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Wie sich Corona-Infektionen in Sachsen verteilen

Sinkende Zahlen machen Hoffnung auf weitere Lockerungen. Dabei ist die Lage im Freistaat höchst unterschiedlich.

Experten gehen davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer von Corona-Infektionen in Sachsen gibt.
Experten gehen davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer von Corona-Infektionen in Sachsen gibt. © Arne Dedert/dpa

Auf einmal möchte die Landesregierung schnell zur Normalität zurückkehren – die Infektionszahlen im Freistaat würden das zulassen, heißt es. Als neuer Indikator, ob Öffnungen regional vertretbar sind, soll der Blick weg von fortlaufenden Infektionszahlen und zu Neuinfektionen der letzten Woche gelenkt werden. Ist Sachsen bereit für diese Lockerungen? Ein Überblick.

Infektionslage in Sachsen

Mit kontinuierlich steigenden Infektionsfällen, lässt sich kaum noch eine Aussage über das Infektionsrisiko der jeweiligen Regionen treffen. Aufgrund der vielen Genesungen, aber auch Todesfälle sinkt die Zahl der tatsächlich infizierten Sachsen. So scheinen tatsächlich nur noch leicht über 400 Sachsen infiziert zu sein – Tendenz sinkend. Regional lässt sich diese Zahl allerdings nicht herunterbrechen, da mehrere Landkreise gar keine genesenen Patienten erfassen. Besonders aussagekräftig wären diese Zahlen sowieso nicht.

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Einmal, weil man sich bei der Anzahl auf Schätzungen verlassen muss: Allerdings seien die Genesungszahlen ziemlich belastbar, erklärt der Leipziger Infektiologe Christoph Lübbert. Die wirkliche Unsicherheit gehe von der Dunkelziffer aus, die bei einem neuen Virus nur in einem sehr breiten Spektrum angegeben werden kann. Das gilt ganz besonders für das Coronavirus. „Selbst im hohen Alter kann es sein, dass bei einer Covid-19-Erkrankung gar keine starken Symptome auftreten, obwohl gerade hier schwere oder gar tödliche Verläufe zu befürchten sind.“ 

Nach den bislang vorliegenden Studien könne sogar davon ausgegangen werden, dass 15 bis 56 Prozent aller Erkrankungen ohne erkennbare Symptome verlaufen. Realistisch geschätzt liege die Dunkelziffer in Deutschland mit regionalen Unterschieden zwischen zwei und zehn. Was im Extremfall bedeuten wurde, dass auf jeden Infizierten zehn weitere kommen.

Der neue Brennpunkt

Das Coronavirus kam wohl mit dem Reisebus von Italien Richtung Pirna. Allerdings entwickelte sich vor allem der Landkreis Zwickau schnell zu einem kleinen Epizentrum und überholte mit seinen Infektionszahlen sogar Leipzig. 

Mittlerweile infizieren sich Woche für Woche immer weniger: Während sich in den letzten zwei Wochen im März nachweislich 325 Menschen im Landkreis Zwickau infizierten, waren es in den letzten zwei Wochen nur noch 68. Dass sich die Infektionsrate langsam an den sächsischen Durchschnitt angleicht, liegt für Landrat Christoph Scheurer (CDU) maßgeblich an einer sorgfältigen Nachverfolgung der Infektionsketten. Das Gesundheitsamt hätte für diese Aufgabe schnell personelle Unterstützung bekommen.

Während sich das Infektionsgeschehen in Zwickau in eine gute Richtung entwickelt, wachsen die Infektionszahlen im Vogtlandkreis proportional am schnellsten. In erster Linie lasse sich schnelle Anstieg auf Infektionshäufungen in Krankenhäusern zurückführen. Insgesamt gab es in den letzten sieben Tagen auf 100.000 Einwohner gerechnet über 23 Neuinfektionen – bei derzeit 178 akuten Erkrankungen. Diese Zahl ist zwar noch weit von den 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner entfernt – bei der die sächsische Landesregierung regional beschränkt wieder die Notbremse ziehen möchte – gilt es aber im Auge zu behalten.

In Leipzig scheint es eine gegensätzliche Entwicklung zu geben. Um hier der Dunkelziffer auf die Spur zu kommen, führt das Uniklinikum seit Anfang April bei allen neuen Patienten ein Aufnahmescreening auf Sars-CoV-2 durch. Mittlerweile wurden etwa 3.000 Patienten untersucht – kein einziger positiv. „Ein ähnliches Bild hat eine Pilotstudie in Altenheimen geliefert. Es spricht also viel dafür, dass das Virus in Leipzig momentan nicht im großen Maßstab zirkuliert.“ In ganz Sachsen ist die Verdopplungsrate von 2,4 Tagen am 20. März auf 35 Tage angestiegen.

Warnung vor Leichtsinn

Zahlen, die Hoffnung machen – aber ohne Reise- und Kontaktbeschränkungen gar nicht möglich wären: „Solange es eine hohe Dunkelziffer gibt, lässt sich eine Epidemie in einer Periode hoher Neuansteckungen nur mit Allgemeinmaßnahmen herunterbremsen. Das hat auch sehr gut funktioniert und davon profitieren wir jetzt: Zwar liegen die Zahlen nicht bei null; sind aber sehr, sehr niedrig, obwohl schon wieder gelockert wird“, verdeutlicht Lübbert. Doch es gibt in Sachsen auch Regionen, da ist diese Entwicklung überhaupt nichts Neues – umso schwerer fällt es, nicht gleich leichtsinnig zu werden.

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In Geithain, im südlichen Landkreis Leipzig, gab es unter den 6.000 Einwohnern noch gar keine nachweislichen Infektionen: „Gerade für unseren ländlich geprägten Raum lässt es sich richtig schlecht erklären, warum solche Auflagen nötig sind“, so Bürgermeister Frank Rudolph. 

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