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Wie viel Neubau verträgt der Dorfplatz?

Im Ortskern ist ein weiteres Gebäude geplant. Der Streit über die Gestaltung geht nun in eine neue Runde. Vielleicht die letzte.

© Daniel Schäfer

Von Matthias Weigel

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Wird der Ortskern von Pesterwitz bald mit einem riesigen Klotz zugebaut? Oder wird der geplante Neubau auf dem Gelände der alten Gärtnerei die versprochene harmonische Abrundung des Ensembles bringen? Im Spannungsfeld dieser beiden Meinungen wird gerade über das geplante Vorhaben gestritten. Ein Investor, der die alte Gärtnereifläche erworben hat, will seniorengerechte Wohnungen, Praxen, Läden, ein Café und Therapie-, Veranstaltungs- und Geschäftsräume einrichten. Noch bis morgen können die Einwohner die Pläne im Rathaus Potschappel einsehen und Einsprüche geltend machen.

Es ist inzwischen schon der dritte Entwurf des Bebauungsplanes, der für den Dorfplatz in Pesterwitz ausliegt. Immer hatte sich Widerstand geregt, in der Bevölkerung und auch von einigen Stadträten – vor allem wegen der geplanten Gebäudehöhe, der Abstände, der Massivität und der Kubatur des Neubaus. Zwar versicherte die Stadt, dass man bei den Plänen darauf geachtet habe, dass die Ortsmitte einen Abschluss bekommt, ohne das Erscheinungsbild zu zerstören. Das war vielen Pesterwitzern aber zu wenig – was wohl auch an dem sowieso aufgekeimten Neubaufrust liegt. Die Einwohner sehen ob einer Vielzahl von neuen Bauvorhaben hier oben eine Überfrachtung des Ortsteils, eine Überlastung der vorhandenen Infrastruktur.

Im konkreten Fall hieß das: nachbessern. Im neuen Konzept wurden die Baufelder verschoben, die Tiefgarage umgeplant, die Gebäudehöhen auf die bisher im Ortskern maximalen Höhen begrenzt und das vierte Geschoss zwingend als Dachgeschoss festgelegt. „Damit sollten die vorgetragenen Einwendungen hinreichend berücksichtigt sein“, so die Stadt. Ob dem tatsächlich so ist, wird sich an den Reaktionen auf die derzeit ausgelegten Pläne zeigen.

Schon vor der Veröffentlichung hatte sich aber gezeigt, dass die Meinungen weiter gespalten sind. Der Ortschaftsrat gab unter großem Bürgerinteresse mehrheitlich ein positives Votum ab. Die geplanten Wohnungen und Geschäfte werteten den Ort weiter auf, hieß es. Die Vorgaben seien klar, die Entwicklung des Ortskerns entsprechend der Auflagen wünschenswert.

Allerdings hatte die vom Investor beauftragte Architektin zur Sitzung eine gut illustrierte Studie gezeigt, wie die Bebauung möglicherweise aussehen könnte. Verbindlich ist das freilich bis zur Vorlage eines Bauantrages nicht. Die Pesterwitzer AfD-Stadträtin Ute-Maria Frost beklagt daher eine mögliche Irreführung. „Die gezeigten Bilder orientierten sich am Minimum des Machbaren. Was, wenn dann plötzlich doch ein Monster dort steht?“ Eine Bebauung der Fläche sei prinzipiell wünschenswert, sagt Frost. Allerdings sei ihr dieses Projekt zu sehr von Einzelinteressen, vom Profit geleitet, als von den Interessen des Ortes nach einer behutsamen Abrundung. „Der Bebauungsplan in der Form öffnet einer möglichen Fehlentwicklung Tür und Tor“, sagt Frost. Offensichtlich solle auch die Gestaltung der öffentlich relevanten Flächen, wie Bushaltestelle, Außengelände und Parkplätze, zu größeren Teilen auf den Steuerzahler abgewälzt werden. Frost kündigte juristische Schritte an, sollte das alles so kommentarlos durchgehen.

Ortsvorsteher Wolfgang Schneider (CDU) wies die Darstellungen scharf zurück. Auch andere erklärten, dass die Mehrheitsmeinung der Bürger, die im Ortschaftsrat anwesend waren, Frosts Aussagen nicht deckte. Außerdem verwies die Stadt darauf, dass das Vorhaben keineswegs beschlossen sei. Nach der Auslegung würden Einsprüche erneut abgewogen. Erst dann könne man Baurecht schaffen, wenn der Stadtrat zustimmt.

Freitals OB Klaus Mättig (CDU), selbst Pesterwitzer, hatte außerdem immer wieder darauf hingewiesen, dass man – bei allen berechtigten Bedenken – froh sein könne, dass die ruinöse Gärtnerei weg ist. Den Investor mit immer neuen Forderungen zu vergraulen und eine dauerhafte Brache zu riskieren, könne auch nicht im Interesse von Pesterwitz liegen.

Der Investor, der sich lieber im Hintergrund halten will, in Pesterwitz aber schon etliche Immobilienprojekte verwirklichte, hatte das Gelände 2011 erworben und die verfallene Gärtnerei abgerissen. Die Stadt hatte aber vorsorglich eine Sperre über den sensiblen Bereich verhängt, um eine Tankstelle, einen großen Supermarkt oder einen Mega-Wohnklotz zu verhindern. Der Eigentümer muss stattdessen mit der Kommune städtebaulich zusammenarbeiten, was er bisher laut Stadt bereitwillig tut.

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