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Wie sich Dynamo in die zweite Runde quält

Die Dresdner gewinnen im DFB-Pokal gegen Dassendorf klar mit 3:0, überzeugen können sie dabei aber nicht. Die Analyse – jetzt mit den Stimmen der Trainer.

Jannis Nikolaou (r) gegen Dassendorfs Mattia Maggio.
Jannis Nikolaou (r) gegen Dassendorfs Mattia Maggio. © Robert Michael/dpa

Puh, geschafft! Durchatmen bei Dynamo.

Die Dresdner haben die zweite Runde im DFB-Pokal erreicht, der Sieg gegen den Hamburger Oberligisten TuS Dassendorf wurde mit dem 3:0 aber erst am Ende deutlich. Immerhin gibt es nun zu den 175.500 Euro für die Teilnahme noch mal 351.000 Euro dazu. Vielleicht fehlt ja gerade die Summe, um den neuen Stürmer zu verpflichten. Das neueste Gerücht kommt aus Schweden und ist wohl nicht ganz abwegig: Alexander Jeremejeff, 1,92 Meter, vom BK Häcken soll eine Ausstiegsklausel in Höhe von einer Million haben.

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Fünf Fragen und Antworten – die erste Analyse zum Spiel:

Wie kam der klare Erfolg letztlich doch zustande?

Die Dresdner spielen meist bis an den Strafraum, zu selten geht der Ball rein. Die Szene in der 37. Minute ist eine Ausnahme, weil sich Chris Löwe im Doppelpass mit Dzenis Burnic durch kombiniert und nach einer Körpertäuschung mit einem Schlenzer vollendet. Das 1:0 ist eher erlösend als verdient.

Im Hälfte zwei – so schimpft ein neutraler Zuschauer auf der Tribüne – verwalten sie den knappen Vorsprung. „Schlafwagen-Fußball“ nennt er das – bis René Klingenburg mit einem Schuss aus 18 Metern für einen Hallo-wach-Moment sorgt (gehalten – 64.). Dassendorf hat weiter wenig Mühe, dagegenzuhalten, ist aber seinerseits ebenso wenig zwingend. Als bei den Amateuren offenbar doch die Kräfte schwinden, kommt erst Löwe frei zum Schuss (knapp vorbei/72.), dann Burnic – und der trifft zum 2:0 (75.). Genau wie gut eine Minute später der eingewechselte Lucas Röser. Das 3:0 bedeutet die Entscheidung.

Bilder vom Spiel

Dynamos Fans zünden Nebeltöpfe. 
Dynamos Fans zünden Nebeltöpfe.  © dpa/Robert Michael
Cristian Fiel (l), Trainer von Dynamo Dresden, begrüßt Jean-Pierre Richter, Trainer von TuS Dassendorf. 
Cristian Fiel (l), Trainer von Dynamo Dresden, begrüßt Jean-Pierre Richter, Trainer von TuS Dassendorf.  © dpa/Robert Michael
Dassendorfs Torwart Christian Gruhne kann das Tor zum 0:1 nicht verhindern.
Dassendorfs Torwart Christian Gruhne kann das Tor zum 0:1 nicht verhindern. © dpa/Robert Michael
Sascha Horvath (l) gegen Dassendorfs Henrik Dettmann (M) und Maximilian Dittrich.
Sascha Horvath (l) gegen Dassendorfs Henrik Dettmann (M) und Maximilian Dittrich. © dpa/Robert Michael
© dpa/Robert Michael
Chris Löwe (2.v.l) jubelt nach seinem Tor zum 0:1 mit seinen Mitspielern Moussa Kone (l-r), Dzenis Burnic, Niklas Kreuzer und Sascha Horvath. 
Chris Löwe (2.v.l) jubelt nach seinem Tor zum 0:1 mit seinen Mitspielern Moussa Kone (l-r), Dzenis Burnic, Niklas Kreuzer und Sascha Horvath.  © dpa/Robert Michael

Wie zeigt sich der Klassenunterschied bis zum Führungstor?

Wenn nicht die einen ein weißes und die anderen ein gelbes Trikot tragen würde, wäre nicht zu erkennen, wer der Zweit- und wer der Fünftligist ist. Im Zweikampfverhalten sind die Dassendorfer nicht nur ebenbürtig, sondern entschlossener. Auch die taktische Ordnung beim Außenseiter passt, wenngleich er offensiv genauso selten gefährlich wird wie der Favorit. So ist es ein Sommerkick mit wenigen Höhepunkten.

Den Lupfer von Moussa Koné in die Arme von TuS-Torwart Christian Gruhne (16.) kann man ebenso wenig als solchen bezeichnen wie seinen Fallrückzieher quer zum Tor (36.).

Wie einfallslos die Dresdner nach vorn spielen, beweist ein Fernschuss von Florian Ballas aus 30 Meter. Der Verteidiger hatte vermutlich die Nase voll vom Drumherumspielen (31.). Die besseren Chancen haben sogar die vermeintlichen Gastgeber, weil Dynamo im Mittelfeld zu schlampig agiert und den Ball oft verliert wie Klingenburg in der 22. Minute. Torwart Kevin Broll pariert gegen Sven Möller. Kurz danach blockt Ballas einen Schuss von Pascal Nägele vor der Linie.

Mit welcher Einstellung sind die Dresdner in die Partie gegangen?

