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Wie sieht die Zukunft der Kleingärten aus?

Der Görlitzer Verband möchte weniger Parzellen und denkt langfristig über die Auflösung von Sparten nach.

Monika und Joachim Laufer in ihrem Kleingarten in Königshufen. Die Ernte hat bereits begonnen – viel früher als im Vorjahr.
Monika und Joachim Laufer in ihrem Kleingarten in Königshufen. Die Ernte hat bereits begonnen – viel früher als im Vorjahr. © André Schulze

In diesem Jahr werden die Früchte früh reif. Joachim Laufer sieht das in seinem Garten. „Die ersten Kartoffeln habe ich geerntet, einen Monat eher als im letzten Jahr“, sagt Laufer. Er ist der Vorsitzende der Kleingartensparte „Neues Leben“ im Görlitzer Norden. Die hat 69 Parzellen. Keine einzige ist derzeit frei, alle sind verpachtet. Woran das liegt? „Nun, wir haben eine gute Anbindung an Bus und Straßenbahn.

Der Neißepark ist nah, der Baumarkt auch“, erklärt Joachim Laufer. Und der Verein ist offen für Kleingärtner-Familien. „Die dürfen bei uns in ihrem Garten auch mal Spielgeräte aufstellen“, so der Vereinsvorsitzende. An die Regelung, dass ein Drittel der Parzellenfläche kleingärtnerisch genutzt wird, müssen sich aber auch Familien halten.

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Die Sparte „Neues Leben“ ist eine von 84 in Görlitz, die im Niederschlesischen Kleingärtnerverband organisiert sind. Probleme mit unverpachteten Parzellen gibt es hier nicht. Frei werdende Parzellen sind nach einem halben Jahr wieder belegt. Darüber würden sich andere Vereinschefs freuen. Denn anderswo ist der Leerstand hoch. In rund 400 Parzellen werden die Flächen nicht bewirtschaftet. Für den Kleingärtnerverband und die Sparten ist das ein Problem, vor allem ein wirtschaftliches. Einerseits müssen die Gartenvereine trotzdem Pacht an den Eigentümer des Bodens entrichten, andererseits leiden das An- und Aussehen der Sparten bei viel Leerstand. „Hier müssen wir uns Gedanken machen“, betont Frank Reimann, der Geschäftsführer des Niederschlesischen Kleingärtnerverbandes, zu dem reichlich 100 Gartensparten in Görlitz, Niesky und dem Umland gehören. Um die Sparten in Görlitz bedarfsgerecht zu gestalten, müsste man auf etwa 700 Parzellen verzichten. „Damit würden die Vereine auch die Gartennomaden wieder los“, berichtet Frank Reimann und erklärt: „Nicht jeder Kleingärtner ist auch wirklich einer. Mancher zahlt keine Pacht und macht nur Probleme. Irgendwann zieht der Pächter einfach weiter in die nächste Sparte, wo das Spiel von Neuem beginnt.“

Um künftig die Sparten wirtschaftlich zu betreiben, ist eine Umgestaltung der gesamten städtischen Kleingarten-Landschaft erforderlich. Das aber sei aufwendig an Zeit und Geld, sagt Reimann. Es mache keinen Sinn, alle Kleingartenanlagen auf Dauer zu erhalten, wenn viele mehr oder weniger Leerstand aufweisen. Hier müsse man gezielt darüber nachdenken, welches Gartenland Vereine weiter nutzen, welches aufgegeben wird und möglicherweise an den Eigentümer zurückgeht und für andere Zwecke genutzt werden kann. Es müsse aber den Kleingärtnern intensiv erläutert werden, warum die Veränderungen notwendig sind. Diese könnten nämlich langfristig bedeuten, dass Pächtern gekündigt werden muss, wenn die Sparte aufgelöst wird und die Fläche an den Eigentümer zurückgeht. In Städten wie Leipzig, Dresden und Chemnitz, wo das Bauland knapp ist, geht man bereits diese Schritte, berichtet Reimann. Dort sind viele Kleingartenanlagen zudem Bestandteil des öffentlichen Stadtgrüns und öffentlich, zum Beispiel über Wanderwege, für jedermann zugänglich.

Für Görlitz ist das derzeit keine Option. Vielmehr ist der Verbandschef gerade dabei, ein Konzept über die Zukunft der Sparten zu erarbeiten. Eigentlich sollte es im Vorjahr bereits vorliegen und detailliert Auskunft geben, wie sich die Schrebergärten ab 2025 entwickeln sollen. Allerdings fehlt es dem Verbandschef an Zeit und Mitstreitern. Könnte jemand aus der Stadtplanung des Görlitzer Rathauses beständig mit Reimann am Konzept arbeiten, wäre es in einem Jahr fertig, sagt er. Realistisch sieht er den Schlusspunkt unter dem Papier im Jahr 2022.

Möglich ist die Umgestaltung der Anlagen nur im Zusammenspiel von Verband, Vereinen, Kleingärtnern und Eigentümern. Mit knapp 60 Prozent ist die Stadt Görlitz größter Eigentümer des Gartenlandes. Knapp 30 Prozent der Parzellen sind von privaten Eigentümern gepachtet. Knapp zehn Prozent gehören der Stadt Niesky. Die Umgestaltung kostet Geld, das die Vereine nicht haben. Umso höher schätzt Reimann die Initiative der Stadt Görlitz und von zwei privaten Landbesitzern ein. Seit 2017 fördern sie den Kleingärtnerverband, indem sie jedes Jahr 20 Prozent der Pachteinnahmen an den Verband wieder ausschütten. Diese Refinanzierung kommt Gemeinschaftseinrichtungen und -vorhaben in den Vereinen zugute. Im Vorjahr wurden so 7 200 Euro für Zäune und Tore, 2 700 Euro für den Wegebau, 5 800 Euro für Werterhaltungen an Vereins- und Gemeinschaftseinrichtungen und 1 400 Euro für Baumfällungen ausgegeben. Von Letzterem hat auch der Verein „Neues Leben“ profitiert. „Mehrere große Tannenbäume hatte ein Sturm umgeworfen. Hier hat uns der Verband finanziell bei der Baumbeseitigung unterstützt“, erklärt Joachim Laufer.

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