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Wie viel Handel verträgt der Dresdner Norden?

In Klotzsche soll ein weiteres Einkaufszentrum entstehen. Die Einzelhändler kämpfen jetzt schon um ihre Kunden.

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Von Sylvia Gebauer und Sebastian Kositz

Die Idee ist kaum publik geworden, da sorgen die Pläne für ein neues Stadtteilzentrum auf dem Areal des früheren Güterbahnhofs in Dresden-Klotzsche bereits für reichlich Wirbel. Politiker, Teile der Stadtverwaltung und Vertreter des Einzelhandels schauen mit großer Skepsis auf das Vorhaben, in dessen Zuge ein Investor auch einen großen Supermarkt mit einer Verkaufsfläche mit bis zu 1.500 Quadratmetern errichten möchte. Ein Projekt, das zwar einerseits den Kunden im Dresdner Norden und in den angrenzenden Gemeinden mehr Auswahl für ihre Einkäufe bieten könnte. Doch zugleich fürchten die Kritiker, dass die zusätzliche Konkurrenz zu einem extremen Verdrängungswettbewerb führen wird – bei dem vor allem die kleineren Händler auf der Strecke bleiben.

Das Weixdorfer Hohenbusch-Center
Das Weixdorfer Hohenbusch-Center
Das Klotzscher Fontane-Center. Foto: Steffen Füssel
Das Klotzscher Fontane-Center. Foto: Steffen Füssel

Bereits jetzt ist der Einzelhandelsstandort im Dresdner Norden hart umkämpft. Das Fontane-Center, das Einkaufszentrum Klotzsche und das Hohenbusch-Center in Weixdorf werben eifrig um Kunden, die aus den gleichen Einzugsgebieten stammen. Kommt nun ein weiterer Akteur dazu, könnte es eng werden. Zumal es an der Langebrücker Straße neben dem alten Güterbahnhof auch schon Einkaufsgelegenheiten gibt.

Die Gewerbetreibenden sind jedenfalls alarmiert. Der Weixdorfer Blumenhändler Jan Stölzer, der auch im Fontane-Center ein Geschäft betreibt, kennt den herrschenden Konkurrenzkampf und warnt deshalb ausdrücklich: „Allein im Stadtteil Klotzsche gibt es schon jetzt etwa 7.500 Quadratmeter Verkaufsfläche im Lebensmitteleinzelhandel. Davon entfallen 6.800 Quadratmeter Verkaufsfläche auf sogenannte Vollversorger und Discounter. Wir brauchen nicht noch mehr.“

Ähnlich sehen das auch die Geschäftsleute im Weixdorfer Hohenbusch-Center. „Wo soll die Kaufkraft denn noch herkommen?“, fragt Annett Ullmann von der dortigen Werbegemeinschaft. Die Händler fürchten vor allem darum, dass künftig viele Kunden aus dem benachbarten Langebrück wegbleiben könnten.

Auch für viele Ottendorfer, die in Dresden arbeiten und über die Königsbrücker Straße mit dem Auto pendeln, ergeben sich neue Perspektiven. „Das wäre sehr schmerzlich“, sagt Annett Ullmann, die die Entwicklungen in Klotzsche nun genau beobachten möchte.

Ob, wann und was auf dem alten Bahngelände letztlich gebaut wird, ist jedoch noch offen. Bislang hat der Dresdner Bauausschuss mit hauchdünner Mehrheit und gegen den Widerstand von SPD, Linken und Grünen lediglich die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen. Ein formaler Verwaltungsakt, der nun weitere Untersuchungen nach sich ziehen wird. „Dabei wird auch festgestellt, ob der Standort überhaupt für den Einzelhandel verträglich ist“, beschwichtigt Ortsvorsteher Gottfried Ecke, Er will die Entwicklung im Blick behalten, ebenso wie die Einzelhandelslandschaft in Weixdorf.

Dort hat vor Kurzem die Leitung von Kaufland beschlossen, den Supermarkt um 800 Quadratmeter zu erweitern. Ein Beschluss, den der Ortsvorsteher verteidigt. Er verweist auf andere Einkaufszentren, welche diesen Schritt verpasst haben, wo Mieter letztlich kündigten. „Das darf uns in Weixdorf nicht passieren“, fügt er an.

Konkurrenz droht den Weixdorfer Händlern aber nicht nur in Klotzsche. Auch in der Nachbargemeinde Ottendorf-Okrilla sind weitere Einkaufszentren geplant. Diese würden den Einzelhandelswettstreit im Dresdner Norden zusätzlich verschärfen. Aber den entscheidet ohnehin der Kunde – denn der ist bekanntlich König.