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Romeo und Julia in Corona-Zeiten

Konstantin und Peggy aus Dresden erwarten ihr erstes Kind, doch können sich seit einer Woche nicht in den Arm nehmen. Was tun, wenn Telefonieren nicht reicht?

Elternwerden mit Hindernissen: Konstantin trifft seine hochschwangere Peggy derzeit nur am Klinik-Balkon.
Elternwerden mit Hindernissen: Konstantin trifft seine hochschwangere Peggy derzeit nur am Klinik-Balkon. © Sven Ellger

Dresden. Die Straßen auf dem Gelände des Uniklinikums wirken an diesem Vormittag wie der Drehort eines düsteren Endzeitfilms. Der Himmel ist dunkel, einzelne Schneeflocken wirbeln umher und überall laufen Menschen mit Mundschutz schnellen Schrittes aneinander vorbei, ohne sich anzusehen.

Vorn und hinten an den Schranken der Eingänge stehen Schilder, die Besuchern und Patienten die Einfahrt verbieten. Die Vorsichtsmaßnahmen in Corona-Zeiten werden an Orten wie diesem gerade besonders ernst genommen.

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Vor Haus 21 ist auf einer Aufstelltafel zu lesen, dass in der Frauenklinik derzeit gar keine Besuche gestattet sind. Das musste auch Konstantin akzeptieren. Vor acht Tagen brachte der 36-Jährige seine Freundin Peggy hier in die Klinik. Seitdem durfte er die 31-Jährige nicht mehr in den Arm nehmen. Dabei erwarten die beiden ihr erstes Kind und er will für sie da sein. Gerade jetzt. 

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Drinnen vor der Station darf er Peggy nur durch eine Glasscheibe sehen, doch diese Möglichkeiten nutzen in diesen Tagen auch viele andere. Der Andrang ist so groß wie die Ansteckungsgefahr. Also geht Konstantin meist nur ins Gebäude, um Sachen, Zeitschriften oder mal eine Flasche Malzbier für Peggy abzugeben. Offene Lebensmittel wie Obst und Gemüse sind gerade als Mitbringsel Tabu.

Um sich weiterhin so nah wie möglich sein zu können, verlegten die beiden ihre Treffen kurzerhand nach draußen. Jeden Mittag steht Peggy nun auf dem kleinen Balkon im dritten Stock - und er unten am Zaun. "Natürlich telefonieren wir auch so sonst häufig miteinander, auch mit Video", sagt Konstantin. Bis zu zehn Mal am Tag. "Aber sich wirklich persönlich zu sehen, ist noch mal was ganz anderes."

Und so schaut er nach oben zu seiner Liebsten, wie Romeo zu seiner Julia. Zwischen ihnen blühen die Narzissen. Damit sie nicht so schreien müssen und nicht gleich jeder ihre intimsten Gespräche mithört, kommunizieren die beiden dabei über Freisprecheinrichtungen. Da Konstantin bei Apple angestellt ist, war die richtige Technik dafür Formsache. Nur die Küsschen werfen sie sich durch die Luft zu.

In der Frauenklinik am Dresdner Uniklinikum sind derzeit keinerlei Besuche gestattet.
In der Frauenklinik am Dresdner Uniklinikum sind derzeit keinerlei Besuche gestattet. © SZ/Henry Berndt

Wie so viele andere arbeitet Konstantin gerade im Homeoffice und kann sich seine Zeit frei einteilen. "Da tut es mir auch gut, mich aufs Fahrrad zu setzen und mal rauszukommen", sagt er. Aus dem Hechtviertel ist er schnell hier. Das Wetter spielt dabei keine Rolle für ihn. Auch heute bei winterlicher Kälte, Wind und Schneegriesel ist er gekommen. Wie immer wird er etwa eine halbe Stunde bleiben und seiner Freundin in die Augen schauen. Wenn auch nur aus der Ferne.

Ob er bei der Geburt im Kreißsaal dabei sein kann, das weiß bis jetzt noch niemand. Bis jetzt bietet die Uniklinik diese Möglichkeit unter bestimmten Voraussetzungen an. "Aber das kann sich auch ganz schnell ändern", sagt Konstantin. Natürlich würde er Peggy in diesem Moment gern zur Seite stehen, aber die beiden wissen, dass das nicht in ihrer Macht liegt.

"Wir bleiben einfach positiv und nehmen die Situation mit einem Lächeln", sagt Peggy. Das Paar ist sich sicher, dass ihr Kind auch jetzt schon im Bauch mitbekommt, wie es Mami geht. Stress würde also allen Beteiligen nicht gut bekommen. Deswegen heißt ihre Devise auch für die nächsten Tage: Warten, winken, wiederkommen.

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