merken
PLUS

Wie teuer wird ein neues Freibad für Meißen?

Das Becken ist seit zwölf Jahren dem Verfall preisgegeben. Nun kommt Bewegung in die Sache.

Von Christoph Scharf

Hoffnungsvoll leuchtet das Blau zwischen den Büschen des Meißner Freibad-Geländes hervor. Erst aus der Nähe wird klar: Das ist kein Wasser – nur eine Abdichtungsplane, die das marode Becken vor dem Auslaufen schützen sollte. Zwölf Jahre nach der Schließung liegt sie nur noch in Fetzen auf dem Mauerwerk. Aus dessen Fugen wachsen Unkräuter, Büsche, ganze Birken. Die Leitern, an denen Generationen von Meißnern aus dem Wasser kletterten, rosten. Durch die Windungen der Röhrenrutsche wuchern Nadelbäume.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Seit 2002 badet hier niemand mehr. Doch nun rückt die Anlage wieder in den Mittelpunkt des Interesses: Als Thema im Kommunalwahlkampf.

Was wollen die Bad-Befürworter erreichen?

Der Verein „Meißner Freibad“ hat nur ein Ziel: Das bestehende Bad wieder neu zu gestalten. Dafür kämpfen die 40 Mitglieder seit Jahren. Jährliche Badfeste in Bohnitzsch sollen helfen, dass das Bad nicht in Vergessenheit gerät. Grundsätzlich hat sich seit der Schließung allerdings nicht viel geändert. Deshalb geht der Verein nun neue Wege. Bei der Kommunalwahl im Mai tritt Vereinsvorsitzende Simone Teske auf Platz 3 der Liste der Freien Bürger – Bewegung für Meißen (FBBM) für den Stadtrat an, gefolgt von Steffen Hausch vom DLRG-Ortsverband auf Platz 4. Beide sind überzeugt, dass der Wiederaufbau des Bads als Bürgerprojekt gelingen könnte. „Wenn sich Meißen einen gläsernen Aufzug leisten kann, dann reicht es auch für ein Freibad.“

Was wird ein neues Freibad

für Meißen kosten?

Der Verein selbst ging anfangs von einer großen Lösung aus – mit einem Schwimmer-, einem Nichtschwimmer- und einem Planschbecken samt Spielplatz. Dafür kalkulierte er drei Millionen Euro, wovon der größte Teil aus Fördermitteln stammen sollte. Auf Fördergeld hofft man noch heute – hat die Pläne aber ein ganzes Stück zurück geschraubt. „Man könnte mit einem kleineren Edelstahlbecken wie im Bilzbad anfangen und die Anlage Jahr für Jahr abschnittsweise erweitern“, sagt Simone Teske. In der Minimalvariante käme man mit einer Investition von einer Million und einem jährlichen Zuschuss von 40 000 Euro hin. Zum Vergleich: Für den Betrieb des Freizeitbads Wellenspiel schießt Meißen jährlich 1,1 Millionen Euro zu.

Was würde eine Kooperation mit dem Wellenspiel bringen?

Nebenan im Wellenspiel rechnet man anders. „Für uns hat ein Planungsbüro errechnet, dass die Wiederinbetriebnahme des Freibads 2,3 Millionen Euro kostet“, sagt Fedor Arlt, Chef der Betreibergesellschaft SDM. Dazu käme ein jährlicher Zuschuss von 150 000 Euro, um die Eintrittspreise bezahlbar zu halten. Aber käme das Freibad nicht günstiger, wenn man vorhandene Technik des Wellenspiels mit nutzt? „Synergien kann ich mir kaum vorstellen – außer bei der Parkplatznutzung“, sagt Arlt. Bei Pumpen, Heizung, Wasseraufbereitung fahre man bereits an der Leistungsgrenze – zumal das jetzige Freibadbecken fünfmal so viel Wasser wie das Wellenspiel fasse.

Wie handhaben es Meißens Nachbarn mit ihren Freibädern?

Ob in Oberau, Miltitz oder in Radebeul: Überall sind Freibäder ein Zuschussgeschäft. Niederau zahlt 70 000 Euro jährlich, Klipphausen plant dieses Jahr mit 75 000 Euro für Miltitz. In Radebeul läuft es etwas anders. Dort sind in einer städtischen Holding unter anderem Wohnungsgesellschaft, Stadtwerke und die Stadtbäder- und Freizeitanlagen-GmbH (SBF) gebündelt. „Von dieser Lösung profitieren wir gegenseitig“, sagt SBF-Chef Bernd Willomitzer. Während andere Gesellschaften Gewinne machen, bekommt die SBF jährlich eine reichliche Million Euro Zuschuss für den Betrieb von zwei Freibädern, Hallenbad, Stadion und Freizeitzentrum. „Nur so sind politisch gewollte Eintrittspreise zu halten“, sagt der Geschäftsführer. So zahlt man im Freibad 3,50 Euro. „Wirtschaftlich gerechnet müssten es 13 bis 14 Euro sein.“