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Wie sich Schüco gegen die Solarflaute wehrt

Im Großröhrsdorfer Werk laufen täglich bis zu 1400 Module vom Band. Für den Weltmarkt.

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Von Reiner Hanke

Schwarze Schuhabdrücke zeichnen sich auf dem blitzeblank gewienerten grauen Beton ab. Der gehört zur Werkshalle des Solarherstellers Schüco TF in Großröhrsdorf – nur die Tapsen nicht. Prof. Dr. Helmut Stiebig entgehen sie natürlich nicht. Er ist Geschäftsführer der Schüco TF GmbH. Sein Blick verfinstert sich etwas. Aber eine Reinigungsmaschine rauscht auch schon heran. Makellose Solarmodule verlangen perfekte Sauberkeit. Aber an diesem Tag ruht die Produktion. Die Anlagen werden gewartet und Testreihen gefahren.

Vor einem Jahr startete das Großröhrsdorfer Solarwerk wieder mit der Produktion nach dem Stillstand durch die Pleite des Vorgängers. Aus Sunfilm wurde Schüco. Großröhrsdorf nimmt im Firmenverbund des weltweit tätigen Konzerns eine wichtige Funktion ein. Hier werden nicht nur Solarmodule produziert, sondern auch Neuentwicklungen aus den Labors am Bielefelder Stammsitz des Konzerns dem harten Praxistest unterzogen. Prof. Stiebig ist zugleich Chef des Schüco Forschungszentrums „Malibu F&E“. Das Zusammenspiel mit der Praxis in Großröhrsdorf will der Professor dieses Jahr vorantreiben, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Dafür investiert der Konzern viel Geld in Großröhrsdorf. Mit genauen Zahlen sind die Bielefelder zurückhaltend. Im zweistelligen Millionenbereich liege man 2011/12.

Wie ist die Lage des Unternehmens?

„Wir haben unsere Ziele erreicht“, sagt Prof. Stiebig. 1,4 Quadratmeter misst das gängige Modul. 1500 sollten im Tagesdurchschnitt vom Band laufen. Bis zu 1400 seien es gewesen. Damit könnte man knapp 20000 Haushalte mit Strom versorgen. Dieses Jahr soll es „noch einmal deutlich mehr“ werden, sagt Stiebig: „2011 war für die Solar-Branche in Deutschland ein schlechtes Jahr.“ Großröhrsdorf sei mit einem blauen Auge davongekommen. Er lobt die Teamleistung: „Leider hat uns die Marktlage etwas die Freude genommen. Einen solchen Einbruch habe ich nicht erwartet.“ Auch der geplante Atomausstieg in Deutschland habe nicht den erhofften Schub gebracht.

Wie sind die Aussichten

für das laufende Jahr?

Kaum besser als 2011. Im Vorjahr sei der Preis für Solarmodule um 30Prozent gefallen. Um die Firmenziele zu erreichen, so Helmut Stiebig, müsse die Leistung der Anlage in Großröhrsdorf steigen. Deshalb werden Forschung und Entwicklung vorangetrieben. Höhere Stückzahlen seien die eine Seite. Parallel werde an der Beschichtung geforscht, um mehr Energie aus dem Sonnenlicht zu gewinnen.

Kann sich der Standort trotzdem behaupten?

Die Chance für Großröhrsdorf liegt im Verbund der großen Schücofamilie, ist sich Prof. Dr. Helmut Stiebig sicher. So kann der Standort auch in den schwierigen Zeiten von den Vertriebskanälen und dem Erfindungsreichtum des Konzerns profitieren. Dazu gehört ein spezielles Stecksystem für Solaranlagen auf Flachdächern. Der Trend zu großen Freiluftanlagen sei vorerst vorbei.

Wo investiert Schüco derzeit am Standort Großröhrsdorf?

Es entsteht ein weiteres Produktionsgebäude. Das wird die Baulücke ausfüllen, die ursprünglich von Sunfilm für ein mehrstöckiges Verwaltungsgebäude reserviert war. Stattdessen baut das Unternehmen eine Anlage für die Produktion eines klimafreundlichen Fluor-Gases. Das Gas wird in der Produktion zur Reinigung der Photovoltaikmodule gebraucht und verbinde den Umweltaspekt mit dem wirtschaftlichen. Der Reinigungsprozess werde verkürzt und Energie gespart. „Es ist eine Weltneuheit. Wir wollen die Ersten sein bei den Tandem-Dünnschichtmodulen, die das Verfahren anwenden“, so Prof. Stiebig. Im Frühjahr sollen die Bagger anrollen. Bereits im Vorjahr sei viel Geld in die Automatisierung der Produktion gesteckt worden.

Was wird aus der zweiten Produktionslinie?

Die wird weiter ruhen: „Wir haben eine gigantische Überproduktion auf dem Weltmarkt“, so Prof. Stiebig. Um die Linie II anwerfen zu können, müsste sich die Marktlage spürbar verbessern.

Wie hat sich die Zahl der Mitarbeiter entwickelt?

Die Stammbelegschaft sei – trotz Automatisierung – bei 150 Leuten konstant geblieben. Wie bei der Übernahme zugesichert. Es seien Aufgaben weggefallen, aber auch neue hinzugekommen. So habe Schüco in Großröhrsdorf ein eigenes Team für die Instandhaltung der Hightechmaschinen aufgebaut und ist damit weniger abhängig von Fremdfirmen. Vor anderthalb Jahren, während des Insolvenzverfahrens, war die Stimmung in der Belegschaft am Boden. Das hat sich jetzt um 180Grad gedreht. Alles sei jetzt viel flüssiger organisiert, sagen Mitarbeiter im Gespräch, und ein richtiges Glück, wie „wir es mit Schüco getroffen haben“.