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Wie Schüler lernen können, wo der Hammer hängt

In den Kreis Döbeln hatten sich die Wirtschafts- und Technik-Lehrer der Regionalgruppe Leipzig bislang noch nie zum Erfahrungsaustausch verirrt. Zu Unrecht, wie die Roßweiner Mittelschullehrerin und Netzwerkkoordinatorin Elke Loske fand.

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Von Markus Tichy

In den Kreis Döbeln hatten sich die Wirtschafts- und Technik-Lehrer der Regionalgruppe Leipzig bislang noch nie zum Erfahrungsaustausch verirrt. Zu Unrecht, wie die Roßweiner Mittelschullehrerin und Netzwerkkoordinatorin Elke Loske fand. „Wir haben in Sachen Wirtschaft und Schule einiges auf die Beine gestellt“, erklärt sie. Um diese Möglichkeiten der Berufsorientierung vorzustellen, organisierte sie die gestrige Tagung beim Bildungsträger InBIT in Hartha. Für die Lehrerinnen und Lehrer aus Leipzig, Borna, Taucha und weiteren Städten gab’s eine Menge mitzuschreiben:

Lernen unter Lehrebedingungen

„Es gibt Schüler, die wissen nicht, wie man einen Hammer hält. Woher auch. Werkunterricht in Klasse fünf und sechs gibt es nicht mehr“, sagt der Leiter der Harthaer Mittelschule, Peter Silbermann. Abfinden wollte er sich mit dieser Situation nicht. Ebenso wenig wie seine Kollegen, die Stadtverwaltung und Harthaer Unternehmen. Deshalb lernen die Harthaer Mittelschüler inzwischen in Kooperation mit dem Bildungsträger InBIT „unter Lehrbedingungen“. Ab Klasse sieben dient das Lehrplanfach WTH (Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft) als Basis für berufsvorbereitenden, praktischen Unterricht. Die Schüler pflastern zur Übung Straßen, pikieren Anpflanzungen, malern, kochen und lernen auch das Hämmern. Dabei sollen sie „komplexe Zusammenhänge in der Arbeitswelt“ erkennen, erklärt Silbermann. Schlichter formuliert: InBIT und die Mittelschule machen die Jugendlichen fit für den Berufsalltag. Rund 15 000 Euro Zuschüsse hat die Stadt Hartha für das Projekt im Haushalt 2007 eingestellt.

Berufsinformationswoche

Seit 2003 organisiert der vor fünf Jahren gegründete Arbeitskreis Schule-Wirtschaft im Kreis Döbeln jährlich eine Berufsinformationswoche. „Kammern, Behörden, Lehrer und Unternehmer sitzen an einem Tisch“, erläuterte Reiner Henoch, Chef der Gruppe und Werkleiter der Firma Renz. In diesem Jahr durften Schüler in 60 Unternehmen der Region 66 Berufsbilder kennenlernen. „Das Angebot hilft Schülern und Unternehmen, die richtige Wahl zu treffen“,so Henoch. Die Berufsinformationswoche 2007 ist schon in Vorbereitung.

Soziale Kompetenz

An der Roßweiner Mittelschule können Schüler seit vergangenem Jahr ein Zertifikat „Soziale Kompetenz“ erwerben. Mittels eines einfachen Bewertungssystems sammeln sie Punkte für Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Freundlichkeit. „Vielen Schülern fehlen Normen, die sie fürs Berufsleben brauchen“, erklärt Elke Loske. Die guten Umgangsformen sollen auch den Schülern den Weg in eine Ausbildung ebnen, deren Leistungen allein nicht reichen würden. Das Zertifikat liegt den Bewerbungsunterlagen bei. Außerdem veranstaltet die Mittelschule neben den Betriebspraktikumswochen auch ein Berufsinformations-Forum. Dort berichten Schüler, die einen Ausbildungsplatz sicher haben, vor Jüngeren, wie sie das geschafft haben. Das habe mehr Wirkung als ein Vortrag vom Lehrer.