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Wie starb der Schwimmer in der Elbe?

Das Unglück vom Mittwoch wirft viele Fragen auf. Die Obduktion soll Klarheit bringen.

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© Bruno Satelmajer

Von Bettina Klemm, Juliane Richter und Tobias Winzer

Ratlosigkeit herrscht auch noch einen Tag nach dem Tod eines 29-Jährigen in der Elbe. Bisher kennt die Polizei die Gründe für das Unglück, das sich am Mittwochabend ereignete, nicht. Direkt vor den Augen Dutzender Gäste des Johannstädter Fährgartens hatte die Feuerwehr gegen 18 Uhr die Leiche des Dresdners geborgen.

Das Salonschiff „August der Starke“ musste am Mittwochabend in der Elbe eine Notbremsung vornehmen, weil plötzlich ein Schwimmer in der Fahrrinne auftauchte. Wenig später konnte dieser am Fährgarten nur noch tot aus dem Fluss gezogen werden. Bis auf einig
Das Salonschiff „August der Starke“ musste am Mittwochabend in der Elbe eine Notbremsung vornehmen, weil plötzlich ein Schwimmer in der Fahrrinne auftauchte. Wenig später konnte dieser am Fährgarten nur noch tot aus dem Fluss gezogen werden. Bis auf einig

Genau eine Stunde vorher fuhr der Dampfer „August der Starke“ vom Terrassenufer die Elbe flussaufwärts in Richtung Loschwitz. In Höhe der Waldschlößchenbrücke sah der Kapitän plötzlich vor dem Schiff im Wasser einen Mann schwimmen. Laut Polizeisprecher Wolfgang Kießling habe der Kapitän sofort die Maschine gestoppt. Der Schwimmer geriet dennoch unter den Dampfer und tauchte nicht wieder auf. Daraufhin setzte der Kapitän sofort einen Notruf ab, der 17.34 Uhr bei der Feuerwehr einging. Diese rückte mit zwölf Wagen und drei Booten aus, um nach dem Mann zu suchen. Etwa 40 Personen waren laut Feuerwehrsprecher Thomas Mende im Einsatz. Am Johannstädter Fährgarten konnten sie dann jedoch nur noch den leblosen Körper des Mannes bergen. Der mit dem Hubschrauber hinzugekommene Notarzt stellte letztendlich den Tod des 29-Jährigen fest. Die Todesursache ist der Polizei bisher nicht bekannt. „Wir wissen nicht, ob es einen direkten Kontakt zwischen dem Schiff und dem Mann gab. Es könnte auch sein, dass der Mann schon vorher tot war“, sagt Sprecher Kießling. Bis auf einige Abschürfungen habe der Leichnam keine äußeren Verletzungen aufgewiesen.

Aufklärung soll die Obduktion bringen, die die Staatsanwaltschaft gestern angeordnet hat. Nach Auskunft von Sprecher Lorenz Haase wird diese erst in der kommenden Woche stattfinden. Bisher gehe die Staatsanwaltschaft nicht von einem Verbrechen aus. „Je nach Obduktionsergebnis wird sich zeigen, ob weitere Ermittlungen nötig sind“, sagt Haase.

Die Sächsische Dampfschiffahrt, zu der das Schiff „August der Starke“ gehört, reagierte indes geschockt auf das Unglück. Unternehmenssprecherin Kerstin Träger sagte gestern: „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen des Toten.“ Da die Ermittlungen der Polizei noch laufen, möchte sie sich nicht näher zu den Umständen und dem Kapitän äußern. Nach SZ-Informationen war dieser überaus erfahren und hatte seine Stammbesatzung mit an Bord.

Das Schiff selbst war zur Unglückszeit nur unterwegs, weil an diesem Tag die Nachfrage nach den Fahrten überaus groß war. Deshalb hatte sich das Unternehmen entschlossen, um 17 Uhr noch eine zusätzliche Stadtrundfahrt in Richtung Loschwitz anzubieten. Die Salonschiffe, zu denen „August der Starke“ gehört, werden gern als Elbschnecken bezeichnet, da sie stromaufwärts nur etwa fünf Kilometer pro Stunde fahren können. „Bei einem Maschinenstopp steht das Schiff innerhalb von drei bis vier Sekunden“, sagt Michael Lohnherr, der frühere Chef der Dampfschifffahrt. Er verstehe nicht, warum der Schwimmer nicht ausgewichen sei, er müsse das Schiff doch schon von Weitem gesehen haben.

Das Baden in der Elbe ist zwar grundsätzlich erlaubt, laut der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung gibt es jedoch Ausnahmen: So darf man nicht im Umkreis von hundert Metern einer Brücke schwimmen, genauso wenig wie in Hafeneinfahrten und an Anlegestellen. Die Wasserschutzpolizei kontrolliert nicht nur die Schiffe, die auf der Elbe fahren, sondern achtet auch auf Schwimmer. Laut Abschnittsleiter Stefan Ackermann würden Personen in den nicht erlaubten Bereichen aus der Elbe gezogen. Diese müssten mit einer Strafe von rund 30 Euro rechnen. Ackermann stellt zudem fest, dass seit einigen Jahren immer mehr Dresdner in der Elbe baden. Neben ihm warnt auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) vor den Gefahren in einem fließenden Gewässer. „Die Strömung kann sich binnen einer Minute verändern“, sagt Sprecher Christian Althaler.

Wieso der 29-Jährige an diesem Abend in der Elbe schwamm, bleibt zunächst unklar. Nach SZ-Informationen lebte er in einem Dresdner Übergangswohnheim für Obdachlose und hatte auch einen zugeteilten Betreuer. Angehörige sind hingegen bisher nicht bekannt. Das Schiff „August der Starke“ wurde schon am Tag des Unglücks von der Polizei freigegeben. Gestern startete es um 10 Uhr wieder zur Stadtrundfahrt.