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Wie Rothenburg zum Überflieger wird

Mehr Gäste sollen in die Stadt an der Neiße kommen. Beim Tourismus gibt‘s Schwächen. Hilfe bietet auch das Umland.

Von Katja Schlenker

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Rothenburg will es. Mehr Flair. Vor allem in der Innenstadt. Doch was ist in Rothenburg besonders? Wie können mehr Besucher in die Stadt zwischen Görlitz und Bad Muskau gelockt werden? Diese Fragen beantwortet ein neues Konzept der Kommunalentwicklung Mitteldeutschland. Damit folgt die Stadt einem neuen Trend der kleineren und mittelgroßen Städte. Denn auch Niesky hat eine ähnliche Studie in Auftrag gegeben. Jetzt steht fest: Wie in Niesky, soll auch in Rothenburg das Zentrum aufgewertet werden. Allerdings sind in der Stadt an der Neiße die Voraussetzungen andere. Die SZ gibt einen Überblick, was sich in Rothenburg verändern soll – und wo Niesky schon weiter ist.

Vorschlag 1: Eine ordentliche Touristinformation muss her

Ein offizielles Touristinformationszentrum braucht es, um in diesem Bereich in der vorderen Liga mitzuspielen. Derzeit werden Besucher im Ratskeller oder bei der Stadtverwaltung mit Informationen versorgt. Das wirkt unprofessionell, lautet das Urteil von Projektleiter Joris Schofenberg von der Kommunalentwicklung Mitteldeutschland. Zumal der Service für die Touristen schwer zu finden ist. Daher ist für Joris Schofenberg klar, der Markt braucht eine separate Touristinformation. Ein weißes i auf rotem Grund soll zum Ziel für die Stadt werden. Das wird vom Deutschen Tourismusverband verliehen und weist auf zertifizierte Informationsstellen hin.

In Niesky zum Beispiel ist die Touristinformation direkt im Museum untergebracht. Das liegt nicht nur zentral am Zinzendorfplatz, sondern ist auch im ältesten Haus der Stadt untergebracht. Die Touristinformation ist vom Deutschen Tourismusverband zertifiziert, da hier auch Unterkünfte vermittelt, Fahrräder verliehen oder Eintrittskarten für Veranstaltungen verkauft werden. In Rothenburg könnte die Touristinformation im neu eröffneten Werkstattladen des Martinshofs untergebracht werden, meint Joris Schofenberg.

Doch so einfach ist die i-Marke nicht zu bekommen. Der Deutsche Tourismusverband fordert 15 Kriterien ab. Dazu gehört unter anderem auch, dass qualifizierte Mitarbeiter Auskunft geben. Falls die Anlaufstelle geschlossen ist, sollen Informationstafeln im Stadtgebiet und am Neiße-Radweg den Besuchern dabei weiterhelfen, eine geeignete Gaststätte oder Herberge zu finden, aber auch Interessantes über die Geschichte der Stadt zu erfahren. „Dafür ist eine ansprechende Kartendarstellung mit guten Informationen nötig“, erklärt Joris Schofenberg. Vor allem am Neiße-Radweg sind solche Tafeln wichtig, um die Besucher von dort in die Stadt zu locken. Immerhin gehört der seit vielen Jahren zu den zehn beliebtesten Radwegen Deutschlands, erklärt Matthias Hoyer von der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. Und bildet damit definitiv einen touristischen Anziehungspunkt.

Vorschlag 2: Eine Kleinkunstbühne

für Rothenburg etablieren

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint, gibt es im Stadtzentrum zahlreiche Orte, an denen sich getroffen werden kann. Die Gaststätte „Preußischer Hof“ hat einen Festsaal, die Kirchgemeinde ebenso einen großen Raum und der Schlossplatz sowie die Kulturanlage bieten sich ebenfalls für Veranstaltungen an. Warum dies nicht nutzen, um eine Kleinkunstbühne im Ort zu etablieren, fragt Joris Schofenberg. „Das ist eine Chance, die keine extrem hohe Investition braucht“, erklärt der Experte. „Sondern eher Kontakte, um so etwas zu initiieren.“ Das würde Rothenburg auch von Niesky abheben. Im Bürgerhaus sind dort regelmäßig Vorträge über verschiedene Länder der Erde sowie Konzerte von City oder anderen Musikern zu hören.

