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Wie schütze ich mich vor Hitzschlag oder Sonnenstich?

Ärzte warnen vor typischen Hitzeproblemen. Doch jeder kann selbst etwas tun, um die heißen Tage besser zu überstehen.

Kein Freibad in Sicht? Der acht Jahre alte Mattis nimmt einfach den Gartenschlauch.
Kein Freibad in Sicht? Der acht Jahre alte Mattis nimmt einfach den Gartenschlauch. © dpa/Jens Büttner

In den nächsten Tagen soll es heiß und vor allem drückend schwül bleiben. Das belastet den Kreislauf. In den Notaufnahmen von Sachsen Krankenhäusern suchen deshalb vor allem ältere Menschen ärztlichen Rat. „Auch bewusstlose Patienten werden zu uns gebracht“, sagt Dr. Mark Frank, Leiter der zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt. Er und Notaufnahme-Chef Dr. Thomas Baitz vom Klinikum Chemnitz beobachten aber auch viel Achtsamkeit. Denn jeder könne selbst dazu beitragen, die Hitzetage gut und gesund zu überstehen.

Vor Sonnenstich und Hitzschlag wird gewarnt. Was sind die Unterschiede?

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Bei einem Sonnenstich hat die Wärmestrahlung der Sonne Teile der Hirnhaut oder des Gehirns gereizt. Auch eine Hirnschwellung ist möglich – besonders, wenn Kopf und Nacken längere Zeit ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind. Ein Hitzschlag hingegen entsteht durch körperliche Überanstrengung in einer heißen Umgebung. Bauarbeiter, Sportler und aktive Kinder sind besonders gefährdet.

Was von beiden ist gefährlicher?

Ein Hitzschlag, denn dabei steigt die Körpertemperatur auf 40 Grad und mehr. Das ist lebensbedrohlich. Große Anstrengung in Kombination mit Hitze kann das Temperatur-Regulationssystem des Körpers außer Gefecht setzen. Es versagt dann zum Beispiel die Schweißproduktion, die den Körper kühlen soll. Anzeichen können Krämpfe, Halluzinationen und Bewusstseinstrübung sein. Meist sind die Patienten aber nur völlig ermattet. Ihr Puls ist hoch, der Blutdruck niedrig. 

Die Haut fühlt sich heiß und trocken an wie bei hohem Fieber. Ein Übergangsstadium ist die Hitzeerschöpfung. Sie entsteht durch den Verlust von Flüssigkeit und Salzen bei ungenügendem Trinken oder zu starker körperlicher Anstrengung. Anzeichen sind eine Dehydrierung und ein Steigen der Körpertemperatur auf 37 bis 40 Grad. Auch Schwindel, Atemnot und Frösteln sind möglich.

Was kann ich bei Anzeichen für einen Hitzschlag tun?

Sofort den Notarzt rufen. Der Körper wird bis zum Eintreffen mit feuchten Tüchern gekühlt. Wichtig ist es, die Atmung und das Bewusstsein zu kontrollieren, im Notfall auch Erste Hilfe zu leisten. Ist der Patient bei Bewusstsein, darf er reichlich trinken.

Und woran erkenne ich einen Sonnenstich?

Das Heimtückische am Sonnenstich ist, dass sich die Beschwerden oft erst Stunden nach dem Sonnenaufenthalt zeigen. Anzeichen sind zum Beispiel ein hochroter Kopf, Unruhe, Kopfschmerzen oder plötzliche Ohrgeräusche. Manche leiden unter Übelkeit und Erbrechen, haben Bewusstseinsstörungen. Im Gegensatz zum Hitzschlag ist die Körpertemperatur nicht erhöht.

Was sollte ich bei einem Sonnenstich tun?

Schatten, Ruhe und Flüssigkeit sind die wichtigsten Gegenmaßnahmen. Den Kopf kühlt man am besten mit feuchten Tüchern oder einer Dusche. Der Oberkörper sollte leicht erhöht liegen, um Schwindelattacken zu verhindern. Betroffene brauchen zudem viel Flüssigkeit. Gut geeignet sind Mineralwasser oder Apfelschorle. Bessert sich der Zustand des Patienten nicht, muss er zum Arzt.

Wie verhalte ich mich bei dieser Hitze richtig?

Wer sich jetzt draußen aufhalten muss, sollte auf „innere und äußere Kühlung“ achten. Sind die Plätze im Freibad wegen der Corona-Regeln rar, kann auch ein Eimer Wasser für die Füße oder ein nasses Tuch dazu beitragen, den Kreislauf zu stabilisieren und sich abzukühlen. Unverzichtbar ist es, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen – etwa zwei Liter pro Tag, einen halben Liter mehr als sonst. 

Vor allem ältere Menschen, denen das Durstgefühl fehlt, müssen zum Trinken animiert werden. Denn zu wenig Flüssigkeit kann den Kreislauf belasten. Wenn es vor den Augen flimmert, sollte man sich schnell hinsetzen oder besser hinlegen und die Beine hoch lagern. Die Mittelmeerbewohner gehen mit richtigem Beispiel voran: Sie halten Siesta in der heißesten Tageszeit.

Darf ich bei Hitze Sport treiben?

