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Wie sich in Stolpen das Schicksal Europas entschied

Vor 200 Jahren quartierte sich Napoleon in Stolpen ein. Eine Ausstellung im Heimatmuseum erinnert an diese Zeit.

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Von Marit Behner

Dass die Region rund um Stolpen geschichtsträchtig ist, wird die Wenigsten überraschen. Dass sich jedoch das Schicksal Europas vor den Toren der Burgstadt mit entschieden hat, wissen nur wenige. Um diesen Teil der Stolpener Geschichte etwas bekannter zu machen, bereitet Bernd Schaller für das Heimatmuseum Stolpen eine Ausstellung zum Thema „1813 – als sich Welt- und Heimatgeschichte in Stolpen kreuzten“ vor.

1813 kehrte Napoleon von seinem Russlandfeldzug zurück. Über das Jahr hinweg schlagen er und seine Verbündeten einige Schlachten, die später als Befreiungskriege in die Geschichte eingehen. Ende August 1813 hat sich der Heerführer in Stolpen im Amtshaus einquartiert und erteilt von dort die Befehle, die zu seiner letzten siegreichen Schlacht auf deutschem Boden führen sollen.

Für die Stolpener ist dies keine glorreiche Zeit. Die Soldaten in den Heerlagern fügten den Bewohnern fiel Leid zu, raubten Nahrung und Material und quartierten sich in den Wohnzimmern ein. Diese Zeit nahm Bernd Schaller zum Anlass, seine Ausstellung zu Napoleon und seinem Wirken in Stolpen in die Tat umzusetzen. Begonnen hatte Bernd Schallers Arbeit bereits 1995, als er mit Kindern des Ulbersdorfer Kindervereins eine Geschichtsexpedition unternahm. Damals folgten die jungen Forscher den Spuren Napoleons in der Gegend und stellten Szenen aus der Zeit spielerisch dar. Diese Expedition legte den Grundstein für Bernd Schallers Forschungen: „Wenn du zwei Wochen lang mit Kindern forschst, musst du einfach auch etwas wissen.“ Vieles von seinem Wissen eignete sich der Stolpener über seine historische Darstellergruppe, die „Garnisonshandwerker“ an, die damals zusammen mit den Kindern gegründet wurde. Gemeinsam mit Freunden stellt Bernd Schaller bis heute auf Festen Soldaten aus der Zeit Napoleons nach. „Dabei geht es uns nicht um das Kriegspielen. Ich zum Beispiel stelle immer einen Ingenieursoffizier dar. Das waren die am besten ausgebildeten Leute in der damaligen Armee“, so Bernd Schaller. Beim Darstellen von historischen Persönlichkeiten tauscht er sich auch mit Kollegen und Spezialisten aus ganz Deutschlandaus.

Aus diesen Quellen trug Bernd Schaller die Teile seiner Ausstellung zusammen. Neben Waffen, Werkzeugen und Alltagsgegenständen aus der Zeit Napoleons werden Besucher auch jede Menge Informationen zu dessen Wirken in der Region zu sehen bekommen. „Wir stellen zum Beispiel Material zur Napoleonstraße aus. Das sind 17 Kilometer Straße, von Stolpen bis zum Lilienstein, die in nur 25 Tagen von Frauen und Kindern gebaut wurden. Und man kann noch heute darauf fahren“, sagt er anerkennend. Als besonderes Highlight der Ausstellung wird es mehrere Zinkfiguren-Dioramen geben. Die Miniaturnachbildungen werden Szenen aus dem Jahr 1813 in Stolpen darstellen. Ein Diorama wurde extra für die Ausstellung angefertigt: eine Szene, in der Napoleon sich bei einem Stolpener Schmied Waffen zeigen lässt.

Die Ausstellung „1813 – als sich Welt- und Heimatgeschichte in Stolpen kreuzten“ öffnet am 25. August im Stolpener Heimatmuseum. Dort wird sie für mindestens ein Jahr zu sehen sein. Zur Eröffnung können sie interessierte Besucher auf die historische Darstellergruppe der Garnisonshandwerker freuen.

Heimatmuseum: täglich von 14 bis 16 Uhr geöffnet.