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Wie Sachsen Schulschwänzer zur Kasse bittet

Schulverweigerer müssen mit Bußgeldern rechnen. In einer Stadt in Sachsen gibt es besonders viele Verfahren.

Ein Verfahren wird eingeleitet, wenn ein Schüler fünf und mehr Tage in einem Schulhalbjahr unentschuldigt fehlt.
Ein Verfahren wird eingeleitet, wenn ein Schüler fünf und mehr Tage in einem Schulhalbjahr unentschuldigt fehlt. © dpa

Dresden. Leistungsdruck, Angst vor der Schule, Mobbing: Im vergangenen Jahr gab es in Sachsen insgesamt 6.972 Ordnungswidrigkeitsverfahren, weil die Schulpflicht nicht erfüllt wurde. Das geht aus einer Antwort von Kultusminister Christian Piwarz (CDU) auf eine Anfrage der AfD hervor. Im Jahr zuvor meldeten die Landkreise und kreisfreien Städte 7.113 Verfahren.

Am häufigsten treten potenzielle Schulverweigerer in den höheren Klassenstufen auf, so Piwarz. Besonders an den Oberschulen steigen die Zahlen. 2018 wurden 2.860 Verfahren gegen Oberschüler eingeleitet, die dem Unterricht fernblieben. An Gymnasien kommt längeres Schwänzen zwar deutlich seltener vor, allerdings steigen auch hier die Fallzahlen. Gab es 2017 noch 62 Verfahren, waren es im vergangenen Jahr schon 88. Besonders häufig wird aber an den Berufsschulen geschwänzt. Insgesamt 3.100 Anzeigen gingen gegen Berufsschüler sachsenweit ein – etwa 530 weniger als 2017.

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Nach Paragraf 61 des sächsischen Schulgesetzes ist es eine Ordnungswidrigkeit, nicht am Unterricht und an den übrigen als verbindlich erklärten schulischen Veranstaltungen teilzunehmen. Ein Verfahren wird eingeleitet, wenn ein Schüler fünf und mehr Tage in einem Schulhalbjahr unentschuldigt fehlt. 

Meist melden die Schulen den Verstoß. Die Zahl der tatsächlichen Schulverweigerer, die zumindest ein paar Tage oder stundenweise dem Unterricht fernbleiben, ist noch höher. Gegen manche Schüler gab es auch mehrere Anzeigen. Es drohen Bußgelder bis zu 1.250 Euro. Im vergangenen Jahr wurden in 5.000 Fällen Bußgelder erhoben. Sie fließen in die Haushalte der Landkreise und kreisfreien Städte, die damit etwa 720.000 Euro eingenommen haben. Das waren 100.000 Euro mehr als im Jahr davor.

Die meisten Schulverweigerer gehen in Leipzig zur Schule. Dort wurden etwa 2.280 Fälle gemeldet. Danach folgen die Landeshauptstadt Dresden und der Landkreis Zwickau. Die wenigsten Ordnungswidrigkeiten wurden im Landkreis Meißen festgestellt – 2018 gab es 138 Fälle. In diesem Jahr sind es nach Angaben des Landratsamtes allerdings schon über 199 Anzeigen.

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