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Wirtschaft

"Corona-Ferien": Das tun Sachsens Arbeitgeber

In Sachsen fällt der Unterricht aus. Die Kitas schließen wohl bald. Millionen Eltern fragen sich: Wie soll ich arbeiten, wenn meine Kinder wochenlang zuhause sind?

Viele Arbeitnehmer in Sachsen müssen ab Montag zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen. Der Schulbetrieb wird eingestellt und Kitas haben voraussichtlich nur noch wenige Tage geöffnet.
Viele Arbeitnehmer in Sachsen müssen ab Montag zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen. Der Schulbetrieb wird eingestellt und Kitas haben voraussichtlich nur noch wenige Tage geöffnet. © dpa

Für Eltern in Sachsen brechen schwierige Zeiten an. Wenn nun Schulen und Kitas wegen der Coronakrise über Wochen geschlossen bleiben, ist das für viele eine organisatorische Extremsituation. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes arbeiten bei 184.000 Kindern bis 16 Jahre beide Eltern oder das alleinerziehende Elternteil Vollzeit.

Das Bundesarbeitsministerium weist darauf hin, dass Arbeitnehmer zur Betreuung ihrer Kinder eigentlich nur kurz, also zwei oder drei Tage, ohne Lohneinbußen ihrem Arbeitsplatz fernbleiben können. Arbeitsminister Hubertus Heil appellierte daher am Sonntag eindringlich an alle Firmenchefs und Behördenleiter, zusammen mit ihren Mitarbeitern großzügige, unbürokratische und einvernehmliche Lösungen zu finden, die nicht zu Lohneinbußen führen. Wie sächsische Arbeitgeber dieser Bitte nachkommen, zeigt folgende Umfrage:

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Mit kühlem Kopf in der Corona-Krise

Die Elbe Flugzeugwerke in Dresden (EFW) mit 1.700 Beschäftigten versuchen, „bei dem Thema unaufgeregt zu sein und mit kühlem Kopf zu agieren“, sagt deren Chef Andreas Sperl. Dennoch hat der Primus von Sachsens Luftfahrtbranche einen Corona-Krisenstab eingerichtet, der die Lage täglich analysiert und reagiert - auch auf die Schulschließungen.

„Wir haben Eltern von mehreren Hundert Kindern im Unternehmen“, sagt Kay-Uwe Hörl, Leiter jener Task Force. Das Thema Kinderbetreuung sei deshalb nicht unbekannt. „Wir nehmen heute schon Rücksicht, machen Ausnahmen im Schichtsystem – etwa so, dass Mitarbeiter später kommen und früher gehen können“, sagt er. Ferner gebe es das soziale Umfeld, das mit einspringe.

„Außerdem haben wir Arbeitszeitkonten, die dank der Auftragslage gut gefüllt sind“, so der Manager, der Vertrieb, Einkauf und Personal verantwortet. Es gebe die Möglichkeit zur Gleitzeit, „und wenn jetzt Änderungen in der Urlaubsplanung gemacht werden müssen, stellen wir uns auch nicht dagegen“.

Zudem könne das tarifliche Zusatzentgelt als freie Zeit genommen werden. Mitarbeiter hätten so weitere Tage, die oft schon verplant seien. „Wir lassen zu, dass sie kurzfristig umdisponieren können“, sagt Hörl. Und wenn all das ausgeschöpft sei, „haben wir mit den angesparten Sicherheitskonten weitere Alternativen, Beschäftigte freizustellen.“ Hörl betont: „Wir stellen uns auf Schulschließungen nicht von Monaten, sondern von Wochen ein.“ Insofern sei er „guter Dinge, dass wir die Lage bewältigen können“. Die EFW sind Spezialist für Frachterumrüstung, Wartung und Reparatur. Außerdem werden auch Bodenplatten für Airbusse sowie Kabinenwände, Cockpit-Türen und Leichtbaukomponenten hergestellt. Bislang gibt es laut Sperl keine Auswirkungen durch die Corona-Epidemie auf die Produktion.

Kein Unterricht in Sachsen wegen Corona - mehr zum Thema:

Mobiles Arbeiten möglich

Bei Koenig & Bauer in Radebeul heißt es: „Wenn es Mitarbeitern nicht möglich ist, aufgrund von Schul- / oder Kita-Schließungen ihrer Kinder zur Arbeit zu kommen, besteht für sie die Möglichkeit Resturlaubs- und Urlaubszeiten einzusetzen“. Außerdem könnten die Beschäftigten Gleitzeitstunden abbauen beziehungsweise arbeitsplatzabhängig mobil arbeiten. In dem Werk des zweitgrößten Druckmaschinenbauers der Welt, früher unter dem Namen „Planeta“ bekannt, arbeiten rund 1.900 Menschen. Sie stellen unter anderem Maschinen her, mit denen Boxen für Cornflakes und Schachteln für Smartphones bedruckt werden.

