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Ostritz wehrt sich gegen die Neonazis

Zum dritten Mal stellt sich die Kleinstadt gegen einen Auflauf von Rechtsextremen. Wie lange aber kann das sie das noch durchhalten?

Die Ostritzer feiern vom 21. bis 23. März wieder auf dem Marktplatz und setzen Zeichen gegen Rechts.
Die Ostritzer feiern vom 21. bis 23. März wieder auf dem Marktplatz und setzen Zeichen gegen Rechts. © Foto: Robert Michael

In der großen Cafeteria im Ostritzer Pflegestift St. Antoni ist auch der letzte Stuhl besetzt. Der Heimleiter setzt sich vorsichtig auf einen Blumenhocker. Ein Reporter vom RBB filmt mit der Videokamera. Er arbeitet an einem Dokumentarfilm für die ARD. Mehr als 20.000 Presseberichte hat es nach dem letzten Neonazi-Treffen im November weltweit gegeben. Und weltweit haben Radio- und Fernsehsender über Ostritz berichtet. Einhelliger Tenor: Ostritz wehrt sich gegen ein Nazifestival. Über die thüringische Kleinstadt Themar, in der ebenfalls immer wieder rechtsextreme Großveranstaltungen stattfinden, wird ebenso groß berichtet. Tenor: Themar, die Hochburg der Rechtsextremen.

Doch die Ostritzer  haben sich an diesem Abend nicht in der Cafeteria des Pflegestifts getroffen, um ihren medialen Erfolg zu feiern. Sie wollen sich vielmehr fragen, wie lange so eine kleine Stadt das überhaupt noch aus- und durchhalten kann. Schon sind wieder zwei rechtsextreme Großveranstaltungen auf dem Hotelgelände an der Neiße angekündigt: ein Rockkonzert im März und das nächste "Schild-und-Schwert"-Festival im Juni. Die Ostritzer können nichts dagegen tun, dass der Unternehmer Hans-Peter Fischer aus Hessen seine schlecht laufende Immobilie an der Neiße für die Neonazi-Feste vermietet. 

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Aber sie können wenigstens dafür sorgen, dass die Rechtsextremen von dem Hotelgelände nicht herunterkommen. "Wir brauchen doch hier keinen braunen Fackelumzug durch die Stadt, das wäre doch fürchterlich", sagt jemand. Und darin sind sich an diesem Abend alle einig  - auch die Skeptiker: Ostritz muss weiter durchhalten. Wie auch immer. Die Plätze in der Stadt sollen geschützt bleiben. Dem angekündigten braunen Rockkonzert am 23. März werden die Organisatoren wieder ein großes, buntes Friedensfest auf dem Marktplatz entgegensetzen. Es wird wieder ein gewaltiger Kraftakt, den viele freiwillige Helfer stemmen. 

Aber im Raum steht die Frage, ob das nun jedes Mal so groß zu stemmen ist, wenn Hans-Peter-Fischer gerade sein Hotelgelände vermietet. Muss sich die Stadt von den Rechten die Termine diktieren lassen? Muss sie sich jedesmal in ihrem  Alltag, im Vereins- und Geschäftsleben einschränken lassen? "Das geht doch nicht", sagt beispielsweise Karin Müller-Weichenhain von der Fleischerei Müller direkt am Marktplatz. Der kleine Laden braucht nun mal den Hauptumsatz am Wochenende, der nicht kommt, wenn alle Zufahrten gesperrt sind. Veranstaltungen wie das große Friedensfest polarisieren. Nicht alle Ostritzer können sich mit so einer großen "Gegenveranstaltung" und riesigem Polizeiaufgebot anfreunden. Auch deswegen sind sie an diesem Abend gekommen. Und sie diskutieren lange und angeregt.

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Am Ende werden auch die Kritiker die Cafeteria zufrieden verlassen. "Es war gut, dass wir mal drüber geredet haben", sagt Karin Müller-Weichenhain. Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos), die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Polizei-Einsatzleiter Holger Löwe haben sich viele Notizen gemacht. Die Einschränkungen für die Anwohner und Gewerbetreibenden werden sich minimieren. Und am Wochenende des rechten "Schild und Schwert"-Festivals im Juni wird es kein Friedensfest geben. Für dieses Wochenende nämlich bereitet der Ostritzer Ballsport-Club schon seit zwei Jahren sein großes Fußballfest zum 100-jährigen Bestehen vor. Das wird auf jeden Fall stattfinden. Und die Friedensfest-Organisatoren werden die Fußballer mit Kräften unterstützen.

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