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Wie stark belastet die Hess-Schieflage die Region?

Der Leuchtenhersteller ist nicht nur wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler. Im ganzen Kreis gibt’s enge Verflechtungen.

Von A. Beutler, T. Berger, I. Kramer und Th. Staudt

Das Löbauer Hess-Werk glänzt in der Wintersonne. Mehr als 100 Menschen arbeiten hier. Die meisten Autos auf dem Parkplatz tragen Görlitzer und Bautzener Nummernschilder, ein paar haben das neue LÖB, andere das alte NOL auf dem Schild. Zu sehen ist rund um das Werksgelände aber kaum ein Mitarbeiter. Und wenn sich doch jemand zeigt, will er lieber gar nichts zur Stimmung im Haus sagen: „Zu viel Risiko!“ Das Löbauer Werk der Hess Lichttechnik ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region, einer der schlagkräftigsten Sponsoren und einer der größten Steuerzahler.

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Seitdem der bisherige Vorstand und Geschäftsführer des Löbauer Werkes, Christoph Hess, und der ebenfalls im Vorstand tätige Peter Ziegler, Ende Januar wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung abberufen wurden, warten die Oberlausitzer gespannt, welche Folgen das für sie haben könnte. Dass es Folgen hat, scheint sicher, denn die Banken haben dem Unternehmen den Geldhahn zugedreht (SZ berichtete). Laut einem Bericht der Badischen Zeitung in der gestrigen Ausgabe betreffe das verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG, vor allem aber das Löbauer Werk. Das Blatt, das am Hess-Stammsitz in Villingen-Schwenningen erscheint, beruft sich auf Aussagen des neuen Vorstandes. Wie stark der Landkreis Görlitz mit dem Unternehmen verbunden und wie die Stimmung vor Ort ist, zeigt ein kurzer Überblick:

Sparkasse: Einer der größten Gläubiger des Unternehmens schweigt

Zu den Geldinstituten, mit denen Hess in den vergangenen Jahren eng zusammengearbeitet hat, zählt neben der Deutschen Bank auch die Sparkasse Schwarzwald-Baar und die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Bei rund 70 Millionen Euro Jahresumsatz stehen bei Hess 50 Millionen Euro Schulden zu Buche – davon 30 Millionen Euro mit kurzen Laufzeiten, berichtete gestern die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Schulden verteilten sich laut Zeitungsbericht auf ein Dutzend Banken. Zu den größten Gläubigern zählen die beiden Sparkassen und die Deutsche Bank. Was bedeutet die Hess-Schieflage nun für die Spareinlagen der Oberlausitzer? Müssen sie befürchten, dass ihr Geld im Sog einer möglichen Hess-Pleite verloren ginge? Und wie steht es überhaupt um die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Unternehmen und der Sparkasse? Um wie viel Geld geht es? Fragen über Fragen, auf die der SZ gestern Vormittag eine Antwort des öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts in Aussicht gestellt wurde. Die Antwort kam am Nachmittag und bestand aus einem Satz: „Wir beantworten Ihre Fragen nicht.“

Steuerzahler und Arbeitgeber: Für Löbau ist Hess ein wichtiger Partner

Sorgen in mehrfacher Hinsicht macht sich die Stadt Löbau. Oberbürgermeister Dietmar Buchholz bestätigte gestern auf Nachfrage, dass Hess zu den „Steuerzahlern an vorderster Stelle“ zähle. Auch um die rund 100 Arbeitsplätze in seiner Stadt macht sich Buchholz derzeit einige Sorgen. Deshalb habe er bereits versucht, mit dem neuen Vorstand der Hess AG Kontakt aufzunehmen. Es sei allerdings nicht gelungen, mit dem neuen Vorstand Till Becker direkt zu sprechen, sagte der OB.

Unterdessen bestätigte gestern der Unternehmenssprecher der Hess AG, Marco Walz, dass es im Löbauer Werk zu Verzögerungen bei der Auszahlung der Löhne und Gehälter gekommen sei. Dies sei jetzt jedoch geklärt und die entsprechenden Zahlungen angewiesen. Die Gelder für Januar werden noch in dieser Woche ausgezahlt, sagte Walz. Was die kommenden Wochen beträfe, so könne er keine konkreten Angaben machen, das hänge von der Entwicklung des Gesamtunternehmens ab. Fest stehe aber, dass Löbau das modernste Hess-Werk sei.

