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Wie verkauft man eine Flugzeughalle?

Ronald Größner und Brigitte Koch haben Riesenhallen. Eine ist saniert, die andere nicht.

© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Die Dachdecker wird Ronald Größner dieses Jahr nicht holen, obwohl das lange geplant war. Warum sollte er auch? Die größte Flugzeughalle wird bald ohne Flugplatz sein, so wollen es Stadt und Freistaat. Und nach den neuesten Entwicklungen sieht es ganz so aus, als vertraue die Bürgerinitiative darauf, dass man ihr hilft, eine neue Fläche für eine Landebahn zu finden. Ein Angebot haben sie schon vom Freistaat – und das heißt nicht Kleinraschütz, sondern Mühlbach. Südlich der B 98, an der neuen Trafostation der Enso, hat der Freistaat eine Fläche und die hat er jetzt der BI in Aussicht gestellt. Ronald Größner und Brigitte Koch vom Fliegenden Museum, die beiden wichtigsten Hallen-Besitzer, waren jetzt dort und schütteln nur den Kopf. Für die beiden erfahrenen Flieger ist das kein Angebot, für das es sich überhaupt lohnt, die Luftfahrtbehörde anzurufen. Der Grund: Mitten durch die Fläche zwischen dem Gut und dem Dorf Mühlbach zieht sich eine 360-000-Volt-Hochspannungsleitung.

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Außerdem: Wäre es hier plötzlich kein Problem, über einen sensiblen  Betrieb wie Kronospan zu fliegen? Die beiden winken ab. Sie müssen sich um ihre Zukunft Gedanken machen. Ronald Größner hat dabei noch mehr Glück als Josef Koch und Tochter Brigitte, einfach weil er in seine Halle nichts weiter investiert hat. Dabei ist sie mit 3 750 Quadratmetern deutlich größer als die Koch-Halle, die rund 2000 Quadratmeter misst. Größners Flugzeughalle hat so ziemlich jeder genutzt, der hier auf dem Flugplatz Geschichte schrieb: die Wehrmacht, die Russen, Kilian-Air und Sachsenflug GmbH. Dann kaufte sie der Dresdner Ronald Größner. Jetzt stehen hier Oldtimer-Flugzeuge, die allerdings im Gegensatz zu Kochs Flugzeugen nicht mehr flugfähig sind. Ronald Größner gehört dem „Sächsischen Verein für historisches Fluggerät“ an. Der Verein bewahrt nicht nur Flugzeuge vorm Vergessen, sondern auch Instrumente, Raketen, Modellflugobjekte und Motoren.

Dinge, die auch das Fliegende Museum von Josef Koch ausgesucht über viele Jahre aufgearbeitet und gesammelt hat. Mit diesem ganzen Fundus plus den historischen Flugzeugen umzuziehen und das alles wieder in einem Neubau unterzubringen, hält Brigitte Koch schlicht für illusorisch. „Unser Geld steckt einfach in der Halle“, sagt Brigitte Koch. Rund 600 000 Euro haben Kochs über die Jahre investiert.

Eine Summe, für die die Halle schlicht nicht zu verkaufen sein dürfte, fürchtet sie. Die Halle des pleite gegangenen Autobauers Funke & Will ist für gut 170 000 Euro weggegangen – mit Flugplatz vor der Tür. Doch Kochs müssten auch eine neue Halle bauen. Zum Vergleich: Eine 500-Quadratmeter-Halle, ohne Grundstück, Genehmigung, Bodenplatte und Einrichtung – also wirklich nur das Gerüst – kostet um die 60 000 Euro, rechnet sie. Und in einer Halle dieser Größe sind keine 17 Flugzeuge nebst Ausstellungsstücken unterzubringen. Ronald Größner spricht es aus: „Ihr seid die einzigen Verlierer bei der ganzen Geschichte, weil es Euch an die Existenz geht.“ Brigitte Koch nickt.

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Ihr wäre inzwischen persönlich ein Ende mit Schrecken lieber als ein Ende ohne Schrecken. Für den 71-jährigen Vater, der über Nacht sein Lebenswerk verliert, ist das ohnehin alles schwer. Das Papier, das Brigitte Koch in den Händen hält, gibt ihr wohl Recht. Der Freistaat hat den Fliegern zwar jetzt schriftlich zugestanden, den Flugbetrieb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Möglicherweise auch, bis ein Großinvestor kommt. Der Pachtvertrag mit der Flugplatzbetreibergesellschaft bleibt davon aber unberührt. Da die Kündigungsfrist einen Monat beträgt, ist diese Zusicherung praktisch nur guter Wille.