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Pirna

Wie Pirna das Park-Chaos entwirrt

Zu großen Festen verzweifeln Besucher regelmäßig bei der Parkplatz-Suche. Eine Lösung ist nun zumindest in Sicht.

Parkplatz-Suchverkehr am Zwinger an einem Adventswochenende 2018: Verstopfte Straßen, frustriere Autofahrer.
Parkplatz-Suchverkehr am Zwinger an einem Adventswochenende 2018: Verstopfte Straßen, frustriere Autofahrer. © Archivfoto: D. Förster

An den Adventswochenenden 2018 brach der Innenstadtverkehr in Pirna an einigen Stellen zeitweise völlig zusammen. 

Vor allem im Gebiet um den Steinplatz ging zu Stoßzeiten nichts mehr. Vom Zwinger drängte ständig Parkplatz-Suchverkehr nach, Gäste, die ins Parkhaus „Steinplatz“ wollten, blockierten die Straße „Am Plan“, andere wiederum suchten verzweifelt nach dem nur ungenügend ausgeschilderten Zusatzparkplatz hinter der Schifftorvorstadt.

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Dieses Dilemma offenbart ein grundsätzliches Problem: Vor allem dann, wenn in Pirna Großveranstaltungen wie Weihnachtsmarkt oder Stadtfest stattfinden, versinkt die Innenstadt regelmäßig im Park-Chaos.

Bei einigen Festen in der zurückliegenden Zeit versuchte Pirna zwar, punktuell gegenzusteuern – beispielsweise mit großen Parkplätzen abseits des Zentrums nebst Shuttlebusverkehr zu den Festgebieten. Allersdings lösen diese Alternativen das Problem bislang nicht generell.

Nun aber soll die Problematik angegangen werden. Die Stadtratsfraktion „Die Linke“ beantragte kürzlich, dass das Rathaus ein Parkkonzept für Großveranstaltungen erarbeitet. Dabei sollen nach Aussage der Linken die Ideen der Arbeitsgruppe „Lokale Agenda“ sowie die bisherigen Erfahrungen der Stadt zu den Lösungsvarianten bei Großveranstaltungen und zur Lenkung des Besucherverkehrs berücksichtigt werden.

Der Stadtrat votierte einstimmig für den Antrag. Das Rathaus sagte auch schon zu, dieses Konzept auf den Weg zu bringen und diesbezüglich eine neue Arbeitsgruppe zu bilden. Die SZ stellt die möglichen Lösungsansätze der Lokalen Agenda vor.

Pirna muss selbst überflüssigen Verkehr vermeiden

Die Arbeitsgruppe „Lokale Agenda“ schlägt vor, dass die Stadt – selbst wenn sie nicht als Veranstalter von großen Festen fungiert – Herr des Verfahrens bleibt, um Besucher zu lenken und überflüssigen Parkplatz-Suchverkehr zu vermeiden. Die Ideengeber empfehlen dem Rathaus vor allem, im Vorfeld von solchen großen Sausen frühzeitig und auf vielerlei Wegen – Flyer, Internet, Pressemitteilung, soziale Medien – zu kommunizieren, dass der öffentliche Nahverkehr zur Anreise empfohlen wird und für den Individualverkehr nur begrenzte Stellplatzkapazitäten bereitstehen.

Es muss Alternativen geben, um auf die Auto-Anreise zu verzichten

Laut der Lokalen Agenda werden Gäste erst dann auf die Anreise mit dem Auto verzichten, wenn es einen adäquaten Ersatz gibt, um den Veranstaltungsort zu erreichen. Für diese Fälle hat die Arbeitsgruppe mehrere Vorschläge. 

Erstens stellt das Fahrrad im veranstaltungsnahen Bereich eine Alternative zum Auto dar, wobei Elektroantriebe die Reichweite erheblich erhöht haben. Wenn Pirna nahe der Veranstaltungsorte genügend Abstellmöglichkeiten für Räder schafft, könnte dies den Autoverkehr reduzieren.

 Zweitens sollte im Stadtbussystem die Möglichkeit geschaffen werden, dass zumindest die Pirnaer die Veranstaltungen per Bus erreichen können. Dafür müssten beispielsweise zum Veranstaltungsbeginn sowie zum Ende zusätzliche Busse eingesetzt sowie die Verkehrszeiten der Stadtbuslinien verlängert werden. 

Drittens könnten mit einem Shuttlebus-System Anreisende aus allen Richtungen aufgefangen werden. Als Auffangparkplätze sollten folgende Areale in Betracht gezogen werden: Aus Richtung Norden der Parkplatz am Copitzer Kaufland oder der Parkplatz am VfL-Stadion, aus Richtung Westen die freien Flächen im Gewerbegebiet „An der Elbe“, aus Richtung Süden der Innenhof am DDR-Museum an der Rottwerndorfer Straße, aus Richtung Osten der Parkplatz am Kaufland Sonnenstein sowie das Parkhaus am Landratsamt. Der Lokalen Agenda ist aber auch bewusst, dass einige dieser Alternativen vor allem an Sonnabenden nicht funktionieren, weil die Areale von den Eigentümern selbst benötigt werden. Für Veranstaltungen am Sonntag könnten diese Vorschläge aber einen praktikablen Lösungsansatz darstellen.

Weitere Flächen sollen geprüft werden, ob Kapazitäten frei sind

Auf Vorschlag der Lokalen Agenda sollte Pirna prüfen, ob weitere Stellflächen verfügbar sind, die von den Betreibern oder Eigentümern an den Wochenenden nicht benötigt werden. Dies betrifft unter anderem Parkmöglichkeiten an der Seminarstraße – beispielsweise an der Turnhalle des Schiller-Gymnasiums oder an der Arbeitsagentur – sowie das Parkhaus des Landratsamtes gegenüber dem Amtsgericht. Bis zu einer baulichen Nutzung des alten OVPS-Geländes an der Clara-Zetkin-Straße sollte auch hier eine innenstadtnahe Parkmöglichkeit geprüft werden.

Pirna sollte mittelfristig ein Parkleitsystem installieren

Die Lokale Agenda plädiert dafür, das vorhandene statische Parkleitsystem zu überprüfen, ob es noch eindeutig und verständlich ist. Überdies könnten die ausgeschilderten Parkhäuser und Parkplätze nummeriert werden, um den Suchverkehr zielgerichtet zu lenken. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, ein dynamisches Leitsystem einzurichten – das auf Anzeigetafeln die Zahl der Parkplätze und die der freien Stellflächen ausweist.

Parkgebühren sollten künftig gestaffelt werden

Auch regt die Lokale Agenda an, die im Verkehrsentwicklungsplan 2030 vorgeschlagene Erhöhung und Staffelung der Parkgebühren umzusetzen, was bislang noch nicht geschehen ist. Ziel der Preisgestaltung sollte auf alle Fälle sein, den Parkplatz-Suchverkehr konsequent vom öffentlichen Straßenraum in die vorhandenen Parkhäuser zu leiten.


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