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Wie sich Meißen um seine Asylbewerber kümmert

In Laufe dieses Jahres steigt die Zahl der Flüchtlinge in der Stadt auf mehr als 200. Es gibt für sie zu wenig Betreuer.

© hübschmann

Von Harald Daßler

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Einen zusätzlichen Job hat der Chef des städtischen Ordnungsamtes. Ab sofort ist Markus Renner auch für die Belange von Asylbewerbern zuständig. Er koordiniert die Unterbringung der Menschen, die in die Stadt kommen. Er ist auch Ansprechpartner für alle im Alltag auftretenden Fragen und Probleme – ebenso für Angebote zur Hilfe für die Asylbewerber. Darüber informierte OB Olaf Raschke am Mittwochabend im Stadtrat. Während einer Aktuellen Stunde gab es auch einen Überblick zur Situation der Asylbewerber in Meißen.

Wie viele Asylbewerber leben in Meißen und wo kommen sie her?

Derzeit sind 170 Menschen in der Stadt, die einen Antrag auf Asyl in Deutschland gestellt haben. 48 kommen aus dem russischen Sprachraum, 45 aus nordafrikanischen Ländern, 45 aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie 23 aus dem ehemaligen Jugoslawien. Etwa ein Drittel der Menschen wurde in den 80er Jahren geboren. Ein weiteres Drittel ist jünger als 15 Jahre. Darüber informierte Ordnungsamtsleiter Markus Renner.

Wie sind die Menschen in Meißen untergebracht?

Nur 32 der nach Meißen gekommenen Asylbewerber leben in einer privat betriebenen Gemeinschaftsunterkunft an der Leipziger Straße. Die andern 138 Menschen, die Zuflucht in Meißen fanden, sind in Wohnungen untergebracht, die das Landratsamt in mehreren Stadtteilen angemietet hat. Die meisten dieser Wohnungen gehören zum Bestand der SEEG.

Das städtische Wohnungsunternehmen richtet an der Rosa-Luxemburg-Straße weitere Wohnungen her, in denen im Sommer etwa 30 Menschen einziehen können. Wie Markus Renner erklärte, werde die Stadt an ihrem Grundsatz festhalten, Asylbewerber nicht in Großunterkünften, sondern dezentral in Wohnungen unterzubringen. Werden Wohnungen frei – etwa, wenn das Asylgesuch abgelehnt und die Antragsteller Deutschland verlassen – sollen sie weiteren Asylbewerbern zur Verfügung stehen.

Wie lange bleiben die Menschen in der Stadt?

Im kürzesten Fall dauert ein Asylverfahren etwa sieben Monate. Weil hinter jedem Fall konkrete Menschenschicksale stehen, kann das Verfahren einige Jahre in Anspruch nehmen. Auch deshalb sollen die Menschen, die Zuflucht in Meißen finden, „hier ins Leben integriert werden“, so OB Olaf Raschke. Er lobte das Engagement vieler Ehrenamtler, die den Neuankömmlingen beim Einleben oder beim Erlernen der deutschen Sprache helfen.

Der OB nannte es „nicht hinnehmbar“, dass nur ein Sozialarbeiter für 150 Menschen verschiedener Nationen und Sprachen zur Verfügung steht. Bund und Land müssten den Kommunen mehr helfen, damit sie für die Flüchtlinge auch eine angemessene Betreuung ermöglichen können. In Meißen steht eine Sozialarbeiterin der Diakonie als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Die Sozialarbeiterin der Stadt soll ihr zur Seite stehen – solange, bis es mehr Unterstützung für die Kommune gibt.

Wie werden die Menschen in Meißen betreut?

Nach Auskunft von Bürgermeister Hartmut Gruner hat die Stadt für neun Kinder aus Asylbewerberfamilien Kindergartenplätze in Kitas der Stadt zur Verfügung gestellt. Weitere fünf Kinder sollen demnächst einen Platz in städtischen Kitas erhalten. Damit schafft die Stadt auch Voraussetzungen, dass die Eltern an Deutschkursen teilnehmen oder – wo es möglich ist – Arbeitsgelegenheiten nachgehen können. In den derzeit in Meißen lebenden Familien gibt es insgesamt 17 Kinder, die in den Jahren 2012, 2013, 2014 geboren wurden. In diesem Umfang sollten zusätzliche Kindergarten-Plätze in der Stadt geschaffen werden, so der Bürgermeister.

Während des Aufenthaltes der Asylbewerber in Deutschland gilt für die Kinder die Schulpflicht. An der Grundschule auf dem Questenberg wurde eine besondere Lerngruppe eingerichtet, in der momentan 13 Kinder von Asylbewerbern Förderung sowie Hilfe beim Deutsch-Lernen erhalten sollen. Für den Oberschul-Bereich wurde ein solches Angebot an der Oberschule Coswig-Kötitz geschaffen. Wie der OB informierte, wollen Stadt und Diakonie die Questenbergschule unterstützen, u. a. durch ein neues Ganztagsangebot „Deutsch spielend lernen“ und einen gemeinsamen Elternabend für Asylbewerber, bei denen Dolmetscher zugegen sind.