SZ +
Merken

Wie viel Freizeit bleibt mir noch im Alltagsstress?

Während die Mädchen mit Tratschen und Fahrradfahren beschäftigt sind, spiele ich lieber Computer, Gitarre oder Fußball, wie es nun mal für einen Jungen meines Alters typisch ist. Und das wird natürlich...

Teilen
Folgen

Von Martin Schuß

Während die Mädchen mit Tratschen und Fahrradfahren beschäftigt sind, spiele ich lieber Computer, Gitarre oder Fußball, wie es nun mal für einen Jungen meines Alters typisch ist. Und das wird natürlich immer gleich nach der Schule gemacht, wenn ich nach der Schule völlig fertig und geschafft, überhäuft von Hausaufgaben und Projektaufgaben nach Hause komme. Und ganz im Spielen vertieft, vergesse ich so manches Mal, meine Hausaufgaben zu machen. Aber wenn ich abends keine Zeit und keinen Elan mehr habe, um sie zu erledigen, dann warte ich den nächsten Tag ab und mache sie früh um sechs. Meistens oder fast immer sind sie richtig, und ich habe Freizeit und Schule einigermaßen unter ein Dach gebracht. Vielen anderen Schülern geht das genauso. Sie quälen sich morgens im Dunkeln in die Schule und kommen nach acht bis zehn Stunden wieder im Dunkeln fix und fertig nach Hause. Da kann ich mich nur fragen, wo die Freizeit geblieben ist? Die Freizeit, die wir brauchen, um uns abzureagieren, zu relaxen oder unseren Hobbys nachgehen zu können, wird von Generation zu Generation immer weniger. Der Lehrstoff dagegen, mit seinen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Erfindungen oder Fortschritten, wird immer mehr. Wie kann man denn heutzutage noch Freizeit und Schule an einem Nachmittag unter Dach und Fach bringen?

Dieses Problem ist eines von vielen Gründen, die für das sinkende Bildungs- und Leistungsniveau in unseren Schulen verantwortlich sind und Schüler zum Teil quasi zu Protesten anregen. Doch bei Änderung des jetzigen Zustandes könnte meiner Meinung nach das Leistungspotenzial wieder angehoben werden. Neue Zeitregelungen oder keine sinnlosen Freistunden wären zwei Möglichkeiten, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Denn ich habe keine Lust, immer den ganzen Tag vor den Lehrbüchern sitzen zu müssen. Den ganzen Tag in der Wohnung zu hocken und einen guten Eindruck zu machen, bringt mir null Punkte.

Der Autor besucht die Klasse 9b in der Mittelschule „Am Merzdorfer Park“ Riesa