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Wie riskant sind Geisterspiele in der Corona-Krise?

In der Diskussion um Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga gehen die Meinungen auseinander - Fragen und Antworten.

Fußball vor leeren Rängen, dafür mit viel Körperkontakt - kann das funktionieren?
Fußball vor leeren Rängen, dafür mit viel Körperkontakt - kann das funktionieren? © Roland Weihrauch/dpa

Von Heinz Büse

Die Bundesliga hofft, die Saison zumindest mit Geisterspielen beenden zu können. Dazu gibt es mehrere Überlegungen. Doch wie realistisch sind diese Planspiele und wie riskant wäre ihre Umsetzung? Viel wird davon abhängen, wie Virologen die Lage bewerten. Die Deutsche Presse-Agentur bat Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie in Essen, um eine Einschätzung.

Zu den von der Bundesliga geplanten Geisterspielen soll nur wenigen Menschen Eintritt in das Stadion gewährt werden. Dazu gehören Spieler, Betreuer, Medien- und Vereinsvertreter sowie Ordnungspersonal. 

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Sind 250 Menschen im Stadion vertretbar?

In diesem Punkt sieht die Fachwelt noch die geringsten Probleme - auch Dittmer: "250 Menschen in einem Fußball-Stadion zu verteilen und dabei die Abstandsregeln einzuhalten, halte ich für problemlos machbar."

Aus Sorge um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus empfehlen Mediziner derzeit einen Abstand von zwei Metern. Doch beim Fußball ist Körperkontakt unvermeidlich. 

Wie hoch ist das Infektionsrisiko im Fußball?

Diese Infektionsgefahr schätzen alle Virologen aufgrund der vielen Zweikämpfe als hoch ein. Zudem ist die Gefahr kaum zu minimieren. Fußball mit Mundschutz hält Dittmer für "nicht wirklich machbar": "Mit einem infektionssicheren Mundschutz können sie nicht lange Sport machen. Da haben sie deutliche Atemeinschränkungen. Und ein anderer Mundschutz, der nur lose vor dem Gesicht hängt und bei Zweikämpfen möglicherweise verloren geht, hilft nichts."

Profis und Betreuer sollen angeblich regelmäßig alle drei Tage auf das Corona-Virus getestet werden. Der Aufwand wäre groß. Schließlich würden bis Saisonende ca. 20.000 Tests benötigt. 

Beim Spiel können Fußballer keine Masken tragen, da sie dadurch schlecht Luft bekommen.
Beim Spiel können Fußballer keine Masken tragen, da sie dadurch schlecht Luft bekommen. © Franck Fife/AFP/dpa

Sind diese vielen Tests vertretbar?

In dieser Frage droht der Bundesliga Gegenwind. Auch Dittmer äußert Bedenken: "Wir haben keine unendlichen Testkapazitäten. Nun wollen auch die Amerikaner deutlich mehr testen und beschlagnahmen teilweise schon Testmaterial. Wir müssen unsere Tests so vernünftig einsetzen, dass sie denjenigen Personen, die sie wirklich benötigen, zugute kommen. Ich weiß nicht, ob es ethisch vertretbar ist, wenn man 20.000 Tests bei Personen durchführt, die eigentlich keine Risikogruppe darstellen und auch keine Symptome haben. Das sehe ich sehr kritisch, wenn sich die Ressourcen für die Tests nicht deutlich verbessern."

Nicht nur die Infizierten, sondern auch deren Kontaktpersonen gehören seit Wochen in Quarantäne. Das war bei Fußballern bisher nicht anders, könnte aber bei Beibehaltung dieser Praxis die Fortsetzung der Geisterspiele massiv gefährden. 

Was müsste passieren, wenn ein Spieler positiv getestet würde?

Dieses Problem könnte zur größten Hürde werden. "Wenn man 90 Minuten Fußball spielt, gibt es so viele enge Kontakte, dass man sagen müsste, dass die Personen aus der Kontaktgruppe 1 eines Infizierten - so nennt man die Gruppe mit der höchsten Gefährdung - in Quarantäne gehen. Das ist das Vorgehen der allermeisten Gesundheitsämter" kommentiert Dittmer. Er verweist auf die zuständige Behörde: "Das entscheiden in Deutschland nicht die Virologen, sondern die Gesundheitsämter vor Ort - und zwar unabhängig voneinander. Die müssen sich jeden Einzelfall genau anschauen."

Angebliche Pläne der DFL sehen vor, die Teams und alle direkt involvierten Personen über Wochen zu isolieren, um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können. 

Auch bei einem Geisterspiel wären noch viele Menschen im Stadion, unter anderem Medienvertreter.
Auch bei einem Geisterspiel wären noch viele Menschen im Stadion, unter anderem Medienvertreter. © dpa

Wären eine wochenlange Isolierung sinnvoll?

Um die Fortsetzung der Saison nicht ein weiteres Mal zu gefährden, scheint diese Maßnahme fast unvermeidbar. "Wahrscheinlich ist das der einzig gangbare Weg, um die Saison wirklich zu Ende zu spielen", sagt Dittmer. Der Virologe erinnert an die Vorgehensweise in Wuhan, wo das Virus zuerst ausbrach: "Das medizinische Personal ist in Quarantäne geschickt worden - auch die Nichtinfizierten. Die durften nur noch in Hotels übernachten und nach Dienstschluss nicht zurück zu ihren Familien." 

Problemlos sei das jedoch nicht: "Das ist ein Ansatz aus China. Ob man das in einem Land wie Deutschland durchsetzen kann, weiß ich nicht. Aber es wäre wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, um sicherzustellen, dass von außen keine Infektion in diese Gruppe hineingetragen wird."

Bei vielen Politikern und Virologen ist die Prognose eindeutig. Demnach wird es in diesem Jahr keine Fußballspiele mit Zuschauern mehr geben.

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Dittmer schließt sich der Meinung seiner Kollegen an und warnt mit eindringlichen Worten: "Nicht nur zum Fußball mit Zuschauern, sondern auch zu anderen Großveranstaltungen gibt es dazu eine Aussage der Leopoldina. Demnach können solche Veranstaltungen nicht stattfinden, bis wir einen Impfstoff haben. Ich halte diese Aussage für relativ belastbar. Das Drama, was wir in Bergamo gesehen haben und zum Teil noch sehen, wurde hauptsächlich durch ein Fußballspiel ausgelöst. Fußball vor Zuschauern ist extrem gefährlich und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass viele Tausend Menschen am Ende wie in Bergamo sterben." (dpa)

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