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Wie Pirna sich einst wehrte

In der Reihe "Pirnaer Miniaturen" ist nun ein neues Heft erschienen. Autor Boris Böhm sucht darin die Spuren der Stadtbefestigung.

Neues Heft der Reihe "Pirnaer Miniaturen": Auf den Spuren einstiger Wehranlagen.
Neues Heft der Reihe "Pirnaer Miniaturen": Auf den Spuren einstiger Wehranlagen. © Thomas Möckel

Auf den Schutz ihrer Stadt legten die Pirnaer in der Vergangenheit großen Wert. Einst umgaben eine wuchtige Stadtmauer und ein breiter Stadtgraben die Stadt, in das Innere ließ sich nur schwerlich eindringen. 

Pirnas Stadtmauer wurde 1336 erstmals urkundlich erwähnt, sie war ursprünglich als 500 mal 300 Meter großes Geviert angelegt worden, musste allerdings einige Male verlegt werden. Die Mauer verband die die Stadttore geradlinig miteinander. Die mittelalterliche Stadt konnte nur durch diese Tore betreten oder verlassen werden. Pirna besaß vier Stadttore: das Elbtor an der Nordseite, das Schifftor an der Ostseite sowie das Obertor und das Dohnaische Tor an der Südseite. Die Westseite dagegen erhielt kein Tor. 

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Alle vier Stadttore waren auf die Ecken konzentriert. Zudem gab es etwa in der Mitte der nördlichen Stadtmauer noch die mit einem Turm geschützte Elbpforte. Nach 1912 von Major Friedrich veröffentlichten Untersuchungen hatte die Stadtmauer eine Höhe von zehn Meter. Oben schloss sie mit einer Brüstungsmauer ab, hinter der sich ein gedeckter Gang für die Wachmannschaften befand. Die Mauer war knapp zwei Meter breit - ein lange Zeit schier unüberwindbares Bollwerk. 

Die verlorenen Stadttore

All diese Fakten hat Boris Böhm nun zusammengetragen und aufgeschrieben. Der Historiker und Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein gab kürzlich ein weiteres Heft in der Reihe "Pirnaer Miniaturen" heraus. Es ist mittlerweile das elfte Heftchen und trägt den Titel "Mauern-Türme-Tore - Die Pirnaer Stadtbefestigung". Böhm hat sich darin erneut intensiv mit der Pirnaer Stadtgeschichte auseinandergesetzt. Auf über 60 Seiten informiert der Historiker die Leser über Bauten der Stadtbefestigung, welche neben der Burg und der späteren Festung die größten Bauwerke waren. 

Böhm widmet sich zunächst allgemein der Historie der Stadtbefestigung. Darüber hinaus beschreibt er in einzelnen Kapiteln unter anderem die verlorenen Stadttore, Tortürme und Torhäuser, den Zwinger, das Pesthaus, die Überbleibsel der südlichen Stadtmauer und den Weißen Turm. Ebenso findet sich in dem Heft ein Plan der erhaltenen Mauer- und Turmreste. Alles liest sich spannend, die Texte sind mit vielen Fakten und Quellen belegt. 

Nur noch Fragmente übrig

Allerdings gibt es auch einen kleinen Wermutstropfen: von den einst wuchtigen Wehranlagen sind nur noch einige Überbleibsel da. Vieles wurde abgebrochen, weil der ursprüngliche Zweck verloren gegangen war, weil die Stadt ständig expandierte und nach neuen Verkehrswegen verlangte. 

Böhm resümiert, dass alle Stadttore, die Torhäuser, fast alle Türme sowie etwa die Hälfte der Stadtmauer im 19. Jahrhundert vollständig abgerissen wurden. Die Stadtgräben wurden abschnittsweise zugeschüttet und an deren Stelle Grünflächen angelegt. Lediglich größere Teile der Stadtmauer blieben erhalten, indem man den Wehrgang abtrug und die verbliebenen Teile überbaute. Meist bildeten sie die Rückwand der Hofgebäude oder eine Grundstücksabgrenzung. 

Erst im Zuge der Stadtsanierung seit den 1990er Jahren, so Böhm, konnten mit erheblichem finanziellen Aufwand aus Mitteln des Städtebauprogramms Teile der Stadtmauern freigestellt und saniert werden. Das sächsische Landesamt für Denkmalpflege hat die sogenannte "Sachgesamtheit Stadtmauer und Wallanlagen" in Pirna schon vor langer Zeit unter Denkmalschutz gestellt. 

Das neue Heft der "Pirnaer Miniaturen" gibt es im Touristservice am Markt sowie in der Volksbank-Hauptgeschäftsstelle auf der Gartenstraße und in der Volksbank-Geschäftsstelle Copitz an der Hauptstraße zum Preis von 3,50 Euro.

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