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Wie Ottendorfs Wohngenossenschaft in sich selbst investiert

Die WG pumpt sich bei ihren Mitgliedern Geld für neue Vorhaben. Die Anleger aus den eigenen Reihen sind begeistert.

Von Sebastian Kositz

Teure Kredite bei den Banken vermeiden und obendrein den Genossenschaftlern noch eine sichere Finanzanlage bieten – das ist die Idee, mit der die Wohngenossenschaft Ottendorf-Okrilla (WG) neue Wege beschreiten möchte. Statt sich bei Geldinstituten die finanziellen Mittel für Investitionen gegen hohe Zinsen zu besorgen, will sich künftig die WG bei ihren Mitgliedern bare Mittel leihen. Die Mitglieder borgen ihrer Genossenschaft quasi über einen festgezurrten Zeitraum eine gewisse Summe und bekommen diese verzinst. Vorteil für beide Seiten: Die WG umgeht die höheren Zinsen bei der Bank, und die Genossenschaftler erhalten bessere Zinsen, als sie etwa auf Tagesgeldkonten erhalten.

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Inhaberschuldverschreibung nennt sich das Modell, das offenkundig bei den Mitgliedern gut ankommt. Erst kürzlich endete die erste Zeichnungsphase für die neuartige und ungewöhnliche Geldanlage. Einen Rahmen von 30 000 Euro hatten die Verantwortlichen der Genossenschaft zunächst freigegeben – 18 000 Euro wurden abgerufen. Eine hervorragende Nachfrage, wie Genossenschaftschef Lutz Herrmann meint, der sich mit dem Ergebnis zufrieden zeigte. Beträge zwischen 1 000 und 5 000 Euro spült das nun für Investitionen in die Kasse der WG, verzinst werden diese mit Sätzen zwischen einem und 2,2 Prozent. „Die Nachfrage zeigt, dass unsere Mitglieder uns vertrauen“, so Lutz Herrmann.

Nach dieser Art Testballon will die Genossenschaft nun in den nächsten Monaten versuchen, das jetzt übrig gebliebene Restvolumen als Anlage an die Genossenschaftler zu bringen. In der zweiten Hälfte des nächsten Jahres ist zudem eine weitere Runde geplant. Wie hoch der Rahmen dann ausfallen wird, das steht aber noch nicht fest, erklärt Lutz Herrmann.

Dass die Anleger bei diesem Geldgeschäft nicht um ihre Einlagen fürchten müssen, garantiert der WG-Chef mit einem „nullprozentigen Ausfallrisiko“. Denn die Einlagen der Mitglieder sind durch die Eigenkapitaldecke gesichert. „Das Geld, was wir zurückgeben müssen, wird jeweils zum Jahresanfang auf unserem Konto sein“, erklärt Lutz Herrmann.

Mit dem neuen Modell, das bislang von Wohnungsgenossenschaften in Sachsen noch eher selten praktiziert wird, will die WG vor allem Geld für anstehende Investitionen einnehmen. So ist angedacht, das von den Mitgliedern geliehene Geld mit in die geplante Sanierung der Keller und Fassaden der Häuser an der Förstereistraße einfließen zu lassen. Auch der angepeilte Neubau von Wohnungen könnte später über die durch die Inhaberschuldverschreibungen eingesammelten Summen teilweise mit finanziert werden. Zudem ist denkbar, teure Kredite abzulösen.