Im Presseraum wird kurz, aber heftig diskutiert über die Ansage. Eine bessere Motivationsvorlage, meinen die Berichterstatter aus Dassendorf, könne man nicht liefern. Dabei hatte Dynamos Trainer Cristian Fiel doch nur gesagt, was er sagen musste: „Dass wir der haushohe Favorit sind, ist vollkommen klar.“ Und seine Kampfansage hatte er vorher mit einigen Warnungen vor dem Fünftligisten relativiert. Bis er endlich auf die achtundneunzigste Nachfrage erklärt hat: „Es gibt keine Zweifel daran: Wir fahren nach Zwickau und kommen eine Runde weiter.“

Trotzdem kann man anfangs an der richtigen Einstellung seiner Spieler zweifeln. Sie gehen die Sache, positiv formuliert, kontrolliert an. Fiel wird deshalb in der Pressekonferenz danach deutlich: "Phasenweise musste man denken, dass wir zu viele auf dem Platz hatten, die dachten, das geht schon irgendwie. Es geht nie irgendwie." Die Spieler erklären es eher mit dem angeknacksten Selbstvertrauen und dem Druck, unbedingt eine Blamage vermeiden zu wollen.

Wie hat Fiel personell auf den Fehlstart in der Liga reagiert?

Fünf Positionen in der Startelf hat der Trainer neu besetzt. Im Gegensatz zur 2:4-Schlappe in Karlsruhe beginnt mit Koné ein Stürmer, keine „falsche Neun“. Außerdem sind mit Ballas (1,96 Meter) und Klingenburg (1,90) zwei größere Spieler von Anfang an dabei. Sie bringen zugleich mehr Erfahrung mit als die 18 Jahre alten Talente Kevin Ehlers und Matthäus Taferner, die dafür zunächst draußen bleiben. Eine wirkungsvolle Maßnahme, denn vor allem Ballas sorgt defensiv für Lufthoheit. Wieder drin sind auch Niklas Kreuzer und Chris Löwe auf den Außenbahnen.

Fiel hatte bereits vorher erklärt, auf einen Torwartwechsel, der im Pokal durchaus üblich ist, zu verzichten. Broll steht also zwischen den Pfosten, auf der Bank sitzt Patrick Wiegers, der sich als Ersatzmann mit Tim Boss abwechselt.

Wie war die Stimmung in der Zwickauer Arena?

5.673 Zuschauer sind in Zwickau dabei. Dorthin hat Dassendorf sein Heimspiel verlegt. Von Feuerwerk und schwarzem Rauch im gelben Dynamo-Fanblock zu Beginn abgesehen, herscht zumindest auf den Rängen so etwas wie Pokal-Atmosphäre. Der Dorfverein hatte etwa 300 Anhänger mit zum „Heimspiel“ in Zwickau gebracht, einige begrüßten den Mannschaftsbus am Stadiontor mit wehenden Fahnen. Durchaus ein Zeichen: Wenn wir schon ausscheiden sollten, dann …

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Die Selbstironie, mit der sie ihren Auftritt auf der großen Pokalbühne zelebrieren, klingt in der Vereinshymne mit: „Ich will’s mal einfach sagen, Männer: Wir sind geil … Fußball-Könige auf Malle und im Stadion, bei Sonne und auf Schnee.“ Zu feiern hatten letztlich alle etwas: die einen den Sieg, die anderen ihre Mannschaft für die hartnäckige Gegenwehr.

Das sagen die Trainer nach der Partie

Cristian Fiel, Dynamo Dresden: "Ich gratuliere den Dassendorfern zu einem Pokalfight, den sie uns geliefert haben. Sie haben es uns vor allem in der ersten Halbzeit sehr schwer gemacht. Phasenweise musste man denken, dass wir zu viele auf dem Platz hatten, die dachten, das geht schon irgendwie. Es geht nie irgendwie. Da hatte Dassendorf die größeren Chancen, hätte sogar in Führung gehen können. Da müssen wir uns bei Kevin Broll bedanken, der es sehr gut gemacht hat. das Tor hat uns etwas Ruhe gegeben, in der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht. Wichtig war, dass wir weiterkommen. Darüber sind wir froh. Ich hoffe, dass die Jungs Selbstvertrauen mitnehmen. das werden wir brauchen in den nächsten Wochen. Wir haben noch viel zu tun. Das wussten wir vor dem Spiel aber auch."

Jean-Pierre Richter, TuS Dassendorf: "Es ist die größte Anerkennung, die man einer Oberliga-Mannschaft machen kann. Vielen Dank! Dank gilt dem FSV Zwickau, aber auch unserem Verein, die es möglich gemacht haben, dass wir diese Bühne so nutzen konnten. Es war in den vergangenen Wochen eine stetige Steigerung an Emotionen, diese Motivation mit Leidenschaft ins Spiel zu tragen - das werden wir spätestens morgen in Stolz umwanden. Jetzt ist noch ein bisschen Frust da, dass wir keinen eigenen Treffer erzielen konnten. Die Mannschaft hat die Aufgabe angenommen, wir waren gut vorbereitet, haben versucht, einer spielstarken, technisch versierten Mannschaft viel abzuverlangen. Wir hatten unsere Möglichkeiten vor allem in der ersten Halbzeit, am Ende haben wir etwas zu deutlich verloren. Wir haben uns als Verein, als Mannschaft und auch Hamburg sehr ordentlich vertreten im DFB-Pokal."

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Der Spruch des Tages

Jan Schönteich, Sportchef der TuS Dassendorf bei der Pressekonferenz zu Cristian Fiel:

"Das war der größte Schritt für Euch auf dem Weg nach Europa, ab jetzt wird es leichter.. Wir werden das beobachten."

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