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Wie uns die Mondlandung bis heute verbindet

Nie wieder darf ein Raumflug zum Nachbarn so sein wie damals.  Warum? Jan Wörner,  Chef der europäischen Raumfahrt, beschreibt dies hier exklusiv  für die SZ. 

Am 20. Juli jährt sich die erste Landung auf dem Mond zum 50. Mal.
Am 20. Juli jährt sich die erste Landung auf dem Mond zum 50. Mal. © National Geographic/National Geographic/obs

Es ist das Jahr 1957, der Sputnik wird in die Erdumlaufbahn geschickt und demonstriert die technologischen Fähigkeiten der Sowjetunion. Der Wettlauf im All lief auf vollen Touren. Auch den nächsten Erfolg, die Erdumkreisung eines Menschen, konnte die UdSSR für sich verbuchen. Spätestens mit der berühmten Rede von John F. Kennedy war das nächste Ziel des Wettlaufs festgelegt: der Mond. 

Für mich persönlich hat die Begeisterung für die Raumfahrt mit Sputnik begonnen: Mein Vater nahm mich, der ich gerade drei Jahre alt war, auf den Arm, zeigte nach oben und wies auf Sputnik hin. Ich sah nichts, aber die Autorität des Vaters war groß genug, die Bedeutung der Situation zumindest zu erahnen. Später verfolgte ich alle Raumfahrtmissionen, der Wettlauf im All war insofern für mich selbst faszinierend. Wostok, Sojus, Mercury, Gemini, Surveyor, Apollo - um nur einige zu nennen.

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Eine Mondkarte mit der persönlichen Eintragung aller Landungen und viele Raumfahrtbücher zeugen noch heute von meiner Begeisterung. Mit einem Teleskop konnte ich mir dann selbst ein Bild von unserem Trabanten machen. Apollo 11 war sicherlich der vorläufige Höhepunkt.

Und dann endlich, die Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin. Ich, gerade mal zwei Tage und 15 Jahre alt, saß wie gebannt vor unserem Schwarz-Weiß-Fernseher. Was kein Nachteil war, da es ja sowieso keine Farbübertragung gab. Ich verfolgte das Geschehen. Interessanterweise weiß ich nicht, ob ich allein vor dem Fernseher saß. Mein Vater war zwei Jahre vorher verstorben, hatte mir aber offensichtlich den „Virus der Begeisterung“ erfolgreich eingeimpft. Danach war ich so aufgeregt, sodass ich die ganze Nacht aufblieb.

Johann-Dietrich (Jan) Wörner ist seit 2015 der Generaldirektor der europäischen Weltraumagentur ESA mit Sitz in Paris. Damit ist er nicht nur der Vorgesetzte für Zehntausende Weltraumforscher, sondern auch Chef des gesamten europäischen Astronautenteams.
Johann-Dietrich (Jan) Wörner ist seit 2015 der Generaldirektor der europäischen Weltraumagentur ESA mit Sitz in Paris. Damit ist er nicht nur der Vorgesetzte für Zehntausende Weltraumforscher, sondern auch Chef des gesamten europäischen Astronautenteams. © Oliver Berg/dpa (Archiv)

Leider bin ich nicht selbst Astronaut geworden, hatte aber die Gelegenheit, nicht nur Neil Armstrong und Buzz Aldrin, sondern auch viele andere Astronauten und Kosmonauten kennenzulernen. Immerhin konnte ich bei wissenschaftlichen Parabelflügen für einige Minuten das Gefühl der Schwerelosigkeit, aber auch die geringe Anziehungskraft auf Mond und Mars erleben. Aber wer weiß: John Glenn (geboren am 18. Juli, so wie ich, nur älter) ist mit 77 Jahren noch ins All geflogen.

Der zentrale Aspekt, die Verfolgung der Raumfahrtaktivitäten, führte auf jeden Fall zu jener persönlichen Entwicklung, die ich „Motivationskette“ nenne: Faszination führt über Inspiration zu Motivation. Es ist die Motivation, auch Träume zu träumen und das Traumhafte zu versuchen, durch den eigenen Einsatz umzusetzen. Auch dann, wenn es vielleicht zunächst von Zeitgenossen als unmöglich eingeschätzt wird.

In vielen öffentlichen Aussagen wird heute über die Rückkehr zum Mond diskutiert. Für mich kann und darf es kein „back to the Moon“ geben. Kein Zurück. Das hieße nämlich, wieder einen Wettlauf im All durchzuführen, mit dem alleinigen Ziel, der Erste zu sein. Raumfahrt hat sich verändert. Sie ist dem Modus, als Instrument des Kalten Krieges benutzt zu werden, deutlich entwachsen.

Zusammenarbeit jenseits irdischer Konflikte

Raumfahrt heute ist geprägt von der internationalen Zusammenarbeit jenseits irdischer Grenzen und Konflikte. Die Internationale Raumstation ist ein gutes Beispiel für die Veränderung. Auch die über die niedrige Erdumlaufbahn hinausgehende Exploration wird immer mit Beiträgen aus verschiedenen Ländern durchgeführt. 

Dies gilt ebenso für astronautische Aktivitäten. In naher Zukunft werden wieder Menschen zum Mond aufbrechen, aber diesmal in internationaler Kooperation. Die ESA liefert das sogenannte Service Modul für das Trägerraketensystem mit der Kapsel Orion und bereitet sich zudem vor, beim sogenannten „Lunar Gateway“ eine signifikante Rolle zu spielen.

Das Ereignis der Mondlandung 1969 hat mich also tief berührt und meine weitere Entwicklung beeinflusst. Allerdings sollte es noch fast 40 Jahre dauern, bis ich als Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt selbst „nach den Sternen greifen“ durfte.

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Heute sind die Erfahrung des Kalten Kriegs mit dem Wettlauf im All für mich als Generaldirektor der ESA Motivation zur globalen Kooperation. So arbeiten wir nicht nur mit Projekten und Missionen unserer 22 ESA Mitgliedsstaaten zusammen, sondern haben darüber hinaus enge Kooperationen in West und Ost. Raumfahrt heute überbrückt nationale Grenzen und politische Konflikte.

Danke Sputnik, danke Apollo.

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