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Leben und Stil

Wie schmeckt der neue sächsische Wein?

Felix Hößelbarth vom Radebeuler Weingut Hoflößnitz verrät, welche Weine Spitze sind und wie er im vergangenen Jahr mit ihnen gelitten hat.

„Es gibt auch Tage, an denen ich gar nichts trinke“, sagt Kellermeister Felix Hößelbarth. Der vorige Freitag gehörte sicher nicht dazu: In Coswig wurden die 2018er Weine präsentiert.
„Es gibt auch Tage, an denen ich gar nichts trinke“, sagt Kellermeister Felix Hößelbarth. Der vorige Freitag gehörte sicher nicht dazu: In Coswig wurden die 2018er Weine präsentiert. © Thomas Kretschel

Mehr als 170 Weine und Sekte des Jahrganges 2018 sind vergangene Woche erstmals auf der gemeinsamen Jungweinprobe Sachsen und Saale-Unstrut in Coswig vorgestellt worden. Und selbst die Fachwelt staunte nicht schlecht: Da ist ein Jahrgang herangereift, der seinesgleichen sucht. Die Sächsische Zeitung sprach mit Kellermeister Felix Hößelbarth vom Weingut Hoflößnitz in Radebeul, worauf sich Weintrinker freuen können – und wieso besonders hohe Qualitätsmerkmale auch besonders große Probleme bereiten.

Herr Hößelbarth, schon vor Monaten wurde für möglich gehalten, dass der Wein 2018 ein Jahrhundertjahrgang wird. Ist er es?

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Es ist auf jeden Fall ein herausragender Jahrgang, ein Ausnahmejahrgang. 2018 war alles anders als bisher. Wir hatten gerade mal die Hälfte der jährlichen Niederschlagsmenge, und es war das ganze Jahr deutlich zu warm. Ein so trockenes und heißes Jahr kannten wir in unseren Breiten noch nicht.

Wann gab es zuletzt so einen Wein in Sachsen?

2003 war er ähnlich gut. Vielleicht wird der Klimawandel uns jetzt öfter solche Jahrgänge bescheren.

Eines der wichtigen Qualitätsmerkmale ist das Mostgewicht.

Das liegt in Sachsen sonst im Durchschnitt bei etwa 75 Grad Oechsle. Der neue Jahrgang hat im Schnitt 87 Grad. 10 Grad drüber, das ist allerhand. Das kann in diesem oder jenem Wein schon zu viel sein, weil dann der Alkoholgehalt zu hoch ist und die Balance mit Fruchtigkeit, Säure und Frische verlorengehen kann. Dies auszubalancieren, war die größte Herausforderung beim aktuellen Jahrgang.

Was zeichnet den Hoflößnitzwein 2018 aus?

Wir haben ein stimmiges, fruchtiges Sortiment hinbekommen, das wir angesichts der Hitze gar nicht erwarten konnten. Zum Beispiel einen wunderbar duftigen, kräftigen Traminer oder einen aromatischen, nicht zu fetten Müller-Thurgau.

Hat der Rotwein von der Sonne mehr profitiert als der Weißwein?

Die Bedingungen für den Rotwein waren genial. Die fehlende Sonne war ja immer unser Problem. Der aktuelle Jahrgang hatte jetzt ähnliche Bedingungen, wie sie im Süden Europas, mindestens aber wie in Baden vorherrschen. Das bringt dann die kräftige rote Farbe und die Gerbstoffe. Der eine oder andere Spätburgunder mit seiner Feingliedrigkeit kann aber unter der vielen Sonne etwas gelitten haben.

Die weißen Weine, so konnte man zur Jungweinprobe feststellen, sind cremiger als bisher, vor allem die anspruchsvollen Sorten wie Scheurebe, Grauburgunder und Traminer profitierten. Stimmt der Eindruck?

