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Großenhain

Wie nah darf an einem Stall gebaut werden?

Eine Bauvoranfrage aus dem Ortsteil Kleinthiemig lehnte die Stadt Großenhain ab. Doch der Landkreis setzt das Baurecht durch.

Die Stallanlagen sind in Kleinthiemig nah an der Wohnbebauung. Die Außengrenze muss deshalb für den Neubau eingehalten werden.
Die Stallanlagen sind in Kleinthiemig nah an der Wohnbebauung. Die Außengrenze muss deshalb für den Neubau eingehalten werden. © Kristin Richter

Großenhain. So ist es auf dem Dorf: Da kräht früh der Hahn, und gelegentlich riecht es nach Mist. Die Alteingesessenen kennen das und beklagen sich selten. Zugezogene aus der Stadt aber fangen manchmal deswegen sogar einen Rechtsstreit an. In Kleinthiemig, einem Ortsteil von Großenhain, wollte die Stadtverwaltung solchem Ärger von vornherein einen Riegel vorschieben. Doch die Sache misslang. Im Technischen Ausschuss des Stadtrates war von einem Antrag auf Bauvorbescheid für ein Einfamilienhaus an der Alten Dorfstraße die Rede. Die vorgesehene Bebauung auf dem Familiengrundstück soll in Richtung eines Rinderstalls erfolgen. In Sichtweite betreibt hier Helfried Kupke im Haupterwerb Rinderzucht mit etwa 60 Tieren. Die Stadt hat die Bauvoranfrage deshalb abgelehnt. 

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Dass nördlich seiner Anlage, auf der gegenüberliegenden Seite des Gartengässchens, ein weiteres Haus gebaut werden soll, weiß der Landwirt noch nicht. Doch im Ortschaftsrat war die Angelegenheit schon Thema, wie Ortsvorsteher Jens Noack berichtet. 

Die Walda-Kleinthiemiger Vertreter durften aber über die Bauvoranfrage nicht entscheiden, sondern haben sie nur zur Kenntnis bekommen. "Das neue Haus müsste weit reinrücken, um nicht in den äußeren Ring zu kommen", so Jens Noack. Sprich, in den Außenbereich. Dann wäre das Haus auch weit genug vom Stall weg. 

So sah es auch das Landratsamt. Es widersprach der Ablehnung der Stadtverwaltung und ersetzte das Einvernehmen, wie es im Amtsdeutsch heißt. Noch im Dezember ging der positive Baubescheid an die Familie. "Hierin wurde ausdrücklich festgelegt, dass sich das Vorhaben nördlich der fiktiven Linie der vorhandenen Bebauung einordnen muss", so das Bauamt. 

Die Erschließung muss von der Alten Dorfstraße im Osten, nicht vom Gartengässchen im Süden erfolgen. Nach Auffassung der unteren Bauaufsicht sei damit die Einordnung im Innenbereich gewährleistet. 

Bedenken zum Standort hinsichtlich der in der Nähe gelegenen Landwirtschaft seien seitens der Immissionsschutzbehörde nicht vorgebracht worden. "Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass die geplante Wohnbebauung nicht näher an diese heranrückt, wie bereits vorhandene Gebäude, die Wohnzwecken dienen", unterstreicht Kreissprecherin Kerstin Thöns. 

Das versagte Einvernehmen der Stadt Großenhain sei nach vorab erfolgter Anhörung durch das Landratsamt ersetzt worden. Weder der Antragsteller noch die Große Kreisstadt Großenhain hätten Rechtsmittel eingelegt. Stadtbaudirektor Tilo Hönicke konnte es sich aber im Technischen Ausschuss des Stadtrates dennoch nicht verkneifen, zu verkünden, dass er die Bauherren bei etwaigen späteren Gestank-Beschwerden auch zum Landkreis schickt. 

Der Vorbescheid selbst berechtigt noch nicht zum Bau des Eigenheimes. Dazu ist ein nachfolgender Bauantrag erforderlich. Der liegt der Bauaufsicht noch nicht vor. Die Kleinthiemiger wollen ihn aber stellen. Mit allen Einschränkungen.

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