Stiftung: Stadt will klären, wie es bei der Stiftung Haus Schminke weitergeht

Dem Stadtoberhaupt geht es bei den Gesprächen aber nicht nur um Hess als Arbeitgeber, sondern auch als wichtigen Partner in der Stiftung Haus Schminke, die von der Stadt mit Hess ins Werk gesetzt worden war. Christoph Hess ist selbst Mitglied im Stiftungsvorstand – gemeinsam mit seinem Schwiegervater, dem Löbauer Stadtrat Gottfried Sterzel, und dem Oberbürgermeister. Zwar betont der OB, dass die derzeitige Lage für die Kapitalbasis der Stiftung keine Folgen habe. Allerdings habe das Unternehmen bei der Stiftung finanzielle Verpflichtungen für das laufende Geschäft übernommen. Hier bestehe Klärungsbedarf. Was die rechtlichen Dinge betrifft, haben sich der OB und weitere Stiftungsmitglieder gestern bei einem Termin mit der Landesdirektion beraten lassen. „Wie es hier weitergeht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen“, sagte Buchholz zum Stand der Dinge.

Eines immerhin ist klar: Die neuen LED-Leuchten der Firma Hess, die nach dem Sieg in einem Wettbewerb erhalten sollte, sind alle in den Stadtteilen und der Innenstadt aufgestellt. Das Projekt sei abgeschlossen, sagte Dietmar Buchholz.

Sponsor Kultur: Hoffen auf Fortsetzung bei Görlitzer Jazztagen

Bei den Görlitzer Jazztagen zählt Hess seit vielen Jahren zu den großen Sponsoren, die sich mit einer vierstelligen Summe am Festival beteiligen und im Gegenzug mit einem Banner an der Bühne präsent sind. „Wir hoffen natürlich, dass sich die bisher sehr gute Zusammenarbeit fortsetzt“, sagt Reinhard Schubert vom Kulturzuschlag-Verein, der die Jazztage organisiert. Bisher habe der Verein jedenfalls keinen gegenteiligen Bescheid bekommen. Der Hess-Seniorchef unterstütze auch in Villingen-Schwenningen ein kleines Jazz-Festival. Er freue sich, dass es so etwas auch in der hiesigen Region gibt – und sei deshalb gern bereit, auch in Görlitz etwas beizusteuern. Nicht zuletzt lade die Firma Hess einmal im Jahr ihre Kunden ein und biete ihnen bei dieser Gelegenheit auch Kultur. „Das haben sie auch schon bei uns gemacht“, freut sich Schubert.

Sponsor Sport: Eishockey-Füchse in Weißwasser zählen auf Hess – noch

Bisher wirbt der Lampenhersteller mit seinem Schriftzug auf den Helmen und auf dem Eis. Aber vielleicht nicht mehr lange. Das Engagement des ehemaligen Vorzeigeunternehmens steht auf der Kippe. Eine Vertragsverlängerung sei unter den gegenwärtigen Umständen nicht möglich, so die Hess-Geschäftsleitung in einer schriftlichen Mitteilung an die Lausitzer Füchse Spielbetriebs GmbH. Die bis Saisonende vereinbarten Sponsoringleistungen seien aber nicht gefährdet, heißt es in dem Schreiben. Auch wenn der Ausfall keiner Katastrophe gleichkomme, würde Füchse-Pressesprecher Andreas Friebel das Ende der Zusammenarbeit bedauern. Schließlich habe man immer ein vertrauensvolles Verhältnis gepflegt. Dass Hess so früh Klartext spreche, ist ein Vorteil für den Verein. „So können wir uns darauf einstellen, dass wir uns um Ersatz kümmern müssen“, sagt Friebel. Hess zählt bisher zu den Top-Ten-Sponsoren der Mannschaft. Hauptgeber ist Vattenfall. Die Lausitzer Füchse realisieren zwei Drittel ihres Budgets über Sponsorengelder, den Rest über den Verkauf von Eintrittskarten.

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