei künftigen Touren sicherheitshalber einen großen Bogen machen. Zum Glück geht es auch in unserer Gegend anders. Dieser Eisverkäufer kann nicht als Beispiel für die gesamte Region herangezogen werden. Am Höckendorfer Gondelsee wurden wir wieder freundlich bewirtet.