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Wie Vereinshäuser rentabler werden

Herrnhut erhöht die Nutzungsgebühren. Andere Städte und Gemeinden halten sich zurück, um keine leeren Häuser zu haben.

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Von Steffen Gerhardt

Keine populäre Entscheidung trafen jetzt die Herrnhuter Stadträte. Sie erhöhten die Nutzungsgebühren für die drei Dorfgemeinschaftshäuser in Herrnhut, Ruppersdorf und Strahwalde.

Herrnhut: Vereine zahlen

weiterhin nur die Hälfte

Für die Bürger und Vereine bedeutet das, künftig pro Stunde zwischen 15 und 40 Prozent mehr bezahlen zu müssen, wenn sie die Häuser nutzen wollen. Beispielsweise kostet das Feuerwehrheim Herrnhut künftig 13 statt 10,30 Euro pro Stunde, das Haus „Mohr“ in Ruppersdorf 15 statt elf Euro. So viel kostet auch der Saal im Volkshaus Strahwalde. Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) begründet die Erhöhung  mit gestiegenen Betriebskosten, vor allem für Energie. „Wir haben inzwischen einen Stand erreicht, wo die Einnahmen nur noch 15 Prozent der Kosten decken“, so das Stadtoberhaupt. Ursprünglich hatte sich die Stadt eine Untergrenze von 30 Prozent gesetzt. Diese wieder zu erreichen, sei das Ziel der Gebührenerhöhung. Wirksam wird sie mit der Veröffentlichung im Amtsblatt.

Bei Stadträten finden die neuen Gebühren sowohl Zustimmung, aber auch Bedenken werden geäußert. Wenn die Vereine weiterhin nur die Hälfte der Nutzungsgebühren bezahlen, so heißt das auch für sie, tiefer in den Geldbeutel zu greifen. Deshalb kam einerseits die Frage: „Ob sich die Stadt diese Häuser noch leisten kann?“, so Stadtrat Hartmut Tittmann (Herrnhuter Liste). Andererseits will die Stadt ihren Vereinen und Bürgern weiter Treffpunkte in den Orten bieten. „Leere Häuser bringen uns nichts“, sagte Riecke. Letztmalig wurden die Gebühren vor fünf Jahren angeglichen und jetzt sei die Erhöhung ebenfalls moderat. Der Grund: Herrnhut stellt zu den Gebühren noch eine Pauschale für die Reinigung und den Verbrauch an Wasser und Energie den Mietern in Rechnung. Beides bleibt gleich.

Oderwitz: Gemeinde kann nur

das Schützenhaus vermieten

Solange im Landmannsheim die Bauarbeiter noch laufen, ist an eine Vermietung nicht zu denken. Wer will schon auf einer Baustelle feiern? Somit bleibt aus Sicht der Gemeinde nur das Schützenhaus an der Volkswiese. Aber das als Sommerhalle bezeichnete Haus hat seinen Namen nicht umsonst. Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos) sieht eine sinnvolle Nutzung nur in der warmen Jahreszeit. Im Winter stößt die Heizung an ihre Grenzen und es wird ungemütlich. Dennoch ist die Gemeinde mit der Auslastung zufrieden. „Wir haben feste Veranstaltungen und Nutzungszeiten von den Vereinen“, sagt die Bürgermeisterin. Auch Oderwitz ist es wichtig, seinen Vereinen und Bürgern ein Dach über den Kopf für Feiern und Veranstaltungen zu geben, als mit dem Schützenhaus nur Geld zu verdienen. Seit neun Jahren stehen die Gebühren zwar fest, aber sie variieren je nach Nutzungsform zwischen 50 Euro für die örtlichen Vereine bis hin zu 150 Euro (jeweils für zwei Tage), wenn das Haus kommerziell genutzt wird. Hinzu kommt, dass die Schulen und Kindereinrichtungen in der Gemeinde das Objekt kostenlos in Beschlag nehmen können.

Mittelherwigsdorf: Einheitlicher Stundensatz für alle Objekte

Die Gemeinde Mittelherwigsdorf arbeitee nach dem Gleichheitsgrundsatz, erklärt Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein). Sowohl für das Vereinshaus Alte Schule und den ehemaligen Kindergarten in Oberseifersdorf, als auch für das Vereinshaus in Mittelherwigsdorf wird für die Betriebskosten ein einheitlicher Stundensatz verlangt. Dieser liegt bei 12,95 Euro. „Das hat die Auswertung der Betriebskosten dieser Häuser ergeben“, so der Bürgermeister. Festgeschrieben ist der Betrag in einer Satzung. Ebenso, dass die Vereine die Gebäude mietfrei nutzen können und nur die Betriebskosten zu tragen haben. Aus Sicht der Sportgemeinschaft Rotation Oberseifersdorf ist das eine gute Lösung „Mit der wir prima leben können“, sagt Vereinsvorsitzender Dieter Graf.

In der Alten Schule trainieren die Tischtennisspieler und die Gymnastikfrauen. Den früheren Kindergarten nutzen die Fußballer als ihr Vereinsheim. Eine Gebührenerhebung habe es seit Jahren nicht mehr gegeben, so der Vereinsvorsitzende. Aus seiner Sicht ist das gut so, wenn die Gemeinde mit niedrigen Kosten die Vereinsarbeit unterstützt. Dennoch wünscht sich der Bürgermeister eine höhere Auslastung. „Wir haben noch Reserven in der Vermietung“, sagt Hallmann zu den gemeindeeigenen Objekten.

Bernstadt: Stadt gibt ihren

Vereinen finanzielle Zuschüsse

Eine andere Herangehensweise verfolgt die Stadt auf dem Eigen. Sie fördert ihre Vereine mit finanziellen Zuschüssen. Diese gibt es nicht nur für Veranstaltungen, Projekte, Anschaffungen sowie Bau- und Sanierungsvorhaben, sondern auch für Betriebskosten, Mieten oder Pachten. Dieser Zuschuss wird als „Kopfgeld“ pro Vereinsmitglied gezahlt, wobei der Betrag von 1,50 Euro für Kinder, drei Euro für Jugendliche und zehn Euro pro Erwachsener in ihrer Höhe variiert. „Die Vereine können ihren Bedarf bis 30. August für das Folgejahr beantragen. Abhängig von unserer finanziellen Lage werden die Beträge im Haushalt berücksichtigt“, sagt Bürgermeister Gunter Lange (parteilos).

Dieses Jahr stellt Bernstadt, wie das Jahr zuvor, 65 000 Euro für die Vereinsförderung bereit. Daher gelten einheitliche Preise für stadteigene Häuser. Für das gesamte Stadthaus werden beispielsweise 130 Euro pro Tag als Miete verlangt. Wird nur der Saal genutzt, sind es 97 Euro und ein Vereinsraum kostet 25 Euro. Diese per Satzung festgeschriebenen Gebühren gelten seit 2007 und sollen für Bernstadt und seine Ortschaften auch so bleiben.