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Werden zu viele Klinik-Betten freigehalten?

Die Krankenhäuser im Landkreis hatten sich auf viele Covid-19-Patienten vorbereitet. Es gibt aber kaum noch schwer Erkrankte. Das wirft Fragen auf.

Auf der Intensivstation in Pirna liegen keine Covid-19-Patienten mehr.
Auf der Intensivstation in Pirna liegen keine Covid-19-Patienten mehr. © Klinikum Pirna

Covid-19 ist die tückische Lungenkrankheit, die vom Corona-Virus Sars-CoV-2 ausgelöst wird. In der Bavaria-Klinik in Kreischa kämpfen zum Beispiel Patienten mit den Folgen der Infektion. Im gesamten Landkreis waren mit Stand vom 25. Mai noch 27 Personen mit dieser Diagnose in stationärer Behandlung. Darüber informiert das Landratsamt.

Das sind weit weniger Erkrankte als in den schlimmsten Prognosen befürchtet wurde. Zu jedem Zeitpunkt standen im Landkreis seit Ausbruch der Corona-Pandemie ausreichend Intensivbetten für alle Patienten, die eines benötigten,  zur Verfügung. 

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Um das auf jeden Fall zu gewährleisten, wurden im März zusätzliche Beatmungsgeräte angeschafft und - wo möglich - geplante Operationen verschoben. Die Zahl der Corona-Infizierten sinkt indes seit Wochen und damit auch die Zahl stationärer Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19.

Wie viele Covid-19-Patienten liegen in Krankenhäusern?

Im Helios-Klinikum in Pirna hätten für stationär behandlungsbedürftige Patienten mit einer Corona-Infektion Isolierbereiche mit bis zu 87 Betten bereitgestanden. In der Größenordnung wurden sie glücklicherweise nie gebraucht. Zudem stehen 37 jederzeit aktivierbare Beatmungsmöglichkeiten für Covid-19-Patienten und entsprechende Betten auf der Intensivstation zur Verfügung. 

Aktuell gibt es aber weder in Pirna noch in den Weißeritztal-Kliniken in Freital oder Dippoldiswalde einen Covid-19-Fall auf der Intensivstation. Allerdings musste das Klinikum Freital erst am vergangenen Sonnabend, dem 23. Mai, einen weiteren Todesfall vermelden. Eine 80-jährige Frau war dort verstorben, bei der zuvor ein Labor-Test auf Sars-CoV-2 positiv ausgefallen war. 

Auch in der Asklepios-Klinik in Sebnitz werden aktuell keine Corona-Patienten behandelt, ebenso wenig in der Hohwald-Klinik.

Damit ist die Bavaria-Klinik in Kreischa die einzige Einrichtung, in der noch Patienten im Zusammenhang mit dem Corona-Virus versorgt werden. Das Klinikum selbst äußerte sich zwar nicht auf Anfrage von Sächsische.de zur genauen Zahl. Es müssten jedoch mit Stand vom 25. Mai alle 27 Patienten sein, deren Zahl vom Landratsamt veröffentlicht wurde. Darunter befinden sich aber viele Patienten, die ihre Reha nach einer Covid-19-Erkrankung in Kreischa absolvieren. Über akute Fälle ist nichts bekannt.

Im Krankenhaus Dippoldiswalde werden aktuell keine Corona-Patienten behandelt.
Im Krankenhaus Dippoldiswalde werden aktuell keine Corona-Patienten behandelt. © Egbert Kamprath

Wann arbeiten Krankenhäuser wieder im Normalbetrieb?

Fast alle Krankenhäuser im Landkreis sind aufgrund der geringen Zahl an Corona-Patienten wieder in den normalen Betrieb übergegangen. "Seit vorletzter Woche wird bereits auf den Normalbetrieb umgestellt und das Klinikum Pirna bietet wieder elektive Behandlungen für seine Patientinnen und Patienten an", teilt das Klinikum auf Nachfrage mit. Dass bedeutet, dass keine Operationen mehr aufgeschoben werden. 