Vorschlag 3: Das historische Denkmal und den Markt neu gestalten

Einst hat auf dem Marktplatz ein Denkmal in Form einer mehrere Meter hohen Siegessäule gestanden. Ungefähr an der Stelle, wo heute im Dezember der Weihnachtsbaum steht. Das Denkmal ist im Jahre 1946 abgerissen worden. Bereits vor rund sieben Jahren ist darüber diskutiert worden, ob eine Replik dieses Denkmals oder eine komplett neue Skulptur den Marktplatz attraktiver machen würde. Joris Schofenberg regt an, einen Gestaltungswettbewerb durchzuführen und dabei auch eine Kunsthochschule einzubeziehen.

Der Zinzendorfplatz in Niesky zum Beispiel ist bei einem bundesweiten Wettbewerb 1996 zu einem der zehn schönsten Plätze Deutschlands gewählt worden. Der Preis – eine wertvolle Keramikskulptur des Künstlers Friedensreich Hundertwasser – kann heute im Stadtmuseum bestaunt werden. Und noch zwanzig Jahre später sind viele Nieskyer stolz darauf, dass ihr Platz einst diesen Preis gewonnen hat. Doch der Zinzendorfplatz hat etwas, was dem Rothenburger Marktplatz noch fehlt. Wasserspiele, Pflanzen, Bänke und Ruhebereiche prägen „Nieskys Wohnzimmer“. Im Sommer hat man mitunter den Eindruck, man wäre in einem Park, aber nicht mitten in der Stadt. So wird es in Rothenburg auf dem Marktplatz wohl nie werden, weil die Architektur eine andere ist. Dennoch würden Bänke und mehr Grün dem Platz guttun. Ein Anfang wurde 2014 gemacht, als vorm Ratskeller zwei Wackeltiere zum Spielen aufgestellt worden sind.

Vorschlag 4: Die Visitenkarte

der Stadt sanieren

Viele Touristen kommen über die Staatsstraße 127 von der Autobahn 4 nach Rothenburg gefahren. Wer dann auf den Marktplatz will, muss über die Görlitzer Straße. Als Visitenkarte der Stadt bezeichnet Joris Schofenberg diese gerne. Jedoch als keine schöne. „Da waren wir uns einig, die Sanierung der Straße ist eine absolute Notwendigkeit“, sagt er. Vorbild dafür könnte die Priebuser Straße sein. Diese zeigt sich seit 2003 in völlig neuem Gewand. Wenn schon gebaut wird, soll vor allem auf Barrierefreiheit geachtet werden, beim Zugang zu den Fußwegen und den Geschäften, sagt Joris Schofenberg. Auch andere Gebäude, die die Innenstadt prägen, sollen saniert werden – falls möglich.

Im Nieskyer Zentrum hingegen ist kaum eine Ruine zu finden. Auch die Straßen, die vom Zinzendorfplatz abbiegen, sind in einem recht guten Zustand.

Vorschlag 5: Den Schlossplatz

besser nutzen

Neben der Görlitzer Straße ist auch der Schlossplatz so etwas wie ein Sorgenkind in Rothenburg. Ein Konzept, wie dieser gestaltet werden kann, gibt es bereits. Um die Innenstadt attraktiver zu gestalten, ist es unerlässlich, die Besucher auch in Richtung Stadtpark zu lenken, sagt Joris Schofenberg. Denn der ist ebenfalls eine Besonderheit in der Stadt. Beim Nieskyer Zinzendorfplatz ist das mit dem Nutzen einfacher. Mit der Staatsstraße 122 führt eine wichtige Verkehrsader mitten über den Platz.

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