Ja, durchaus – und das ist erstaunlich. Eigentlich benötigen diese anspruchsvollen Sorten den Tag-Nacht-Temperaturunterschied. Aber der war ja 2018 kaum vorhanden. Und trotzdem haben diese Weine eine toll ausgeprägte Aromatik. Selbst der Müller-Thurgau glänzt mit einem Aroma, das wir uns in den vergangenen Jahren manchmal gewünscht hätten. Das hat aber nur bei älteren Rebstöcken funktioniert, die bereits tiefe Wurzeln haben und so an das rare Wasser kamen. Junge Weinstöcke hatten Trockenstress und konnten so schöne Aromen nicht ausprägen.

Sie sind in der Höflößnitz sowohl für den Weinbau als auch den Keller verantwortlich. Wo lagen 2018 die größeren Probleme?

Im Weinbau. Wir haben mit unseren Pflanzen gelitten, fast vier Monate ohne Regen sind uns schon aufs Gemüt geschlagen. Wir mussten umdenken und uns überlegen, wie wir Wasser in die Weinberge bringen. Wir haben Triebe und Trauben rausgeschnitten, damit die anderen mehr Kraft bekommen. Jeder Weinberg brauchte ein spezielles Programm. 2018 war Kreativität und Improvisationsvermögen wie noch nie gefragt.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Ich trinke sehr gern Riesling, weil er überall anders schmeckt und ein sehr guter Indikator für Lage, Boden, Jahrgang und Anbaugebiet ist. Ich mag überhaupt Weine mit Säure und Spannung. Und ich mag die pilzwiderstandsfähigen Sorten, die wir als Bioweingut ja besonders hegen und pflegen. Zum Beispiel den Cabernet Blanc mit seiner expressiven Aromatik, der an die neuseeländischen Sauvignon Blancs erinnert. Da schmeckt man Stachelbeere und Kiwi.

Kann man Bioweine schmecken?

Das diskutieren wir immer mal wieder unter Fachleuten. Leider können wir nicht sagen, dass Biowein besser schmeckt. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht um eine bessere, nachhaltige, ressourcenschonende Herstellung des Weines.

Wo ordnen Sie die Qualität der Hoflößnitzweine im Elbtal ein?

Jetzt müsste ich mich selber loben (lacht). Ich denke, wir sind im guten Mittelfeld angesiedelt und spielen ab und zu mit einem Spitzenwein ganz vorn mit.

Und wo wollen Sie hin?

Da, wo wir gerade stehen, ist es gut. Es müssen ja nicht alle Luxus produzieren. Wir zeigen, dass wir das können, aber es ist nicht unser Schwerpunkt.

Wie wird man eigentlich Kellermeister?

Nicht selten wächst der im elterlichen Weingut auf. Ich stamme aus dem Weingut Fliegenwedel in Radebeul, das schon zu DDR-Zeiten Mitglied der Winzergenossenschaft war. Dann macht man entweder die klassische Winzerausbildung, wird Meister. Oder aber man schließt ein Studium an einer der zwei Hochschulen in Deutschland an. So habe ich es gemacht.

Kellermeister haben zwar immer den Wein um sich, arbeiten aber in kalten, eher düsteren Kellern. Stört sie das nicht?

Moderne Keller bieten durchaus vernünftige Bedingungen. Kellermeister haben heute auch viel im Labor zu tun, außerdem bin ich ja auch der Weinbauleiter und damit viel an der frischen Luft.

Muss man als Kellermeister heute Chemiker sein?

Chemie muss man draufhaben, Biologie auch. Und man sollte rechnen können. Aber man braucht auch Ahnung von der Landwirtschaft und der Lebensmitteltechnologie, sollte Traktor fahren und nachts notfalls eine Presse reparieren können. Es ist ein Beruf mit großer Bandbreite.

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Das hat mich der Arzt auch schon gefragt. Ich habe ihm gesagt, dass ich eine Flasche pro Tag nicht schaffe. Ehrlich, es gibt auch viele Tage, an denen ich gar nichts trinke. Aber richtig ist, dass man sein Produkt auch mögen und trinken sollte. Zudem bin ich Prüfer bei Landes- und Bundeswettbewerben. Da muss man das Ausspucken lernen, um auch mal 100 Weine zu testen, ohne umzufallen.

Können Sie abends noch Wein trinken?

Ich trinke abends schon gern mal ein Bier.

Das Gespräch führte Olaf Kittel

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