Der Mikrochiphersteller Infineon mit 2.700 Beschäftigten in Dresden hat sich darauf vorbereitet, dass ein Teil der Mitarbeiter wegen der Kinderbetreuung fehlen könnte. Anders als am Münchner Konzernsitz hat Infineon am sächsischen Standort allerdings keine Kindertagesstätte, sagt Sprecher Christoph Schumacher. Doch die meisten Büroangestellten hätten Notebooks und könnten daher nach Absprache zeitweise zu Hause arbeiten. Der Zugang zum Intranet sei auch dort möglich.

Schon vor der Corona-Zeit sei ein Teil der Mitarbeiter immer mal ins „Home-Office“ gegangen. Vor allem Beschäftigte in Großraumbüros nutzten den heimischen Schreibtisch, wenn sie sich eine Zeit lang auf ein Thema konzentrieren wollten. Auch Sprecher Schumacher arbeitet derzeit von seiner Wohnung aus. Wer in der Produktion der Mikrochips arbeitet, kann dagegen „nicht seine Maschinen mitnehmen“, sagt er. Wenn Fertigungsmitarbeiter jetzt wegen Corona Kinder betreuen müssen, unterscheidet Infineon zwei Fälle: Wird die Schule auf behördliche Anordnung geschlossen, gibt es wie in anderen Krankheitsfällen eine bezahlte Freistellung von der Arbeit. Schließt eine Schule dagegen aus eigenem Ermessen, übernimmt Infineon für fünf Arbeitstage die Lohnkosten. Danach müssen die Fertigungsmitarbeiter auf ihr Urlaubs- oder Zeitkonto zurückgreifen.

Technik fürs Home-Office

Die Sächsische Aufbaubank in Dresden hat sich ebenfalls darauf vorbereitet, dass mehr Mitarbeiter zu Hause arbeiten. Die staatliche Förderbank hat nämlich ebenfalls keine Kinderbetreuung. Sprecherin Beate Bartsch sagt, ein Teil der Beschäftigten sei bereits „technisch hoch gerüstet“. Nun seien zusätzliche Laptops angeschafft worden. Die bekämen Mitarbeiter, bei denen Arbeit am heimischen Schreibtisch sinnvoll sei. Bartsch hält es für möglich, dass nun die Nachfrage nach Laptops steigt.

Die Krankenkasse IKK Classic hat rund 1.650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sachsen. Davon arbeiten in Dresden etwa 780 Beschäftigte mit mehr als 500 minderjährigen Kindern. Sie werden durch flexible Regelungen unterstützt, „die kurzfristig geprüft und zeitnah umgesetzt werden sollen“, betont Sprecherin Maren Soehring. Sofern möglich können die betroffenen Beschäftigten von zu Hause aus oder mobil arbeiten oder, um lange Wegstrecken zu vermeiden, an wohnortnähere Standorte wechseln. Darüber hinaus existiert bei der IKK Classic nach eigenen Angaben eine großzügige Gleitzeitregelung, die in der aktuellen Situation „umfassend und unkompliziert“ genutzt werden könne, heißt es.

Notfallpläne aktiviert

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Bei der Deutschen Telekom AG, die auch mehrere Tausend Beschäftigte in Sachsen hat, sind die Notfall- und Pandemie-Pläne aktiviert. Als Betreiber einer kritischen Infrastruktur sei das oberste Ziel, diese aufrechtzuerhalten. „Wir sind bestmöglich vorbereitet“, betont Husam Azrak. Das gilt auch für die Frage nach der Unterstützung von Mitarbeitern mit betreuungspflichtigen Kindern wie etwa bei der Telekom-Tochter T-Systems Multimedia Solutions GmbH. Sie hat ihren Hauptsitz in Dresden mit mehr als 1000 Beschäftigten. „In der gegenwärtigen Situation hilft es uns, dass wir bereits vor Jahren die Chancen des mobilen Arbeitens, also auch des Arbeitens von zuhause, erkannt und dies übrigens in einem Tarifvertrag festgehalten haben“, sagt Azrak. Selbstverständlich werde dieses Instrument nun verstärkt werden, wenn betriebliche und technische Gegebenheiten dies zulassen. Absprachen in den Teams und zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten seien „Voraussetzung für gutes Gelingen.“