Niemand müsse auch Befürchtungen haben, dass es wegen der weiteren Behandlung von Corona-Patienten irgendwelche Beeinträchtigungen bei der eigenen Behandlung geben könnte. "Von Medizinern und Hygienikern wurde ein übergreifendes Konzept erarbeitet, das die sichere Versorgung der Patienten in den Mittelpunkt stellt", heißt es vom Klinikum.

Das gilt selbstverständlich auch für die Bavaria-Klinik in Kreischa. Dort sind die Besuchszeiten aber noch sehr eingegrenzt, für alle Patienten, nicht nur für die mit Covid-19. Die Bavaria-Klinik gilt als eine mit großer Erfahrung bei der Entwöhnung nach invasiver Beatmung oder der Reha danach und wird von Ärzten empfohlen.

Wie viele Operationen wurden verschoben?

Im März dieses Jahres hat die Bundesregierung entschieden, dass in Absprache mit den Krankenhäusern vorsorglich viele gesundheitlich unbedenkliche Eingriffe verschoben werden sollten. "Dringende Operationen und Behandlungen wurden selbstverständlich nach wie vor mit größter Sorgfalt durchgeführt", erklärt das Klinikum Pirna. Eine Statistik darüber, wie viele OPs verschoben wurden, könne das Haus jedoch nicht anbieten.

Ein Rettungsschirm der Bundesregierung aus dem März dieses Jahres sah vor, den Krankenhäusern eine Pauschale von 560 Euro pro ausgebliebenem Patienten und Tag zu zahlen. Das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aber schon im April versucht wieder einzudämmen. Schon da war klar, dass in der Region nicht mehr vorsorglich Betten frei gehalten werden müssten. 

Die freien Kapazitäten lagen nicht nur an der geringen Corona-Fällen. "Wir haben ausschließlich auf Wunsch der Patientinnen und Patienten OPs verschoben", teilte beispielsweise die Asklepios-Klinik in Sebnitz mit. Jetzt sind Krankenhäuser eher bemüht, darauf hinzuweisen, dass kein erhöhtes Ansteckungs-Risiko besteht und in den meisten Einrichtungen gar keine Corona-Patienten mehr liegen.

Warum ist die Kapazität in Sebnitz begrenzt?

Dennoch wird auf dem Online-Portal Divi-Intensivregister für das Krankenhaus Sebnitz angezeigt, dass keine Intensivbetten für jene frei sind, bei denen etwa eine invasive Beatmung oder eine Organersatztherapie erforderlich sind. Das Register ist neu. Seit 16. April müssen Krankenhäuser in ganz Deutschland täglich melden, ob Kapazitäten zur Verfügung stehen. Das ist auch für die Rettungsleitstellen eine gute Datenbasis. 

Die sechs Intensivbetten in Sebnitz sind aktuell belegt. "Unser Haus ist aber in der Lage, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen", heißt es aus der Klinik. Für leichtere Fälle seien zwar noch Betten frei, aber nur noch begrenzt. In dieser Kategorie sind aktuell auch die Krankenhäuser in Pirna und Kreischa laut Register gut ausgelastet.

Erfolgen im Landkreis auch Sauerstoff-Therapien?

Inzwischen haben Mediziner wesentlich mehr Erfahrung mit der Behandlung von Patienten mit Covid-19 als am Anfang der Pandemie. Für besonders schwere Fälle kam die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) zum Einsatz. Dabei fließt das Blut des Patienten zu einem Gerät geleitet, das Kohlendioxid aus dem Blut entfernt und mit Sauerstoff anreichert. Danach wird das Blut wieder in den Körper gepumpt. 

Eine solche Therapie ist im Landkreis jedoch nicht möglich. Pläne, dass Krankenhäuser hierzulande Geräte dafür anschaffen wollen, sind nicht bekannt. Am Herzzentrum und an der Uniklinik in Dresden ist diese Behandlung jedoch möglich.

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