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Wie soll die Impfpflicht funktionieren?

Die neue Regelung trifft in der Region zwar auf breite Zustimmung. Allerdings gibt es noch viele offene Fragen.

Von Verena Toth
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Ohne Impfung, kein Kita-Platz. Diese Regelung gilt ab März per Gesetz.
Ohne Impfung, kein Kita-Platz. Diese Regelung gilt ab März per Gesetz. © hübschmann

Region. Ab März nächsten Jahres gilt sie nun, die viel diskutierte Masern-Impflicht. Alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr müssen beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten dann die empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen. Haben sie diese nicht, können die Kinder vom Besuch in einer Kindertageseinrichtung ausgeschlossen werden. Auch Erzieher, Lehrer, Tagepflegepersonen und medizinisches Personal sind verpflichtet, einen solchen Nachweis zu erbringen, andernfalls dürfen sie dort nicht mehr arbeiten. Eltern, die sich der Impflicht verweigern, droht ein Bußgeld in Höhe von 2.500 Euro

Ute Behrisch, Leiterin des Kindergartens der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Döbeln, findet die gesetzliche Regelung grundsätzlich sehr richtig. „Es geht doch schließlich um den Schutz aller Kinder“, sagt sie. Bereits jetzt werde bei der Anmeldung der Kinder in der Einrichtung der Impfstatus zumindest abgefragt. Nicht richtig finde sie aber, dass die Verantwortung für die Kontrolle und Umsetzung der Pflicht auf die Kindereinrichtungen abgeschoben wird. 

„Wir müssen uns dann mit den Eltern auseinandersetzen und eventuell auch mit deren Ärger klar kommen“, sagt sie. Viel besser fände sie eine offizielle Eingangsuntersuchung, ähnlich wie die für Schulanfänger. „Da wäre dann das Gesundheitsamt zuständig. Die Behörde wäre auch die richtige Stelle, die sich um die Bußgelder kümmern kann.“ Offen sei auch die Frage, wer die Kosten übernehmen muss, wenn sich ihre Kolleginnen nun nachimpfen lassen müssen.

Grundsätzlich befürwortet auch der Döbelner Kinderarzt Dr. Eckhardt Erdmann die Impfpflicht in Schulen und Kindereinrichtungen. Der Großteil seiner kleinen Patienten werde ohnehin schon geimpft. „Sicher gibt es immer wieder auch Diskussionen und Impfverweigerer, doch die sind in der Minderzahl“, so der Mediziner. Nicht die Impflicht an sich mache ihm Sorgen, die Umsetzung der neuen Regeln allerdings um so mehr. „Fest geschrieben wurde in dem Gesetz ganz explizit die Impfung gegen Masern. Allerdings gibt es in Deutschland gar keinen Einzelimpfstoff gegen die Krankheit. Die Immunisierung erfolgt mit einem Kombinationsimpfstoff, der Drei- und der Sechsfachfachimpfung, die bei Kleinkindern ab dem elften Monat durchgeführt wird“, so Erdmann.

Mit einem Ansturm und einer Impfwelle rechnet der Waldheimer Apotheker Dr. Andreas Liebau nach der Verabschiedung des Gesetzes nicht. Auch er bestätigt, dass es einen einzelnen Impfstoff gegen Masern in Deutschland gar nicht gibt. „Die Dreifachimpfstoffe, bei denen die Masernimmunisierung jeweils dabei ist, sind allerdings ausreichend verfügbar“, schätzt er ein. Regelmäßig bestellen Arztpraxen die Ampullen.

Generell sei aber der Osten Deutschlands und auch die mittelsächsische Region relativ gut durchgeimpft. Impfverweigerer gebe es aber vor allem in Bayern und in Großstädten. Auch bei den Erwachsenen, für die die Masernimpfpflicht nun gilt, sehe er Probleme. Wer eine Impfung nicht nachweisen kann, zum Beispiel mit einem Impfausweis, kann aber einen Test machen, für den eine Blutuntersuchung nötig wird.

„Ich hoffe aber, dass das Gesetz tatsächlich so umgesetzt wird. Denn der Kollektivschutz ist für Gemeinschafteinrichtungen ganz erheblich. Allerdings befürchte ich, dass es noch viele Ein- und Widersprüche vonseiten der Impfgegner geben wird“, so der Apotheker. Die rechtliche Lage halte er noch für sehr unsicher. „Impfen kann als Körperverletzung ausgelegt werden, außerdem greift eine Pflicht zur Impfung in das Erziehungsrecht der Eltern ein. Da gilt es, noch für mehr Klarheit zu sorgen“, so Andreas Liebau.

Viele unbeantwortete Fragen hat auch die Waldheimer Grundschulleiterin Annett Lorenz-Ziegenbalg. „Wenn ein Schulkind nicht geimpft ist, kann es nicht, so wie im Kindergarten, vom Besuch ausgeschlossen werden. Es gilt doch weiterhin die allgemeine Schulpflicht“, gibt sie zu Bedenken. Aber auch sie befürworte generell die Pflicht, dass Kinder einen besseren Impfschutz haben sollten.

Große Fragezeichen gebe es auch in Bezug darauf, wie die Kontrolle und Umsetzung des Gesetzes in den Schulen vonstattengehen soll. „Dafür benötigen wir zunächst einmal klare Anweisungen aus dem Landesamt für Bildung. Darauf müssen wir nun erst einmal warten“, so die Schulleiterin. Mit ihren Kollegen habe sie schon gesprochen und darum gebeten, dass ihren Impfstatus überprüfen. Wie es dann aber weitergeht, wisse sie noch nicht.

Die Masernerkrankung gehört zu den ansteckendsten Erkrankungen, die nur beim Menschen vorkommt und durch Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen oder durch direkten Kontakt mit Erkrankten übertragen wird. Masernfälle hat es laut Statistik des Gesundheitsamtes Mittelsachsen in den vergangenen Jahren so gut wie keine gegeben. 

In Deutschland ging im Jahr 2017 eine sehr starke Erkrankungswelle von Masern durch das Land. Der Altkreis Döbeln war davon jedoch nicht betroffen. Im gesamten Landkreis waren damals zwei Fälle gemeldet worden. Im April dieses Jahres bei einer ungeimpften erwachsenen Person im Landkreis Mittelsachsen die Masernerkrankung nachgewiesen. Sie war von einer Reise aus dem Nahen Osten zurückgekehrt und wurde in einer Klinik behandelt.

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