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Wie Sachsen jetzt neue Arbeitslosigkeit bremsen will

Die Arbeitsagenturen ahnen, wer jetzt gefährdet ist. Doch ein Sachsenfonds soll vor allem kleinen Betrieben und Selbstständigen jahrelang helfen.

Die 6.000 Mitarbeiter in Sachsens Arbeitsagenturen und Jobcentern können von diesem Mittwoch an nicht mehr besucht werden.
Die 6.000 Mitarbeiter in Sachsens Arbeitsagenturen und Jobcentern können von diesem Mittwoch an nicht mehr besucht werden. © Larissa Schwedes/dpa

Dresden. Mehr Sicherheit in der neuen Wirtschaftskrise: Sachsens Landesregierung hat am Dienstag mit Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden über Hilfsangebote beraten. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sagte am Abend, er wolle „Freiberuflern, Selbstständigen und kleinen Unternehmen helfen, die Last zu schultern“.

Sachsenfonds geplant: Acht Jahre Kredit ohne Zinsen

Dulig will möglichst schon nächste Woche einen Sachsenfonds anbieten. Während der Bund Hilfen für große Betriebe vorbereite, müsse sich das Land um die typischen kleineren in Sachsen kümmern, sagte der Minister. Vielen werden jetzt Aufträge wegbrechen, also brauchen sie Geld: Kredite bis zu 100.000 Euro pro Betrieb sollen angeboten werden – für Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten. Das Besondere: Die Unternehmer oder Freiberufler müssen keine Zinsen zahlen, bis zu acht Jahre lang. Erst nach drei Jahren muss mit der Rückzahlung begonnen werden. „Nicht alle können die Geschäfte nachholen, die ihnen jetzt entgehen“, sagte Dulig. Die Sächsische Aufbaubank soll die Anträge bearbeiten, wie bei Hochwasser. In Sachsen gibt es rund 200.000 Selbstständige.

Arbeitsagentur: Vorbereitet auf viele Online-Anträge

Die 6.000 Mitarbeiter in Sachsens Arbeitsagenturen und Jobcentern können von diesem Mittwoch an nicht mehr besucht werden. Laut ihrem Chef Klaus-Peter Hansen werden sie „komplett neu verteilt“. Auch Berufsberater sollen nun Hilfsanträge bearbeiten – vor allem elektronisch. Hansen sagt voraus: „Letzten Endes werden viele Menschen den Weg in die Arbeitslosigkeit gehen.“ Wer jetzt in einer Umschulung ist, aber seine Bildungseinrichtung nach Schließung nicht mehr besuchen kann, wird arbeitslos. Ein möglicher Ausweg: Bildungsträger schaffen Online-Unterricht.

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