Etwas Bewegung ist auch an heißen Tagen gut. Doch sollte man maßvoll vorgehen. Am Mittag und Nachmittag ist es meistens am wärmsten. In dieser Zeit sollte Sport tabu sein. Am besten eignen sich der frühen Morgen und der späte Abend. Auch hier gilt: Trinkflasche nicht vergessen.

Wie bekomme ich die Wohnung kühler?

„Wo die Sonne drauf scheint, Rollläden runter. Da wo Schatten ist, Rollläden hoch und Fenster auf, damit Luft in die Räume kommt“, so Mediziner Michael Fink. Rollläden lassen bis zu 75 Prozent, Rollos und Plissees nur zu 25 Prozent der Hitze draußen, haben Baufachleute ermittelt. Wer keine Außenjalousien anbringen kann, sollte zumindest auf helle und nach außen hin silbrige Rollos setzen. Auch selbstklebende Folien könnten hilfreich sein. 

Um Räume schneller herunterzukühlen, sorgen feuchte Laken direkt vor dem Fenster oder auf einem Wäscheständer im Raum für Verdunstungskälte. Luftbewegung, etwa durch einen Ventilator, beschleunigt den Prozess. Klimaanlagen sind in diesen Tagen ein Segen, doch sollte man sie nicht zu kalt einstellen. Viele seiner Patienten erkälteten sich derzeit durch die Klimaanlage im Auto, wie Fink erzählt. Ein Schal oder ein Tuch vor der Brust könnten schützen.

Dachgeschosswohnungen heizen sich besonders auf. Kann ich von meinem Vermieter ein Klimagerät fordern?

Nein, darauf haben Mieter keinen Anspruch, erklärt der Eigentümerverband Haus & Grund. Der Vermieter kann aber verpflichtet sein, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um die Wohnung in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Welche, darüber kann er frei entscheiden. Er muss selbst dann nicht zustimmen, wenn der Mieter die Kosten für den Einbau einer fest installierten Klimaanlage übernimmt. Das Aufstellen einer mobilen Anlage ist jedoch zu dulden.

Was muss ich jetzt beim Picknick und Grillen beachten?

Die Hitze bietet Keimen ideale Vermehrungsbedingungen. Durchfallerkrankungen können die Folge sein. Bis Ende Juli wurden zum Beispiel in Sachsen 2.300 Infektionen mit Campylobacter und 430 mit Salmonellen gemeldet. Was davor schützt sind strenge Sauberkeit, richtige Lebensmittellagerung und gutes Durchgaren. So erkennt man gares Fleisch: Der austretende Saft ist klar, Geflügel wird weißlich, Schwein graurosa und Rind graubraun. Durcherhitzter Fisch ist nicht mehr glasig und lässt sich leicht zerteilen.

Auch tiefgefrorene Beeren sollten vor dem Essen erhitzt werden. Da sich manche Erreger auch in Rohmilchprodukten finden, sollten Schwangere, kleine Kinder, alte Menschen oder Immungeschwächte darauf lieber verzichten. Ebenso gehören bei ihnen nur vollständig durcherhitzte Eierspeisen auf den Teller. Vor allem bei frisch geschnittenem Obst, Gemüse-, Kartoffel- und Nudelsalaten ist gute Kühlung wichtig. Sie dürfen nicht zu lange in der Wärme stehen.

Muss ich meine Medikamente jetzt anders lagern und einnehmen?

Medikamente können durch Hitze ihre Wirksamkeit verlieren. Deshalb sollten vor allem Diabetiker ihr Insulin und die Blutzuckerteststreifen nicht der Sonne aussetzen, sondern in einer Kühltasche lagern. Wer unter Bluthochdruck leidet und Medikamente dagegen einnimmt, muss möglicherweise die Dosierung anpassen, sagt Professor Dietrich Andresen, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Denn durch die Hitze weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt.

Eine normale Dosierung könnte ihm zufolge einen zu starken Blutdruckabfall nach sich ziehen. Schwindel und Übelkeit könnten die Folgen sein. Auch bei entwässernden Medikamenten, die häufig bei Herzkrankheiten verordnet werden, rät der Herzspezialist zur Vorsicht. Denn durch das Schwitzen gibt der Körper zusätzlich Flüssigkeit ab. Da kann es schnell zu viel werden. Von eigenmächtigen Dosisveränderungen rät er jedoch ab.

Viele müssen trotz Hitze arbeiten. Ab wann ist das nicht mehr zumutbar?

Jeder Arbeitgeber muss die Arbeitsplätze so einrichten, dass Arbeitnehmer bestmöglich vor übermäßiger Hitze geschützt werden, erklärt Rechtsanwalt Arndt Kempgens. So sei der Arbeitgeber angehalten, ab 26 Grad Raumtemperatur Abkühlungsmaßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel Sonnenschutz, Lüftung und Lockerung der Kleidungsregeln. Ab 30 Grad sei er dazu sogar verpflichtet. 

Steigt die Raumtemperatur über 35 Grad, sei der Arbeitsplatz nicht mehr als Arbeitsraum geeignet. Eine Ausnahme gilt, wenn der Arbeitgeber technische Maßnahmen wie Wasserschleier, Luftduschen oder persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellt. Rechtsanwalt Kempgens rät, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen. (dpa/rnw)

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